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Was Ottmar Hitzfeld von Jogi Löw lernen kann

Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 03.06.2011 6 Kommentare

Der SFV hat den Vertrag mit Ottmar Hitzfeld trotz Misserfolg bis 2014 verlängert. Doch macht der Deutsche wirklich alles für den Erfolg? Das aktuelle Beispiel spricht nicht unbedingt dafür.

1/27 Deutschlands Bundestrainer Jogi Löw spricht viel mit seinen Spielern. Er unterhält sich mit Mesut Özil.
Bild: Keystone

   

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Der zweimalige Champions-League-Sieger mit Dortmund und den Bayern lässt es sich in der Schweiz wahrlich gut gehen. Er wird mit über einer Million Jahresgage fürstlich belohnt. Sein Rentenvertrag wurde jetzt sogar vorzeitig bis zur Weltmeisterschaft in Brasilien verlängert, was völlig unverständlich ist und auch bei vielen Experten wie Erich Vogel, Jörg Stiel oder Andy Egli für Erstaunen sorgt. Und zurzeit spielt Hitzfeld seinen Kritikern wieder einmal in die Hände.

Hitzfeld, einst zweifellos einer der besten Vereinstrainer der Welt, hat den Beweis noch nicht angetreten, dass er auch ein guter Nationaltrainer ist. Unter seiner Regie erreichte die Schweiz zwar mit Glück die WM in Südafrika. Doch nach dem Startsieg gegen den späteren Weltmeister Spanien war das Team dann nur noch eine einzige Enttäuschung. Die laufende EM-Qualifikation kann man bisher getrost als Desaster bezeichnen. Nach den Rücktritten der Basler Leistungsträger Alex Frei, Marco Streller und Beni Huggel sowie demjenigen von FCZ-Verteidiger Ludovic Magnin steht die Nationalmannschaft vor einem Neubeginn. Die Altersguillotine hat jetzt auch Luzerns Captain Hakan Yakin erwischt. Hitzfeld hat den 34-jährigen Basler für England nicht mehr nominiert.

Die Verbandsbosse schauen tatenlos zu

Hitzfeld setzt in seinem Aufgebot auf die Jugend. Er muss jetzt aber nicht bloss das Spiel von morgen in der EM-Qualifikation in London gegen England vorbereiten. Ab sofort geht es auch darum, eine gut funktionierende Gruppe für die kommende WM-Qualifikation zu bauen. Aber was macht Hitzfeld? Er macht eben nicht sonderlich viel. Und die Verbandsbosse schauen tatenlos zu. In der Schweiz, England, Deutschland ruhen die Meisterschaften. Es wäre die beste Gelegenheit für Hitzfeld gewesen, ein verlängertes Trainingslager zu organisieren und nicht bloss einen Kurzzusammenzug von fünf Tagen. Er hätte seine Spieler problemlos schon am Donnerstag vor einer Woche zusammenziehen können.

Zeit reichte sogar für ein Kinder-Training

Hitzfeld hätte die neuen jungen Spieler den Routiniers näherbringen können. Er hätte mit der Mannschaft viel arbeiten können und bei weiser Vorausplanung durchaus auch noch ein Testspiel einstreuen können, so wie das Bundestrainer Jogi Löw am vergangenen Sonntag gemacht hat. Da spielten die Deutschen, die heute Abend in der EM-Qualifikation gegen Österreich im Einsatz sind, noch gegen Uruguay. Aber was machen die Schweizer? Sie absolvierten erst am Dienstag ihre erste Trainingseinheit und bauten auch noch eine Kindertraining ein. Die Mannschaft verliert somit fünf Tage, in denen man zweimal täglich hätte gezielt trainieren können. «Es hätte tatsächlich viele Möglichkeiten gegeben, mit der Mannschaft zu arbeiten», sagt Jörg Stiel, der ehemalige Captain der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Hitzfeld glaube selbst wohl nicht mehr so richtig an eine EM-Qualifikation. «Hitzfeld signalisiert zumindest der Mannschaft nicht, dass er noch daran glaubt», sagt Stiel. Sonst hätte er die Nationalmannschaft schon am Donnerstag vor einer Woche zusammengezogen.

Jörg Stiel kritisiert Hitzfeld

«Hitzfeld hätte die neuen jungen Spieler integrieren können, er hätte in den Trainingseinheiten Standards trainieren und die Automatismen verbessern können. Er hätte viel im taktischen Bereich arbeiten können», sagt Stiel. Man hätte auch den neuen Captain Gökan Inler, den Nachfolger von Alex Frei, im Team besser einführen können. «Man hätte am vergangenen Samstag noch problemlos ein Testländerspiel einfügen und bestreiten können», fügt Stiel hinzu und zieht gleich einen Vergleich. Deutschland habe am Sonntag gegen Uruguay noch ein Testländerspiel bestritten. «Die Deutschen sind schon lange zusammen, trainieren, absolvieren einen Test und verfeinern ihr Spiel», sagt Stiel.

