Trotz der Niederlage scheffelte Wölfli Pluspunkte

Von Peter Herzog. Aktualisiert am 05.03.2010

Der YB-Goalie musste gegen Uruguay in seinem vierten Länderspiel drei Gegentore hinnehmen, aber Marco Wölfli erhielt Lob von Nationalcoach Hitzfeld.

Marco Wölfli: Von der Trainerkritik ausgeschlossen. (Andy Müller/EQ)

Marco Wölfli: Von der Trainerkritik ausgeschlossen. (Andy Müller/EQ)

Bei einem 1:3 gebe es keine Sieger, nur Verlierer, brummte Ottmar Hitzfeld eine Nacht nach der Niederlage der Schweiz gegen Uruguay in St. Gallen auf die Frage, ob es in seinem Team nach diesem Testspiel auch Gewinner gebe. Um an der WM in Südafrika als Aussenseiter die Gruppenspiele überstehen zu können, braucht man als Trainer eine Abwehr, die sicher steht. Dazu einen Torhüter, der keine Fehler macht. Und in dieser Hinsicht war Hitzfeld in der Vergangenheit sehr verwöhnt - bei Bayern München konnte er sich damals mit Oliver Kahn auf einen Weltklasse-Goalie verlassen.

Gegen Uruguay erlebten nicht nur Hitzfelds Debütanten Rossini, Shaqiri und Chiumiento einen schwierigen Abend, auch von den Routiniers war wenig zu sehen. «Ich bin sauer auf die Vorstellung einiger Leistungsträger», sagte Hitzfeld. Namen nannte er nicht, doch zwei Spieler schloss er von seiner Kritik explizit aus: «Marco Wölfli war der beste Mann, zusammen mit Gökan Inler», lobte Ottmar Hitzfeld den Torhüter, und das mit gutem Grund. Der YB-Goalie hielt die poröse Abwehr einigermassen zusammen, er war der Einzige, der eine gewisse Sicherheit ausstrahlte, er rettete seine Mannschaft gegen Alvaro Pereira und zweimal gegen Luis Suarez vor einer noch deutlicheren Niederlage.

Als Nummer 2 etabliert

Hinter dem verletzten Diego Benaglio hat sich der 27-jährige Wölfli in der Hierarchie der Torhüter klar als Nummer 2 etabliert. «Auf den Torhüterpositionen haben wir zurzeit kein Problem», betonte Hitzfeld, «aber auch da weiss man nie; plötzlich verletzt sich einer oder gerät in ein Formtief.» Deshalb wolle er sich auf eine Rangordnung nicht festlegen, die zurzeit aber so lauten dürfte: Nummer 1 Benaglio, 2 Wölfli, 3 Leoni, 4 Coltorti. Was Hitzfeld an Wölfli besonders gefällt, ist seine «Lebendigkeit», wie er es formuliert. «Er spielt mit, ist sehr aufmerksam und hat mit richtigem Herauslaufen zwei gefährliche Situationen für uns gerettet.»

Gestern Donnerstag war Marco Wölfli beim Training im Stade de Suisse bereits wieder auf das nächste Meisterschaftsspiel am kommenden Sonntag gegen Xamax fokussiert. Auch bei den Young Boys spielt der Goalie zurzeit hinter einer Abwehr, die man nicht als ausgesprochen stabil bezeichnen kann. «Wenn man drei Gegentore erhält, ist es schwierig, ein positives Fazit zu ziehen», ging er nochmals auf das Länderspiel ein. «Uruguay hat uns ein Beispiel gegeben, wie man aggressiv und dennoch korrekt in die Zweikämpfe geht. Unsere WM-Gegner Chile und Honduras werden ähnlich spielen», glaubt Wölfli.

Auch er weiss, dass er mit seiner Leistung gegen Uruguay bei Hitzfeld Pluspunkte gesammelt hat, ist aber abgeklärt genug, um jetzt keine grossen Ansagen zu machen. «Meine Aufgabe ist es, bereit zu sein, wenn der Trainer mich braucht.» Hitzfeld wird diese Zurückhaltung gefallen. Er erlebt Wölfli als einen Spieler «mit positiver Ausstrahlung», der sich auch um die Jungen kümmere und versuche, ihnen die Nervosität zu nehmen. «Man merkt in seiner Art, dass er bei YB Captain ist.»

In zwei Tagen wartet die nächste Prüfung auf Wölfli in Neuenburg. Der WM-Countdown tickt nicht nur während der Testspiele der Nationalmannschaft.

(Der Bund)

Erstellt: 05.03.2010, 10:02 Uhr

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