Sport

«Vertragsverlängerung mit Hitzfeld hat keine Priorität»

Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 14.10.2010 5 Kommentare

Verbandspräsident Peter Gilliéron ärgert sich sehr über die Pfiffe gegen Alex Frei. Der 57-jährige Berner spricht über die Vorfälle in Basel, über die Zukunft mit Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld – und auch über Länderspiele in Bern.

Spricht Klartext: Fussball-Verbandspräsident Peter Gilliéron.

Spricht Klartext: Fussball-Verbandspräsident Peter Gilliéron.
Bild: Keystone

Wie geht es Ihnen nach dem 4:1-Sieg der Schweiz gegen Wales?
Peter Gilliéron: Viel besser als vorher. Das Team hat eine Reaktion gezeigt und Tore erzielt.

Aber die Pfiffe gegen Alex Frei...
...haben mich furchtbar aufgeregt. Pfiffe stören mich immer, und für die Vorfälle am Dienstag könnte man noch viel schärfere Worte finden. Es kann nicht sein, dass ein so verdienstvoller Nationalspieler wie Alex Frei so wenig Wertschätzung erhält. Ich habe kein Verständnis für Pfiffe.

Natürlich gehören sich Pfiffe gegen den eigenen Captain nicht. Aber haben Sie eine Erklärung, warum Alex Frei so unbeliebt ist?
Absolut nicht. Alex Frei ist seit Jahren einer der besten Nationalspieler, er gibt auf dem Platz immer alles. Es ist doch nicht normal, wenn Spieler der eigenen Nationalmannschaft ausgepfiffen werden.

Alex Freis Biografie als Nationalspieler ist bewegt, angefangen bei der Spuckaffäre 2004 an der Euro über unzählige Tore bis zur unglücklichen WM 2010...
...ja, er hat viel erlebt. Umso mehr sollte man seinen Willen und seine riesengrosse Leidenschaft respektieren. Ich habe Frei am Dienstag beim Abschied im Hotel noch kurz gesehen, die Pfiffe haben ihn sehr getroffen.

Wie geht es jetzt in dieser Angelegenheit konkret weiter?
Von Verbandsseite werden wir uns bestimmt bemühen, damit Alex Frei nicht zurücktritt. In erster Linie aber wird Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld diese Sache mit Frei besprechen. Der Trainer steht voll hinter seinem Captain, das ist gut so, und auch das Team zeigte sich schockiert über die Pfiffe. Es gibt immer wieder Spieler, die vielleicht gerade keine Tore schiessen, aber wir alle wissen, wie viel Frei für das Nationalteam immer leistet.

Und warum wird in der Schweiz generell so rasch gepfiffen?
In St.Gallen gab es auch schon Vorkommnisse, die uns nicht gefallen haben. Vielleicht ist das der Zeitgeist, wobei es das ja seit Jahren gibt. Als 2005 vor dem WM-Barragespiel in Bern während der türkischen Hymne laut gepfiffen wurde, schämte ich mich sehr. Wir sind dann auch nicht mit offenen Armen in Istanbul empfangen worden.

Wie kann der Verband gegen solche ärgerlichen Dinge vorgehen?
Es gab vor Jahren eine Kampagne, Pfiffe im Stadion seien unfair. Manchmal ist es aber so, dass sich gewisse Leute besonders angesprochen fühlen, wenn zum Beispiel der Speaker darauf hinweist, etwas sei nicht erlaubt. Und wir können ja nicht das Stadion räumen oder die Länderspiele vor leeren Rängen austragen lassen. Aber wir können an die Leute appellieren, fair und friedlich zu sein. Und im nächsten Heimspiel wird die Stimmung wieder besser sein.

Stimmt es aber, dass sich der Verband eine Trennung von Ottmar Hitzfeld im Falle einer Niederlage gegen Wales überlegt hatte?
Das ist ein hypothetische Frage. Ich wollte nach der Niederlage in Montenegro nicht falsch interpretiert werden, darum sagte ich, man werde sich nach der Partie gegen Wales zusammensetzen. Wir sind weiter sehr von der Arbeit Hitzfelds überzeugt.

Also streben Sie noch in diesem Jahr eine Vertragsverlängerung bis zur WM 2014 an?
Nein, das hat zurzeit keine Priorität. Wir schauen jetzt, was in der EM-Qualifikation passiert. Da warten nur noch Endspiele.

Und wie hoch sind die Chancen, dass wieder Länderspiele in Bern stattfinden, wenn im Stade de Suisse ein Naturrasen liegt?
Sehr gut. Auf Kunstrasen spielt das Nationalteam nicht, aber Bern ist mit seiner Lage und aufgrund der Tradition ein toller Ort für Länderspiele. Partien wie gegen Wales, die im St.-Jakob-Park nicht ausverkauft sind, wären ideal fürs Stade de Suisse. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.10.2010, 18:17 Uhr

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5 Kommentare

Peter Zuberbühler

15.10.2010, 18:26 Uhr
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Es ist ja wirklich interessant, wie jetzt betr. dem armen Alex Frei gejammert wird. Frei hat für die Nationalmannschaft wirklich hervorragendes geleistet. Aber muss es dennn wirklich sein, dass er mit seinem falschen Ergeiz im Verein und hauptsächlich in der Nationalmannschaft jeden stehenden Ball ausführen muss? Als Stürmer gehört er doch in den Strafraum. Warum akzeptieren das die Trainer? Antworten


Marcel Tschudi

14.10.2010, 19:45 Uhr
Melden

Also ich würde den Welttrainer Hitzfeld so bald als möglich für die Schweiz binden. Einen Besseren findet man für die Schweiz nicht. Antworten



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