Löw betreibe eine stetige Weiterentwicklung der Mannschaft, obwohl die Deutschen in der EM-Qualifikation eigentlich bereits durch seien und das Spiel am Freitag gegen Österreich nur noch ein Schaulaufen sei. «Man muss die Frage stellen, ob Hitzfeld tatsächlich noch den Glauben hat, dass sich die Schweiz für die EM qualifiziert.» Die Nationalmannschaft sei keine Wohlfühlgemeinschaft, um sich auf den Urlaub vorzubereiten. «Die Nationalmannschaft ist eine Ehre und eine Verpflichtung gegenüber seinem Land», so Stiel.

Alain Sutter nimmt Hitzfeld in Schutz

Alain Sutter, Nationalmannschafts-Experte beim Schweizer Fernsehen, ist zuweilen auch ein harter Kritiker von Ottmar Hitzfeld. Doch er ist nicht in allen Punkten gleicher Meinung wie Jörg Stiel. «Es wäre zwar durchaus eine Möglichkeit gewesen, die Nationalmannschaft etwas früher zusammenzuziehen», sagt der ehemalige Nationalspieler gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Er glaube jedoch nicht, dass die Dispositionen von Hitzfeld Einfluss auf die Zukunft der Nationalmannschaft hätten. «Die Mannschaft bleibt ja im Grossen und Ganzen zusammen, sie kennen sich und wissen genau, was zu tun ist», sagt Sutter.

Viele Spieler würden zudem aus einer langen und schweren Saison kommen. «Da ist es vielleicht gar nicht schlecht, wenn sie einmal private Dinge regeln und den Kopf auslüften können», sagt Sutter. Er denke, dass die Vorbereitungszeit von vier Tagen für das Spiel gegen England genüge. Das könne sich auf die Qualität durchaus positiv auswirken. «Schlussendlich hängt aber alles von den Resultaten ab», räumt Sutter ein. Bei einer allfälligen Niederlage gegen England würden die Diskussionen sicherlich wieder aufkommen.

«Geht die Schweiz unter, kommt Hitzfeld dran»

«Ottmar Hitzfeld muss verantworten, was er macht», sagt Teleclub Experte Urs Schönenberger gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Der Trainer des FC Wohlen hinterfragt die Dispositionen Hitzfelds ebenfalls. «Ich finde es schon sehr seltsam, dass Hitzfeld die Chance nicht genutzt hat, sein Team schon am vergangenen Donnerstag zu besammeln», sagt Schönenberger, der den FC Thun einst in die Champions League geführt hatte. «Wenn die Schweiz in England untergeht, dann wird es für Hitzfeld wieder herbe Kritik hageln, dann kommt er dran», befürchtet er. Die Deutschen seien ein Vorbild, wie man es auch machen könnte.

«Das kann ich nun wirklich nicht verstehen», sagt auch FCZ-Legende Fritz Künzli. Auch der ehemalige Nationalspieler denkt, dass Hitzfeld die Spieler früher hätte aufbieten müssen. «Man hätte wahrlich genug zu tun», sagt Künzli gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Die Nationalmannschaft habe einige Baustellen. «Was Hitzfeld macht, ist für mich unverständlich und schon sehr seltsam», sagt er. Er glaube wohl selbst nicht mehr an die EM-Qualifikation.

Konietzka glaubt an Hitzfeld und die Jungen

Trainer-Legende Timo Konietzka denkt in dieser Sache ähnlich wie Alain Sutter, sein ehemaliger Spieler bei den Grasshoppers. «Hitzfeld ist so erfahren. Er hat einen Plan. Man muss ihm und seiner neuen jungen Mannschaft eine Chance geben», sagt der ehemalige Meistertrainer von GC und dem FCZ gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Schlussendlich seien aber die Resultate für einen Trainer das Allesentscheidende. Konietzka besuchte noch am Donnerstag das Training der Schweizer. «Da war Zug drin. Sie haben hervorragend trainiert», lobt Konietzka. Die Blutauffrischung sei gut für die Gruppe. Konietzka ist morgen im Wembley-Stadion live dabei und drückt Hitzfeld und seiner Mannschaft als Fan die Daumen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.06.2011, 11:30 Uhr

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6 Kommentare

Beat Zwahlen

03.06.2011, 13:29 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Hallo zusammen
Ich schätze die Fussball - Fähigkeiten und Kenntnisse von Herrn Hitzfeld sehr. Jedoch für unsere Nati ist er der falsche Mann!
Unter Köbi Kuhn hatte ich Freude an der Spielweise unserer Fussballtruppe. Dies ist mir unter der Leitung von Herrn Hitzfeld vergangen. Die Fehlpassorgien und die spürbare Verunsicherung der Truppe führten meinerseits dazu, dass ich den Fernseher abstellte
Antworten


patrick burkhalter

03.06.2011, 12:39 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Wir Schweizer können noch viel lernen. Man glaubt,wenn die einzelnen Spieler im Ausland engagiert sind haben wir eine solide Truppe... dem ist nicht so! Meist sind sie in den Teams keine Leader... Die Schweiz wird nie Weltklassespieler hervorbringen,das ist Tatsache... wir haben eine anständiges Team,aber grosse Sprünge wirds nie geben,auch nicht in nächster Zukunft ! Antworten



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