«Luzern verpasst im Titelkampf eine Riesenchance»

Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 12.03.2010 4 Kommentare

Leader YB und Verfolger FC Basel zeigen im Titelkampf Nerven. Doch ein lachender Dritter ist nicht in Sicht. «Leider», bedauert Fussball-Experte Jörg Stiel.

Spielten an der EM 2004 in Portugal noch gemeinsam für die Schweiz: Luzerns heutiger Spielmacher Hakan Yakin (l.) und Jörg Stiel, Sportmoderator beim Schweizer Sportfernsehen.

Spielten an der EM 2004 in Portugal noch gemeinsam für die Schweiz: Luzerns heutiger Spielmacher Hakan Yakin (l.) und Jörg Stiel, Sportmoderator beim Schweizer Sportfernsehen.
Bild: Keystone

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Super League

36. Runde

23.05.Basel - Young Boys1 : 2
23.05.Lausanne - Grasshoppers2 : 1
23.05.Sion - Luzern1 : 3
23.05.Thun - FC Zürich2 : 4
Stand: 23.05.2012 22:10

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Basel34228478:3374
2.Luzern341412846:3254
3.Young Boys341312952:3851
4.Servette341461445:5348
5.Thun3411101338:4143
6.FC Zürich341181543:4441
7.Lausanne34862029:6130
8.Grasshoppers34752232:6626
9.Sion341581140:3517
10.Xamax1875622:220
Stand: 23.05.2012 22:13

Für den ehemaligen Captain und Torhüter der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft ist es ein Rätsel, weshalb sich der drittplatzierte FC Luzern im Titelrennen nicht besser positioniert hat. Das sei wohl im mentalen Bereich anzusiedeln. «Das Problem ist, dass weder Trainer Rolf Fringer noch die Spieler so richtig an eine echte Chance glauben oder geglaubt haben», vermutet Stiel. In der Innerschweiz freue man sich offensichtlich bereits daran, was man bisher erreicht habe. «Das hängt wohl damit zusammen, dass der Verein in der letzten Saison noch gegen den Abstieg gespielt hat», so Stiel, der heute im Schweizer Sportfernsehen den Fussball-Talk «kick it» moderiert.

Nach Stiels Einschätzung hat der FC Luzern das Potenzial, im Titelrennen mitzuspielen. «Dieses Team um Spielmacher Hakan Yakin kann sowohl YB wie auch Basel jederzeit schlagen», so Stiel. «In Luzern hätte man flexibel sein müssen und das erklärte Saisonziel Ligaerhalt längst revidieren und nach oben korrigieren sollen», sagt Stiel.

«Luzerner unterschätzen sich gewaltig»

«In Luzern hätten sie in der Winterpause zusammensitzen und es in die Köpfe eintrichtern sollen: Jetzt wollen wir unbedingt Meister werden, weil wir dazu auch fähig sind», so Stiel. Das hätte man niemals nach aussen, sondern nur intern kommunizieren dürfen. Doch den FCL-Verantworlichen habe zu einem so markanten Sinneswandel offensichtlich der Mut gefehlt. Es habe eine realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten gefehlt. «Sie haben sich schlicht und einfach unterschätzt», so Stiel. Für die Spannung der Meisterschaft sei es schade, dass Luzern von den Ausrutschern von YB (0:1 gegen Xamax) und Basel (1:2 gegen GC) nicht habe profitieren können, sagt Stiel.«Ein Dreikampf wäre noch das Salz in der Suppe gewesen», glaubt Stiel.

Yakin widerspricht Stiel

Luzerns Spielmacher Hakan Yakin kann die Gedankengänge Stiels nur bedingt nachvollziehen. «Wir müssen als Mannschaft noch reifen und gefestigter werden», sagt der Nationalspieler gegenüber DerBund.ch/Newsnet selbstkritisch. Es würden sich im Luzerner Spiel noch zu viele individuelle Fehler einschleichen, die vom Gegner bestraft würden. «Dieses Problem müssen wir auf ein Minimum reduzieren können», fordert Yakin. Zudem würden auch die Automatismen zurzeit noch nicht so funktionieren, wie sich das Trainer Rolf Fringer vorstelle. «Um ganz oben mitspielen zu können, fehlen uns noch 15 Prozent», rechnet Yakin. Die Mannschaft habe aber durchaus das Potenzial, die Intelligenz, den Willen und den Ehrgeiz, um sich stetig weiterzuentwickeln.

Yakin räumt ein, dass in den Köpfen der Spieler möglicherweise noch das Trauma aus der letzten Saison vorhanden sein könnte. «Da hat der FC Luzern noch gegen den Abstieg gespielt und sich erst in der Barrage gegen Lugano retten können», so Yakin. Und das müsse man zuerst auch einmal verarbeiten. «Auch das gehört zum Prozess, der uns in der Entwicklung nach ganz oben bringen soll», so Yakin.

«Ich fühle mich keineswegs als Sieger»

Am Sonntag empfängt Luzern im Exil von Emmenbrücke den FC Basel. In dieser Partie will Yakin erneut beweisen, dass er die WM in Südafrika keineswegs abgeschrieben hat. In den beiden letzten WM-Tests gegen Norwegen und Uruguay hat ihn Nationalcoach Ottmar Hitzfeld nicht mehr aufgeboten. Nach diesen Spielen, insbesondere nach dem schwachen Auftritt bei der 1:3-Niederlage gegen Uruguay, wurde Yakin in den Medien als der grosse Sieger ausgemacht.

«Das ist doch völlig überzogen», sagt Yakin, der im heiklen Thema Nationalmannschaft ganz Realist bleibt. «Es kann ja nicht sein, dass alles nur von der individuellen Klasse eines einzelnen Spielers abhängig sein soll», sagt der begnadete Linksfuss. «Es wäre absurd, wenn ich mich nach einer Niederlage der Nationalmannschaft auch noch als Sieger fühlen würde», gibt er zu bedenken. Ein Team könne nur im Kollektiv funktionieren. «Ich fühle mich nach wie vor als Nationalspieler und als Teil dieser Gruppe», versichert Yakin. «Damit ich auch dabei bleiben darf, muss ich Ottmar Hitzfeld mit kontinuierlichen Leistungen überzeugen.» Beim Nationaltrainer gelte nur das Leistungsprinzip.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.03.2010, 16:33 Uhr

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4 Kommentare

Fretz Marco

12.03.2010, 17:00 Uhr
Melden

Die Aussagen von Herrn Stiel sind in der Tat etwas absurd. Wie ein Vorredner bereits richtig anmerkte: Das Spiel vom Sonntag gegen Zürich zeigte auf, wieso Luzern sicher kein Titelkandidat ist. Antworten


Rolf Iseli

12.03.2010, 15:24 Uhr
Melden

Herr Stiel hatte auch während seiner Aktivzeit als Goalie ab und zu einen etwas verzerrten Blickwinkel. Ich teile da eher die Ansicht von H. Yakin. Würde es aber begrüssen wenn die Luzerner diese 15 % nächstes Jahr drauflegen würden. Von meinem FCZ kann ich das ja nicht erwarten....Vor allem würden 15 % nicht reichen. Antworten



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