Rooney trotz Skandal gegen die Schweiz dabei
Steven Gerrard zeigt sich zuversichtlich. (Video: Joël Gernet)
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Stürmer Wayne Rooney ist zurzeit im Umfeld des englischen Nationalteams das einzige Thema von Interesse. Gegen wen die «Three Lions» am Dienstagabend im Basler St.-Jakob-Park spielen, ist für die Medien lediglich von marginaler Bedeutung.
15 TV-Kameras, 20 Fotografen und rund 50 Journalisten erwarteten das englische Team gestern Nachmittag nach der Ankunft im Mannschaftshotel unmittelbar neben dem Basler Hauptbahnhof. Die Pressekonferenz mit Teamchef Fabio Capello dauerte exakt neun Minuten.
Acht Fragen wurden gestellt, alle drehten sich um Rooney und dessen neuste Eskapaden ausserhalb des Spielfeldes. Capello, wahrscheinlich froh, dass sich die Aufmerksamkeit der Journalisten nicht mehr auf seine Person konzentrierte, antwortete in Kürzest-Fassung und war bereits wieder aus dem Saal entschwunden, ehe nachgefragt werden konnte.
Suspendierung kommt nicht in Frage
«Rooney ist fit, er hat gut trainiert und er wird gegen die Schweiz spielen», sagte der Italiener. Er wüsste nicht, weshalb er Rooney nicht spielen lassen sollte. Er habe John Terry für dessen ähnlich gelagerten Misstritte im Privatleben auch nicht suspendiert, sondern lediglich als Captain abgesetzt. «Aber er hat immer gespielt und so wird es auch Wayne Rooney.»
Capello versuchte danach den hartnäckig auf dem Thema herumreitenden Journalisten zu erklären, dass auch andere Nationen schon mit solchen Problemen abseits des grünen Rasens zu kämpfen hatten: «Auch die Franzosen, Deutschen und Italiener kennen solche Vorfälle.»
Dies hinderte die Medienleute jedoch nicht daran, auch bei Steven Gerrard, der ihnen im Anschluss von Capello für fünf Minuten zur Verfügung stand, über das gleiche Thema zu diskutieren. Doch dieser ging nicht gross auf auf die Thematik ein: «Wayne hat einen starken Charakter, ich kenne ihn schon lange. Er hat ein Problem abseits des Fussballplatzes, aber ich denke nicht, dass ihn dies daran hindern wird, gut zu spielen.»
18 Stunden ohne Tor
Gut gespielt hatte der ManU-Stürmer bereits am Freitag gegen Bulgarien. Alle drei Treffer von Jermain Defoe zum 4:0-Heimsieg im Wembley-Stadion wurden vom ungewohnt weit zurückhängend agierenden Rooney eingeleitet. Ein eigener Torerfolg war ihm zwar nicht gelungen, doch just am Samstag zuvor hatte er eine lange Durststrecke mit einem Penaltytreffer gegen West Ham United beendet. 1113 Minuten war der bullige Angreifer ohne Torerfolg geblieben, das waren über 18 Stunden reine Spielzeit. Eine unglaublich lange Zeit für einen wie ihn, der nur an Toren gemessen wird.
Dabei hatte das Jahr für Rooney unglaublich gut begonnen. Bis im April stand seine Trefferquote in allen Wettbewerben bereits bei 33. Im Nationalteam wollte ihm jedoch schon länger nichts mehr gelingen und an der WM war er wie alle seine Kollegen eine grosse Enttäuschung. Trotz dem kollektiven Versagen der Mannschaft in Südafrika ergoss sich die Kritik jedoch fast ausschliesslich über den italienischen Trainer, den die meisten Engländer nach der 1:4- Demontage gegen Deutschland im Achtelfinal am liebsten auf den Mond geschossen hätten.
«Eine Niederlage nur und ein schlimmer Schiedsrichterfehler machte mich in England vom Gott zum Monster», hat er sich öffentlich beklagt. Die ausgezeichnete WM-Ausscheidung mit lediglich einer Niederlage in der Endphase, als die Qualifikation bereits feststand, war schnell vergessen, weil für englische Sachverständige selbstverständlich. Am meisten kritisiert wurde Capello dafür, dass er seinen Spielern vor der WM keine Ferien gewährt hatte, sondern sie gleich in ein Trainingslager einzog. Während dem Turnier dann waren seine Profis müde und ausgelaugt.
Psychologischer Vorteil für die Schweiz
Ein Nachteil für die Schweiz wird es sein, dass die Engländer nun ausgeruht sind und wieder mit aufgeladenen Batterien antreten können. Und sie wollen sich den WM-Frust von der Seele spielen, ungeachtet der privaten Sorgen von Stürmer Rooney. Beim 4:0 am Freitag ist ihnen dies trotz grosser Fehlerquote der Ersatz-Abwehr eindrücklich gelungen.
Das 4:0 könnte jedoch zum psychologischen Vorteil für die Schweiz werden. Das Selbstverständnis der Briten ist bereits wieder derart abgehoben, dass sie kaum noch wahrnehmen, wer ihnen am Dienstagabend gegenüberstehen wird. Die verletzungsbedingten Ausfälle der Top-Cracks John Terry, Rio Ferdinand, Frank Lampard, Peter Crouch und jetzt auch noch Innenverteidiger Michael Dawson wird mit keinem Wort erwähnt.
Respekt vor den Schweizern
Zur Stärke des Gegners in Basel gab es gestern nur gerade zwei Sätze mitzuschreiben. «Die Schweiz ist der gefährlichste Gegner in unserer Gruppe, ein Sieg über sie wäre von kapitaler Bedeutung», sagte Capello, bevor er entschwand. Und Gerrard wusste gerade noch zu erwähnen, dass die Schweizer Mannschaft gut organisiert sei.
Und auch die 0:4-Niederlage der Young Boys kürzlich in London gegen Tottenham hat nicht gerade darauf eingewirkt, dass der Schweizer Fussball im Mutterland England ernster genommen werden könnte. Trotz vier Endrunden-Teilnahmen in Folge, was nicht einmal die eigene Mannschaft geschafft hat. Diese verpasste die letzte EM-Endrunde in der Schweiz und Österreich.
Die voraussichtliche Startformation der Engländer: Hart; Glen Johnson, Jagielka, Cahill, Ashley Cole; Walcott, Gerrard, Barry, Milner; Rooney, Defoe.
SR Nicola Rizzoli (It)
(miw/si) (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.09.2010, 20:32 Uhr
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