Nach Manchester Uniteds Schmach gegen Basel war der Frust bei den englischen Journalisten gross. Das Team sei selbst schuld an der misslichen Situation und könne derzeit nicht gegen Basel, Real oder Bayern bestehen.
Überfordert: Wayne Rooney war auch nach der Pleite gegen Basel zu keiner Reaktion fähig. Bild: Keystone
David McDonnell schreibt für den Englischen «Daily Mirror». (Bild: mirrorfootball.co.uk)
So gross wie die Sensation über das Ausscheiden der Mancunians, so hart das Verdikt der englischen Presse. «It's a desaster» oder «it's a new experience for us», waren die gängigen Reaktionen der britischen Journalisten im FCB-Pressezentrum. Wir haben mit David McDonnell von der englischen Zeitung «Daily Mirror» gesprochen, der nach der ManU-Niederlage titelte: «Frei cooks Fergie's Champions Leaguechips». Ob seine Aussagen der tollen Basler Leistung oder seinem Frust über Manchesters Blamage geschuldet sind, ist nicht ganz klar.
David McDonnell, was lief heute falsch bei Manchester United?
Da muss man an den Anfang der Champions-League-Kampagne zurückgehen. Zum Unentschieden gegen Benfica – was kein übles Resultat war – und dem 3:3 gegen Basel, das wirklich schlecht war für Manchester. Dieses Spiel hätten sie gewinnen sollen, dann wären sie jetzt nicht in dieser miesen Position. Auch Alex Ferguson sagte ja schon vor dem Rückspiel, dass man damals Basel unterschätzt habe. Ich glaube das Team ist einfach nicht stark genug. Manchester hat im Sommer zum Beispiel keinen Ersatz für Paul Scholes geholt – das ist nicht nur auf europäischer Ebene, sondern auch in der englischen Liga ein Problem, wie sich jetzt zeigt. Eigentlich kann sich United glücklich schätzen, dass sie nur fünf Punkte hinter Manchester City liegen. In den letzten sechs Liga-Spielen haben sie nie mehr als ein Goal geschossen. Die Probleme und die Warnlichter waren also schon die ganze Saison da.
Diesmal hat Manchester Basel aber sicher nicht unterschätzt. Was lief also falsch?
Heute hat sich das Team zu sehr auf Ryan Giggs verlassen. Für den 19-jährigen Phil Jones war diese Rolle zu gross, das kann man von ihm nicht in jedem Spiel erwarten. Mit dem Fehlen von Hernandez, Berbatov und Owen hing heute zu viel vom Wayne Rooney ab. Sie hatten zu wenig Wechselmöglichkeiten auf der Bank für den Fall, dass es nicht läuft. Mich nimmt Wunder, wie fest Rooneys Vorsprechen bei der Uefa in Nyon (wegen seiner Spielsperre für die englische Nati, Anm.) bereits in seinem Kopf war. Er war heute nicht der selbe Spieler wie sonst. Bereits in der ersten Hälfte hätte er treffen sollen. Er spielte ängstlich und hastig. Das Team hat bereits am Anfang der Kampagne zu viele Punkte liegen lassen – jetzt zahlen sie den Preis dafür. Sie haben alles bekommen, was sie verdient haben.
Was kommt bei der Rückkehr auf die Insel auf Manchester United zu?
Für die Mannschaft und die Fans wird es schwierig sein, zu akzeptieren, dass man nun in der Europa League spielt. Das sind sie sich nicht gewohnt, das ist eine Blamage. Normalerweise spielen sie immer auf dem Top-Level. Aber das haben sie sich selber eingebrockt, sie sind die Architekten ihres Unglücks. Das Team ist einfach nicht genug stark, um gegen Basel, Real Madrid oder Bayern München zu bestehen. Jetzt muss Manchester einen Weg finden, aus diesem Loch wieder raus zu kommen.
Was meinen Sie zur Leistung der Basler?
Well, sie spielten sehr gut und haben tolle Spieler in ihren Reihen. Alle sprechen jetzt natürlich über Shaqiri. Die Basler wissen, was sie an ihm haben, aber wir haben ihn im Hinspiel ja nicht spielen sehen (war gesperrt, Anm.). Jetzt sahen wir, woher dieser Hype um ihn kommt. Shaqiri ist ein super Spieler vom Typ, wie ihn United jetzt braucht: Ein kreativer Mittelfeldspieler, der das hat, was Manchester heute fehlte. Das Team hätte im Sommer jemanden mit dieser Qualität kaufen sollen, um Scholes zu ersetzen. Dafür hat die United jetzt die Rechnung erhalten.
Hat Manchester-Trainer Alex Ferguson nun also ein Auge auf Shaqiri?
Ja, ich denke schon. Uns wurde auch gesagt, dass Fenerbace Istanbul heute in Basel sein soll, um Shaqiri ebenfalls anzusehen. Es gibt also viele Interessenten. Der 20-jährige Shaqiri passt zu United. Der Club kauft die Spieler gerne jung und investiert in sie für die Zukunft. (DerBund.ch/Newsnet)
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