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«Und? Das ist doch kein Problem»

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 14.07.2012 1 Kommentar

YB-Trainer Martin Rueda sagt vor Saisonstart, was er von unzufriedenen Spielern erwartet, was er für ein Verhältnis zu Assistent Thomas Häberli hat und weshalb er nicht gerne in Hotels übernachtet.

Kommentar Ruedi Kunz

Spieler müssen Wohlfühloase verlassen

Kein Jahr ohne Umbau. Im Sommer 2010 wurde der damalige Betriebsleiter Stefan Niedermaier handstreichartig aus dem Amt entfernt und durch Ilja Kaenzig ersetzt. Vor einem Jahr wechselte der neue YB-Trainer Christian Gross fast das halbe Team aus. Heuer nun werden wieder in der Chefetage Stühle verschoben. Diese Woche wurde bekannt, dass der Technische Direktor Hansruedi Hasler sein Arbeitspensum auf 50 Prozent halbiert hat. Fast gleichzeitig legte Benno Oertig seine Verwaltungsratsmandate ab und stiess seine Minderheitsbeteiligung von 12 Prozent ab. Dies auf sanften Druck der Mehrheitsaktionäre Andy und Hans-Ueli Rihs, die nun alleinige Besitzer von YB sind.

Oertigs Ausscheiden aus dem Führungszirkel gibt YB die Chance, nicht nur salbungsvoll von der Rückkehr zu alten Tugenden und der «Verbernerung» des Klubs zu sprechen, sondern auch entsprechend zu handeln. Keine grossspurigen Sprüche à la «Phase 3», keine überteuerten Transfers von zweit- bis drittklassigen Ausländern, sondern grundsolide Arbeit, um verlorenen Goodwill zurückzugewinnen: Das muss die Maxime sein in der nächsten Zeit.

Insofern ist es sicher nicht falsch, auf die Karte Bescheidenheit zu setzen. Doch man kann es auch übertreiben. Die YB-Führung redet im Moment derart vieles klein, dass man meinen könnte, der Klub mit dem zweitgrössten Budget der Super League müsse die Saison 2012/13 mit einem reinen Verlegenheitsteam bestreiten.Das Gegenteil ist der Fall: Trainer Martin Rueda steht nahezu das gleiche Kader zur Verfügung, das die Rückrunde bestritten hat. Es ist eine Gruppe von Spielern, die für Super-League-Verhältnisse überdurchschnittlich talentiert ist. Die grosse Frage ist, ob diese Gruppe auch fähig ist, überdurchschnittliche Leistungen zu bringen? In der letzten Saison war sie es viel zu selten. Genau genommen wuchs sie nur in den zwei Heimspielen gegen den FC Basel und in der Europa-League-Qualifikation gegen Braga über sich hinaus. Für die Stagnation wurde der Coach verantwortlich gemacht. Gross’ gestrenges Regime nehme ihnen die Freude am Beruf und stelle ihnen die Luft ab, klagten die Spieler im privaten Kreis. Nun, da der dominante Kontrollfreak Gross weg ist und mit Martin Rueda eher ein Kumpeltyp die Verantwortung trägt, steht einer Leistungssteigerung eigentlich nichts mehr im Weg.

Ja: Die teuerste YB-Mannschaft aller Zeiten – die Lohn- und Prämienkosten dürften im Erfolgsfall fast 20 Millionen Franken betragen – hat eine Bringschuld. Sie muss zeigen, dass sie Charakter hat und willens ist, sich auf dem Platz zu zerreissen. Das darf der Arbeitgeber verlangen, der sie sehr gut entlöhnt und ihnen ein nahezu perfektes Umfeld bietet. Das dürfen aber auch die Fans verlangen, die trotz den jüngsten Rückschritten weiter in stattlicher Zahl ins Stadion kommen.Sollte die Mannschaft wieder nicht in Schwung kommen, darf sich die Clubleitung ruhig überlegen, ob es mittelfristig nicht sinnvoller wäre, den überteuerten Betrieb etwas zurückzufahren und vermehrt auf billigere Eigengewächse zu setzen.

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Martin Rueda, auf welchem Platz steht YB Ende Saison?

Es wäre ungeschickt, wenn ich im Vorfeld der Meisterschaft einen konkreten Platz nennen würde. Klar ist: Wir wollen vorne mitspielen, und die Qualifikation für einen Platz in der Europa League erachte ich als Pflicht.

Bei YB wird neuerdings allenthalben von Bescheidenheit gesprochen. Wenn man der Clubleitung zuhört, könnte man meinen, der Club habe einen Aderlass hinter sich und müsse im schlimmsten Fall um den Abstieg kämpfen. Dabei gab es kaum Mutationen im Kader.

Ich habe Verständnis für die Clubführung, dass sie nach der unglücklich verlaufenen letzten Saison nicht grosse Töne spuckt. Ich selber bin auch keiner, der das Maul aufreisst, noch bevor die ersten Punkte verteilt sind. Was stimmt: Wir haben viele ausgezeichnete Spieler bei YB. Doch diese werden nur Erfolg haben, wenn sie bereit sind, sich in den Dienst des Teams zu stellen.

