Mutlos, hilflos, ratlos
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 08.09.2010 136 Kommentare
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Xherdan Shaqiri über sein Traumtor.
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Der Einzige, der wirklich genügen konnte, war Basels kleiner Wirbelwind Xherdan Shaqiri, der nicht nur wegen seines Treffers gefallen konnte. Shakiri lebte vor, was andere vermissen liessen. Er nahm das Herz in die Hand, spielte mit der von Hitzfeld geforderten Leidenschaft. Ansonsten spielten die Schweizer bei der 1:3-Niederlage mutlos, hilflos und ratlos.
Viele Experten stellen sich auch die Frage: Weshalb hat Hitzfeld Angst? «Ich weiss natürlich nicht, mit welcher taktischen Ausrichtung Hitzfeld die Spieler auf den Rasen geschickt hat», sagt der ehemalige Schweizer Nati-Captain Jörg Stiel gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Er habe aber weder ein klares Konzept, noch Entschlossenheit, geschweige denn ein System erkennen können. Wenn er sich der Boulevardsprache bedienen würde, wäre wohl Angsthasenfussball der treffende Ausdruck. «Nennen wir es mal dezent so: Die Schweizer haben mit einem überdosierten Risiko gespielt», so Stiel.
Engländer hatte alle Freiheiten
Die Schweizer seien viel zu defensiv und tief gestanden und hätten den Engländern alle Freiheiten gewährt. «Sie standen zu weit weg von ihren Gegenspielern», stellt Stiel fest. Zwischen Verteidigung, Mittelfeld und Angriff sei ein grosses Loch entstanden. «Wenn man schon gar nicht in die Zweikämpfe kommt, dann kann man ja auch keine Leidenschaft beweisen», räumt der Moderator des Sporttalks «kick-it» im Schweizer Sportfernsehen ein. Weshalb die Schweiz ohne Inspiration gespielt habe, sei ihm ein Rätsel. Er hätte sich mehr Mut zum Risiko gewünscht. «Als die Schweizer kurz vor der Pause die Engländer mit einem Pressing unter Druck setzten, hatten sie prompt sofort ihre Probleme», sagt Stiel.
Thuns Trainer Murat Yakin machte ein anderes Problem aus. «Ich hatte das Gefühl, dass ein gewisses Selbstvertrauen gefehlt hat», bedauert er. Es hätten auch Leader-Typen gefehlt. «Durch den Ausfall von Barnetta und meinem Bruder Hakan haben Ottmar Hitzfeld natürlich wichtige Spieler gefehlt», sagt Thuns Aufstiegstrainer. «Das sind Spieler, die keinen Respekt vor grossen Namen haben», führt er aus.
Es gab kein Konzept, keine Strategie und kein System
Heinz Hermann hält mit 118 Länderspielen immer noch die Rekordmarke. «Mir fehlte die Leidenschaft, der Biss», sagt der Zürcher. Er habe kein Konzept, keine Strategie und kein System feststellen können. Die Engländer hätten ein wahres Herrenleben geführt. «Im Schweizer Spiel hat diesmal überhaupt nichts zusammengepasst», bedauert der ehemalige Mittelfeldstratege.
Der Funke sei nie auf die Zuschauer übergesprungen. «Die erste wirklich klare Torchance hatten wir nach einer Stunde», sagt er. Hermann bemängelt auch, dass das Team von Ottmar Hitzfeld nie den Mut aufgebracht habe, ein Pressing aufzuziehen. «So hätte man die Engländer unter Druck setzen und Fehler provozieren können», weiss er aus eigener Erfahrung.
Ziegler, Margairaz und Schwegler fielen völlig ab
Erich Vogel, seit Jahren anerkannter Fussballexperte, arbeitet heute für den Teleclub. «Ich denke nicht, dass man Ottmar Hitzfeld einen grossen Vorwurf machen darf», glaubt Vogel. Er zweifelt vielmehr an der Qualität einiger Spieler. «Margairaz hat schon seit seiner Rückkehr aus Spanien beim FC Zürich nicht viel bewegt», sagt Vogel. Auch Ziegler und Schwegler seien auf internationalem Niveau schlicht und einfach überfordert. «Schwegler war inexistent», urteilt Vogel.
Ziegler sei von den Engländern geradezu «grausam überlaufen» worden. «Er ist viel zu langsam. Das haben die Engländer gewusst und diese Schwäche auch rigoros ausgenutzt», sagt Vogel. Aber weshalb hat Hitzfeld Ziegler dann überhaupt für die Startelf nominiert? «Die einzige Alternative auf dieser Aussenverteidigerposition wäre zurzeit eigentlich nur Shaqiri», sagt Vogel. «Es wäre aber viel zu schade, wenn man Shakiris Offensivpotenzial auf einer Aussenverteidigerposition verheizen würde», ergänzt der ehemalige Sportchef von GC, Basel und dem FCZ.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.09.2010, 12:22 Uhr
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