Kicken für die Integration

Von . Aktualisiert am 27.07.2009

Fussball als verbindendes Element: Dies war das Motto des afrikanisch-schweizerischen Fussballturniers vom Samstag. Der Verein Sport the Bridge organisierte den Anlass bereits zum vierten Mal – mit mässiger Schweizer Beteiligung.

Action auf dem Spielfeld: Karim Bakari (Kenia) und Lukas Meyer (Love Life Kickers) (rechts).

Action auf dem Spielfeld: Karim Bakari (Kenia) und Lukas Meyer (Love Life Kickers) (rechts).

Insgesamt traten 16 Mannschaften an: 2 Schweizer Teams, 3 gemischte und 11 afrikanische Teams. «Es ist schwierig, Schweizer fürs Mitmachen zu gewinnen», sagt Abdullahi Issa. Er arbeitet für die Dachorganisation Swiss African Forum und koordiniert die Mannschaften. Das Ziel des Vereins sei es, die Zusammenarbeit zwischen Schweizern und Afrikanern zu fördern. Für den Fussball-Cup habe man verschiedene Vereine angeschrieben. «Ich wünsche mir, dass die Polizei einmal ein Team stellte», sagt Issa. Sie hätten schon mehrmals angefragt – leider erfolglos. «Gemeinsames Erleben ist wichtig für gegenseitiges Verständnis, und Sport eignet sich bestens dazu.»

Integration: Begegnung am Rand

Am Spielfeldrand steht ein älterer Herr mit Sonnenbrille. Er sei wegen seines Sohnes da, der spiele für das EDA-Team. «Ich wusste nicht, dass es solche Anlässe gibt», meint er und macht einen leicht skeptischen Eindruck. Ausser den Spielern sind nicht viele Besucher gekommen. Die Stimmung ist gut, exotische Speisen duften, der DJ spielt sommerliche Musik. «Es ist Ferienzeit, deshalb sind wenig Leute gekommen», vermutet Samuel Bieri, Mitglied bei Sport the Bridge, dem Verein, der den Anlass zusammen mit dem Swiss African Forum organisiert hat. Die Idee, einen Swiss African Cup zu organisieren, sei aus der Situation entstanden: Auf der Allmend treffen sich häufig afrikanische Jungs zum Fussballspielen. Manchmal seien auch Leute von Sport the Bridge dabei. Irgendwann habe jemand die Idee von einem gemeinsamen Fussballturnier gehabt. «Integration, das sind die kleinen Begegnungen am Rand», meint Bieri, «wenn Spieler ein Spiel besprechen oder Witze machen.»

«Meh Bewegig», weniger Ausgang

«Wir haben extra einen Klub für diesen Anlass gegründet: BSC Meh Bewegig. Ich bin der Torhüter», sagt Roman Troxler (24). Sein Team ist eines der zwei Schweizer Teams, die am Swiss African Cup teilnehmen. «Leider sind wir schon ausgeschieden!», sagt Roman. «Nächstes Jahr werden wir früher vom Ausgang zurückkommen.» Er grinst. Integration sei für ihn, dass man gemeinsam etwas unternehme und das gefalle ihm hier. «Auf dem Spielfeld geht es zwar nicht immer höflich zu, aber das gehört zum Spiel!» Manchmal gehe er mit Freunden auf die Allmend zu Fussballspielen – etwa nach einem YB Match –, dort träfen sie manchmal auch Spieler vom Swiss African Cup wieder.

Fussball für die Fitness

«Integration ist vor allem wegen des Rassismus schwierig, aber wenn man korrekt ist, ist es möglich», sagt Ike Johnson. Er ist 22 Jahre alt und spielt im Ghanaer Team. Als Ike in die Schweiz kam, war er etwa 15. «Ich bin halb Ghanaer und halb Liberianer, im Aargau habe ich bei einer Schweizer Familie gelebt, jetzt wohne ich allein», erzählt er. Er sei wegen des Krieges in die Schweiz gekommen. Sein Sport sei eigentlich Tischtennis, Fussball spiele er nur für die Fitness. «Meine Freunde sind fast ausschliesslich Schweizer, genau wie meine Verlobte.» Er habe es da einfacher gehabt als andere: Dadurch, dass er als Minderjähriger in eine Schweizer Familie gekommen sei, habe er die Sprache und den Zugang recht schnell gefunden. Trotzdem sei es manchmal schwierig, dazu zu gehören: «Man muss einfach alles probieren und darf nicht aufgeben. Ich habe in der Schweiz viel Positives gelernt», sagt der Maschinenführer.

Mehr als Fussball

Es sind auch Menschen hier, die nicht Fussball spielen: John Karangae stammt aus Kenya und lebt seit 16 Jahren in der Schweiz. Er bietet Verpflegung an für die Besucher. Integration habe zwei Seiten, meint er: Wer in ein fremdes Land komme, müsse sich bemühen, Anschluss zu finden – das könne auch bedeuten, erst mal gratis zu arbeiten, um die Mentalität kennenzulernen. Er habe aber Mühe damit, auch nach 16 Jahren Arbeit keine Chance für einen beruflichen Aufstieg zu haben. «Ich spreche Deutsch und habe immer gearbeitet. Es ist frustrierend, wenn man mir beim Einwohneramt sagt, dass ich mit einer Schweizer Frau den Pass schon lange hätte», sagt Karangae. (Der Bund)

Erstellt: 27.07.2009, 09:11 Uhr

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