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Umbau in der YB-Teppichetage – Stagnation auf dem Feld

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 26.05.2011 6 Kommentare

Nach einer Saison voller Nebengeräusche strebt YB mit Christian Gross einen Neuanfang an.

Fester Blick auf den Titel: der neue YB-Trainer Christian Gross. (Manuel Zingg)

Fester Blick auf den Titel: der neue YB-Trainer Christian Gross. (Manuel Zingg)

Stadionchef Stefan Niedermaier: entlassen. Sportchef Alain Baumann: entlassen. Trainer Vladimir Petkovic: entlassen. Ilja Kaenzig: neu Delegierter des Stade de Suisse-Verwaltungsrates. Hansruedi Hasler: neu Technischer Direktor bei YB. Thomas Gurtner: neu Stadionchef. Christian Gross: neu Trainer ab nächster Saison.

Es war eine Saison der grossen Umwälzungen beim BSC Young Boys. Dass die erste Mannschaft in einem derart eruptiven Umfeld auf die Dauer keine sportlichen Höchstleistungen abrufen konnte, ist nicht erstaunlich. Zumal es sich um ein Team handelt, welches «traumatisiert» in den Meisterschaftsbetrieb gestiegen ist. Der auf der Zielgeraden verspielte Meistertitel im Mai 2010 hatte in den Köpfen der Spieler tiefere Spuren hinterlassen, als sich diese eingestanden. Die fussballerisch talentierte Gruppe konnte nur temporär die Bremse richtig lösen. Häufig gelang ihr dies, wenn sie die europäische Bühne betrat. Sie setzte Duftmarken, als sie sich mit Fenerbahçe Istanbul, den Tottenham Hotspurs, Getafe, Odense, Stuttgart und Zenit St. Petersburg mass. Das war schön und gut für die Zuschauer, das Image und die Klubkasse.

Das Abenteuer Champions-League-Qualifikation und Europa League hatte aber auch eine Kehrseite. Es entzog der Mannschaft viel Substanz. Substanz, die ihr in der Super League fehlte. Mehrmals liess sie nach Europacup-Begegnungen gegen auf dem Papier schwächere Gegner Punkte liegen, weil sie nicht rechtzeitig den Schalter umkippen konnte. Die Ausrutscher blieben nicht ohne Folgen: Statt ganz vorne mitzumischen, lag YB bereits bei Meisterschaftshälfte sechs und mehr Punkte hinter dem Spitzentrio Luzern, Basel und Zürich zurück. Die Ernüchterung im Umfeld des Stadtberner Vereins war gross. Dort hatte man die Ankündigungen der Stade-de-Suisse-Investoren nicht vergessen, die beim abrupten Stabswechsel von Niedermaier zu Kaenzig grossmundig vom Übergang in die «Phase 3» gesprochen hatten und YB zum Bayern München der Schweiz machen wollten.

Der Coup mit Gross

Anfang Rückrunde sah es danach aus, als kriegte YB die Kurve doch noch. Unter der Führung des während der Winterpause verpflichteten Alexander Farnerud legten die Berner eine beachtliche Serie hin (4 Spiele/10 Punkte). Doch allmählich zeigte die Formkurve wieder nach unten. Als Anfang April der FC Basel im Stade de Suisse gastierte, konnten sich die Gastgeber über ein Unentschieden glücklich schätzen. Beim nächsten Aufeinandertreffen der beiden Rivalen 14 Tage später gab es nichts mehr zu diskutieren: Der FCB war klar besser, obwohl er nur 2:1 gewann. Spätestens nach diesem Match war für Kaenzig klar, dass es für Petkovic keine Zukunft mehr gab bei YB. Sobald er die Geldgeber um Verwaltungsratspräsident Benno Oertig von der Notwendigkeit eines teuren Wechsels überzeugt hatte, ging er ans Werk. Es dauerte nicht lange, hatten er und Hasler einen ganz dicken Fisch an der Angel: Christian Gross. Am 8. Mai war es so weit: Petkovic musste nach dem vierten sieglosen Match in Serie die Koffer packen; nur wenige Stunden später wurde sein Nachfolger Gross den Medien präsentiert.

Bereits auf der Zielgeraden

Der Auftrag an den Zürcher Polizistensohn ist klar: Er soll YB möglichst bald zu Titelehren führen. Laut Kaenzig befindet sich der Klub bereits heute auf der Zielgeraden, und «Christian Gross ist unserer Meinung nach der richtige Mann für die letzten 10 Meter, die unerhört beschwerlich sind». Tatsächlich gibt es in der Schweiz keinen anderen Übungsleiter mit einem vergleichbaren Leistungsausweis (sechsmal Schweizer Meister, fünfmal Cupsieger). Doch die Rechnung «Gross = sofortiger Erfolg» geht nicht automatisch auf. Gross übernimmt zwar eine Equipe, die technisch stark und talentiert ist. Es ist aber auch eine Equipe, die den Ruf hat, in den ganz wichtigen Begegnungen Nerven zu zeigen. Die zentrale Frage lautet: Schafft es Gross, die Siegermentalität, die ihm eigen ist, auf die Spieler zu übertragen? Wenn nicht, wird er sich nicht scheuen, neues Personal zu verlangen.

Hohe Investitionen für Titelehren

Der Mann, der neben Gross am meisten unter Druck steht, ist Ilja Kaenzig. Er hat die Vorwärtsstrategie zu verantworten, die das Klubbudget in die Höhe getrieben hat. Die Mehrkosten verursachen einerseits die Fachleute, die YBs starker Mann an Bord geholt hat. Andererseits schlägt der Umbau der Mannschaft zu Buche. Gross bevorzugt gross gewachsene und physisch starke Spieler, die im aktuellen Kader rar sind. In einer ersten Tranche ist der Kauf je eines Verteidigers, Mittelfeldspielers und Stürmers geplant. Ob die drei Zuzüge bereits ausreichen, um die direkte Konkurrenz aus Basel und Zürich das Fürchten zu lehren, wird sich noch in diesem Jahr weisen. Sollte der YB-Express nicht richtig in Fahrt kommen, ist schon um die Weihnachtszeit mit weiteren Investitionen zu rechnen. Denn wie pflegt Kaenzig die stürmische Epoche zu umschreiben, die mit seiner Ankunft eingeläutet wurde: «YB befindet sich in einer exponentiellen Wachstumsphase.» (Der Bund)

Erstellt: 26.05.2011, 08:01 Uhr

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6 Kommentare

Mike Bucher

26.05.2011, 13:39 Uhr
Melden 12 Empfehlung

YB als Bayern München der Schweiz??
Die Verantwortlichen täten gut daran, es vielleicht zunächst einmal als Borussia Dortmund zu versuchen. Dort wurde aufgezeigt, dass Erfolg auch ohne die ganz dicken Batzen zu haben ist. Das würde besser zu Bern passen und wäre sympathischer. Überlassen wir das Bayern-Gehabe den Baslern, dort passt ja schon der Name: FCB
Hopp YB!!!
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Cédric Bachmann

26.05.2011, 08:35 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Ich bezweifle, dass die nötige Qualität und das Funktionieren eines Kaders durch Zukäufe teurer Spieler erreicht werden kann. Es bedarf den Mut junge, talentierte Eigengewächse in eine 1. Mannschaft zu integrieren. Diese geben sich eher mit dem Reservistendasein zufrieden und sind selbst für Kurzeinsätze top motiviert. Reicht die Qualität der Jugendarbeit nicht aus, gilt es dort zu investieren. Antworten



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