Die Real-Stars Cristiano Ronaldo, Kaká und Sergio Ramos sind zusammen über 200 Millionen Franken wert. Im Penaltyschiessen gegen die Bayern war davon nichts zu sehen. Das Protokoll des Versagens in Wort und Bild.
1/6Über das Ziel hinaus geschossen Der Penalty von Sergio Ramos segelt weit über das Gebälk. Es ist der dritte Fehlschuss von Real und die Vorentscheidung zugunsten der Bayern. Bild: Reuters
Nach der ersten Viertelstunde des Halbfinal-Rückspiels zwischen Real Madridund Bayern München schien die Welt perfekt für Reals exzentrischen Starstürmer Cristiano Ronaldo. Mit einem Penalty in der sechsten und einem Rechtsschuss in der 14. Minute hatte der Portugiese die Königlichen mit 2:0 in Führung und virtuell in den Final der Champions Leaguevom 19. Mai in München geschossen.
Da der 2009 aus Madrid vertriebene Arjen Robben in der 27. Minute per Elfmeter aber für die Bayern traf, kam es doch noch zu einer Verlängerung und schliesslich zum Penaltyschiessen. Und dieses gewannen die Gäste aus Deutschland, weil gleich drei der hochbezahlten Real-Stars vom Punkt aus mehr oder weniger erbärmlich scheiterten: Ronaldo, dessen Marktwert bei 120 Millionen Franken liegt, Kaká, der mit 80 Millionen geführt wird, und Sergio Ramos, der 45 Millionen wert sein soll.
Ronaldo verschiesst als Erster
Ronaldo war der erste Schütze der Madrilenen. Nachdem der 19-jährige Österreicher David Alaba die Bayern in Führung gebracht hatte, scheiterte er am glänzend reagierenden Manuel Neuer. Als die Bayern durch Mario Gomez bereits doppelt vorgelegt hatten, ereilte Kaká das gleiche Schicksal wie seinen Teamkollegen. Der Brasilianer schoss ebenfalls ins rechte Eck und sah seinen Versuch ebenfalls vom deutschen Nationalkeeper Neuer abgewehrt. Es schien, als wäre dies schon die endgültige Entscheidung gegen das Team des selbsternannten Trainer-Genies José Mourinho.
«Wieder die schwarze Bestie»
Dann aber konnten auch die Münchner Toni Kroos und Philipp Lahm ihre Elfmeter nicht im Tor unterbringen, während Xabi Alonso sicher verwandelte. Alles war wieder offen – bis Ramos die wohl schwärzesten Sekunden seiner Karriere erlebte. Der Verteidiger schoss den Ball weit über das Gebälk von Neuers Tor – eine Szene, die Mourinho und seine Spieler in kniender Gebetshaltung miterlebten. Bastian Schweinsteigers folgender Treffer besiegelte den Untergang von Real Madrid. Am Ende des Abends stand statt eines königlichen Fussballfestes ein dreifaches königliches Versagen.
«Wieder die schwarze Bestie», titelte die spanische Sportzeitung «Marca» in Anspielung auf den martialischen Übernamen, den die Iberer den Bayern verpasst haben. Der Titel «Wieder vom Penaltypunkt aus versagt» wäre einen Tag nach dem verschossenen Elfmeter von Barcelonas Lionel Messi im Spiel gegen Chelsea wohl treffender gewesen.
Der Clásico als grosser Nachteil
Real-Trainer Mourinho war von den Geschehnissen auf dem heiligen Rasen des Bernabéu derart erschüttert, dass er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel noch nicht einmal mehr mit sarkastischen Sprüchen aufwartete. An die Stelle des ihm sonst eigenen Spotts trat das Mitleid mit den Penalty-Versagern. «Wenn man zwei Stunden an seinem Limit gespielt hat, ist es nicht leicht, einen Elfmeter zu verwerten. Auch die weltbesten Spieler wie Messi oder Ronaldo verschiessen einmal. Ein Fussballer, der überhaupt zum Penalty anläuft, ist ein Fussballer ohne Furcht, deshalb bin ich stolz auf meine Spieler», führte der Portugiese aus. «Wir wollten den Final erreichen, und ich bin nun trauriger für die Spieler als für mich selbst.» Seiner Mannschaft habe in diesem Rückspiel ein wenig die Frische gefehlt. Schuld daran sei der Clásico gegen Barça am vergangenen Samstag, ist Mourinho überzeugt. «Chelsea und die Bayern konnten am Wochenende Spieler schonen, weil sie die Meisterschaft schon verloren haben, Barcelona und wir dagegen nicht.»
Jupp Heynckes, der Coach der Bayern, war natürlich überglücklich. «Das war eine magische Nacht. In den ersten 15 Minuten hatten wir grosse Schwierigkeiten. Dann haben wir aber über weite Strecken überragenden Fussball geboten. Ich freue mich besonders für meine Spieler und die Verantwortlichen im Club», gab der 66-Jährige zu Protokoll. Wie Arjen Robben, der 2009 unter anderem wegen des Transfers des Penalty-Fehlschützen Kaká aus Madrid vertrieben wurde, hatte auch Heynckes mit Real noch eine Rechnung offen. Er musste 1998 trotz des Gewinnes der Champions League seinen Trainerstuhl im Bernabéu räumen. Der gestrige Coup ist für ihn und Robben die Rache an Real. (DerBund.ch/Newsnet)