Sport
Keine Experimente gegen YB
Von Peter Herzog. Aktualisiert am 04.10.2012
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Die möglichen Aufstellungen
Pomasan; Agalerow, João Carlos, Samba, Schirkow; Jucilei, Boussoufa; Diarra, Eto’o, Schatow; Traoré.
Young Boys: Wölfli; Sutter, Nef, Ojala, Raimondi; Zverotic, Costanzo; Zárate, Schneuwly, Nuzzolo; Bobadilla. – Bemerkungen: YB ohne Spycher, Farnerud, Simpson und Doubaï (alle verletzt).
Guus Hiddink äugt durch seine Brille auf die Medienleute im Lokomotive Stadion und sagt in englischer Sprache: «Wir sind glücklich über unseren ersten Platz in der russischen Meisterschaft. Das kommt für uns unerwartet. Wir haben ein junges, aufstrebendes Team und sind erst daran, eine Basis aufzubauen.»
Dann macht der 65-jährige Holländer eine Pause. Sein Dolmetscher übersetzt auf Russisch. Ein zweiter Dolmetscher tritt in Aktion und formuliert Hiddinks Sätze auch noch auf Deutsch. Bevor Hiddink wieder zu Wort kommt, vergehen mehr als zwei Minuten. So zieht sich die Pressekonferenz hin.
Weltenbummler
Für Hiddink ist das Routine. Die abgegriffene Bezeichnung Flying Dutchman – auf Hiddink trifft sie zu, der Holländer kam um die Welt. Anschi Machatschkala ist seine 14. Station als Trainer, in seiner Vita stehen Namen wie Real Madrid, FC Valencia, Betis Sevilla, Chelsea oder Fenerbahçe Istanbul. Seinen grössten Erfolg feierte er zu Beginn seiner Karriere vor 24 Jahren, als er mit dem PSV Eindhoven den Europacup der Landesmeister gewann (jetzige Champions League).
Aber auch als Nationalcoach ist er weit gereist. Mit seinem Heimatland Holland scheiterte er an der WM in Frankreich 1998 im Halbfinal gegen Brasilien im Penaltyschiessen, mit Südkorea kam er vier Jahre später erneut in den Halbfinal, und an der EM 2008 in der Schweiz und Österreich wurde Russland unter seiner Führung abermals erst im Halbfinal von Spanien gestoppt. Auch in Australien und in der Türkei amtete er als Nationalcoach.
Noch vom Optimum entfernt
Und jetzt sitzt Hiddink in Moskau und referiert: «YB verfügt über eine erfahrene Mannschaft und hat mit Zárate und Bobadilla zwei starke Offensivspieler.» Und ein Eigentor, wie es YB zum Europa- League-Auftakt gegen Liverpool passierte, geschehe nur einmal im Leben. Das Missgeschick von Spycher und Ojala beim frühen Führungstreffer der «Reds» vor zwei Wochen nahm auch der russische Gegner zur Kenntnis.
Im Gegensatz zu Liverpool wird Hiddink aber mit seiner stärksten Formation gegen YB antreten, so mit Stürmerstar Samuel Eto’o. Zum Rotieren brauche er 24 gleichwertige Spieler. «Davon sind wir noch einen Schritt entfernt.» Danach erläutert er die Zukunftsabsichten seines Vereins. Es gehe nicht darum, nur Stars einzukaufen, in Machatschkala sei nun eine Nachwuchsakademie gegründet und seien «zwei, drei kompetente Trainer engagiert worden». Und auch ein neues Stadion ist im Bau.
Ob Hiddink bei der Eröffnung noch hier ist? Vorerst reist er, der wie die Spieler in Moskau wohnt, mit Anschi Machatschkala kreuz und quer durch das Land und durch Europa. «Wir haben nur Auswärtsspiele, denn auch zu den Heimspielen müssen wir anreisen. Wenn ich für meine Flugstunden Meilengutschriften erhalten würde, könnte ich während zweier Jahre gratis fliegen.»
Nach Rotem Platz der Rasenplatz
Auch heute Abend werden nicht viele Zuschauer erwartet, die hoch dotierte Formation von Anschi Machatschkala ist in Moskau eine fremde Mannschaft. Die Young Boys machten am Mittwochmorgen zur Zerstreuung einen Ausflug auf den Roten Platz und trainierten am Abend im Stadion von Lokomotive Moskau, das vor zehn Jahren umgebaut wurde und 30'000 Sitzplätze aufweist. Auch wenn es heute Abend mehr als halb leer sein wird, auf YB wartet ein grosser Bewährungstest. (Der Bund)
Erstellt: 04.10.2012, 08:20 Uhr
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