Machtkampf um den Bayern-Captain

Kaum ist Uli Hoeness wieder Präsident, kommen die ersten Differenzen mit Vorstandsboss Rummenigge.

Was hat Hoeness mit Lahm vor? Eine der grossen Fragen nach der Wiederwahl von Uli Hoeness.

Was hat Hoeness mit Lahm vor? Eine der grossen Fragen nach der Wiederwahl von Uli Hoeness.

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Der Mönchengladbacher Clubmanager Max Eberl und der Münchner Fussballer Philipp Lahm können sich jetzt immerhin schon einmal überlegen, was sie am Wochenende sagen werden. Das ist ein strategischer Vorteil, der aber leider durch einen sehr lästigen Nachteil wieder zunichtegemacht wird. Zwar kennen Eberl und Lahm bereits die Fragen, die ihnen die Reporter am Wochenende stellen werden, aber dieses schöne Wissen bringt ihnen nichts. Denn eines wissen die beiden auch: dass es auf die Fragen, die kommen werden, kaum richtige Antworten gibt – ausser jenen ausweichenden, die sowieso keiner hören will und die niemand zitiert.

Herr Eberl, wechseln Sie im Sommer 2017 nach München, und stimmt es, dass Sie eine spezielle Ausstiegsklausel für den FC Bayern im Vertrag stehen haben?

Herr Lahm, wann werden Sie denn nun Ihre Karriere beenden, im Sommer 2017 oder 2018? Und wann genau werden Sie noch einmal Sportchef bei Bayern, und werden Sie dann unter oder über oder mit oder schräg neben Max Eberl arbeiten?

Widersprüchliche Aussagen

Vielleicht können Eberl und Lahm noch hoffen, dass ihre Spiele am Wochenende dramatisch werden, dass es zur thematischen Ablenkung mehrere unberechtigte Elfmeter und Dutzende Rote Karten gibt und dass danach ein paar erfrischende Trainerdiskussionen zu verhandeln sind oder ein paar leckere Krisen. Aber verlassen sollten sie sich darauf lieber nicht.

Uli Hoeness, 64, ist erst seit ein paar Tagen wieder im Amt, aber schon hat er die kühnsten Erwartungen übertroffen. Er werde seine Anhänger nicht enttäuschen, hat er nach seiner Wahl zum Präsidenten gelobt, und man muss sagen: Er gibt sich wirklich Mühe. In den paar Tagen ist Hoeness schon einmal quer durch den Themengarten galoppiert, was seine Anhänger tatsächlich glücklich macht, aber auch eine Frage aufwirft: nämlich, welche Reaktion die bemerkenswerte Frühform des Präsidenten in der eigenen Firma provoziert.

«Mir wäre am liebsten, Philipp Lahm würde seinen Vertrag als Lizenzspieler bis 30. Juni 2018 erfüllen», hat Hoeness zum Beispiel gerade der «Sport Bild» gesagt. Was mag nun zum Beispiel Philipp Lahm denken, dessen Installierung als Sportdirektor vom Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung mehr oder weniger deutlich für den Sommer 2017 angekündigt wurde? Und vor allem: Was denkt Rummenigge?

Tempo demonstrativ gedrosselt

Karl-Heinz Rummenigge, 61, hat den FC Bayern während Hoeness’ Abwesenheit sehr vernünftig geführt, er hat sein Profil als Aussenpolitiker geschärft und das Unternehmen mit nüchterner Professionalität durch die durchaus aufreibende Guardiola-Müller-Wohlfahrt-Zeit gelenkt. Er hat den Heimkehrer Hoeness jetzt auch wieder offiziell herzlich willkommen geheissen in der Firma und schönste Kooperation versprochen, und das klang ja wirklich wie eine gute Geschichte: dass da zwei Männer, die sich jahrzehntelang immer wieder gerieben, immer wieder vertragen und auf jeden Fall immer das Beste für den FC Bayern gewollt haben, auf der alten Basis, aber unter etwas neuen Voraussetzungen zusammenarbeiten. Hier Karl-Heinz Rummenigge, gewachsen durch die Alleinverantwortung der jüngsten Vergangenheit; dort Uli Hoeness, leicht geschrumpft durch den jüngsten Vermerk in seiner Biografie (Haft).

Im Club und dessen sogenanntem Umfeld sind sie immer noch fest entschlossen zu glauben, dass aus dieser theoretisch sehr guten auch eine praktisch sehr gute Geschichte wird, aber es wird schon auch registriert, dass Hoeness gleich von der ersten Spielminute an gut in die Zweikämpfe gekommen ist, wie man in der Fachsprache sagen würde. Schon nach der Mitgliederversammlung hatte Hoeness das Tempo, das Rummenigge in der Sportdirektoren-Frage angeschlagen hatte, demonstrativ gedrosselt; die Position sei «wichtig und wertvoll für den Verein», meinte Hoeness, schob aber gleich hinterher, dass «man sich Zeit lassen muss, um die richtige Entscheidung zu treffen». Bei einem Fanclub-Treffen am Sonntag erklärte Hoeness dann aber, «zur neuen Saison» sei «ein neuer Sportdirektor da. Und basta!»

Ein lustvoller Machtprofi ist zurück im Verein

Puzzelt man die Äusserungen alle zusammen, drängt sich für die Öffentlichkeit einstweilen folgendes Bild auf: Rummenigge will im Sommer 2017 Lahm als Sportdirektor oder Sportvorstand. Hoeness will Lahm dagegen offenbar erst 2018, in noch nicht geklärter Funktion, und davor, im Sommer 2017, erst noch einen anderen Sportdirektor, mutmasslich den Gladbacher Max Eberl, der in der Branche als Hoeness- Anhänger bekannt ist. Was dann ab 2018 aber Eberl und Lahm tun sollen, die sich beide eher als Kandidaten für den Matthias-Sammer-Job verstehen und nicht als Verantwortliche für den neu zu gestaltenden Nachwuchsbereich, für den ebenfalls ein schöpferischer Kopf gesucht wird?

Heissa, es wird wieder lustig, es wird wieder Politik gemacht an der Säbener Strasse. Zumindest wird schon wieder mit unterschiedlichen Zungenschlägen kommuniziert, auch wenn die Motivlage in der Sportdirektoren-Frage noch etwas diffus wirkt. Auf jeden Fall hat Hoeness erst mal ein schönes Thema gesetzt, das schön vom Sport ablenkt, und nebenher hat er gleich einmal wissen lassen, dass ein lustvoller, sehr motivierter Machtprofi zurück ist im Verein.

Er habe in Mönchengladbach «einen Vertrag bis 2020», liess Max Eberl am Mittwoch noch erwartungsgemäss ausrichten: «Ich fühle mich in Gladbach total wohl, will hier etwas erreichen, und alles andere ist kein Thema für mich.» Was Eberl und vor allem Philipp Lahm aber wirklich davon halten, dass sie nun plötzlich im Zentrum einer eigenartigen Debatte stehen, ist eine spannende Frage. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 01.12.2016, 15:46 Uhr

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