Sie haben im Moment 26 fast gleichwertige Spieler im Kader. Das wird etliche Unzufriedene geben, selbst wenn sich YB für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert.

Auf diesem Niveau muss ein Spieler akzeptieren können, dass er nicht immer zur Stammelf gehört – oder sogar einmal einen Match auf der Tribüne verfolgen muss. Das Thema Solidarität ist mir sehr wichtig. Ich werde es nicht akzeptieren, wenn Ersatzspieler Unruhe in die Gruppe hineintragen. Das habe ich auch dem Team klargemacht.

Gegenüber den Medien wirken Sie eher scheu. Wie ist Martin Rueda, wenn er mit seinen Spielern spricht?

Mir ist der Austausch mit den Spielern sehr wichtig. Ich bin nicht ein Trainer, der sagt: «So geht es und nicht anders, verstanden!» Die Spieler wollen heute angehört werden und nicht nur reine Befehlsempfänger sein.

Mit Thomas Häberli haben Sie einen Assistenten, der das Innenleben von YB viel besser kennt als Sie und sehr nahe bei der Mannschaft steht.

Und? Das ist doch kein Problem. Es ist nicht so, dass «Häbi» der kleine Assi ist und ich der grosse Chef. Wir haben eine sehr flache Hierarchie. Er steht schon wegen seines Alters den Spielern näher als ich. Also ist es nichts als logisch, dass er viel mit ihnen spricht. Als langjähriger Stürmer betreut er auch immer wieder Übungen im Offensivbereich.

Nimmt Häberli auch Einfluss auf die Mannschaftsaufstellung?

Wir tauschen uns immer wieder aus während und zwischen Trainingseinheiten. Doch keine Frage: Als Chefcoach trage ich die Verantwortung für die Aufstellung.

Und: Wer spielt beim Meisterschaftsauftakt gegen St. Gallen?

Das verrate ich Ihnen nicht – es sei denn, Sie publizieren die Aufstellung nicht bis kurz vor Matchanpfiff (lacht).

Ich nehme an, Wölfli, Nef, Veskovac, Farnerud, Spycher, Costanzo und Mayuka stehen in der Startelf.

Das sagen Sie (lacht wieder).

Auf der rechten Mittelfeldseite hat Rückkehrer Christian Schneuwly Matias Vitkieviez überflügelt.

Das stimmt nicht. Schneuwly und Vitkieviez sind zwei unterschiedliche Spieler, die sich auf gleicher Augenhöhe bewegen. Je nach Ausgangslage werde ich auf den einen oder den anderen setzen.

Zurückgemeldet hat sich Mario Raimondi, der letzte Saison weit nach hinten durchgereicht wurde.

Mario hat in der Vorbereitung gezeigt, dass er willens ist, um einen Stammplatz zu kämpfen.

Wie ist es um den Formstand von Emmanuel Mayuka bestellt?

Er ist fit, seine Spielfreude ist zurück.

Wie weit ist der junge Michael Frey?

Ich bin sehr zufrieden mit seiner Entwicklung. Er ist äusserst robust für sein Alter und will jeden Tag besser werden.

Mit dem FC St. Gallen bekommt es YB am Sonntag mit einem sehr unbequemen Gegner zu tun. Was erwarten Sie von Ihrem Team?

St. Gallen will dem Heimpublikum etwas zeigen. Es wird von Beginn weg viel Dampf machen und die Zweikämpfe suchen. Deshalb ist es wichtig, dass wir kämpferisch dagegenhalten.

Noch ein Wort zum Thema Hotelübernachtungen. Anders als Ihr Vorgänger Christian Gross halten Sie wenig vom auswärtigen Übernachten vor Spielen. Wieso?

Weil man zu Hause am besten schläft. Und weil die Aufenthalte im Hotel mit extrem langen Wartezeiten verbunden sind. Deshalb werden wir in der Regel nur vor Auswärtsspielen die Nächte im Hotel verbringen. Vor Heimpartien werden wir nur Tageszimmer beziehen. (Der Bund)

Erstellt: 14.07.2012, 09:13 Uhr

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1 Kommentar

René Müller

14.07.2012, 16:04 Uhr
Melden 1 Empfehlung 0

Welchen Platz es am Schluss ist. Ich wünsche YB alles Gute und wenn möglich ein Titel. Spiele mit schönen Toren. Keine Fans die überborden. Antworten



Programm & Resultate

Keine Daten vorhanden
Topshelf Open
19.06EndeLorenzi - Wawrinka3:6 6:7
Stand: 19.06.2013 17:23
Keine Daten vorhanden
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Topshelf Open
20.0612:30Chardy - Wawrinka
Stand: 19.06.2013 17:23
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NHL Playoffs
EndeBoston Bruins - Chicago Blackhawks5:6
Stand: 20.06.2013 05:31
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