«Jack the Ripper»
Von Dario Venutti. Aktualisiert am 01.06.2011 7 Kommentare
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Korruption in der Fifa ist so selbstverständlich geworden wie Doping im Radsport, sodass sich das Publikum bei jedem neuen Skandal bald einmal gelangweilt abwendet. Die jüngsten Ereignisse jedoch geben ein ziemlich genaues Sittenbild der «Fussballfamilie» ab, als die Präsident Blatter den Weltverband gerne bezeichnet. Das hat zum einen mit den Protagonisten zu tun: Der Präsident (Sepp Blatter), der suspendierte Präsidentschaftskandidat (Mohamed bin Hammam) und ein suspendierter Vizepräsident (Jack Warner) bezichtigen sich der Bestechlichkeit. Zum andern zeigen die Biografie Warners und seine Funktion in der Fifa auf, wie es im innersten Zirkel zu- und hergeht: Hinter der demokratischen Fassade herrschen Nepotismus und Günstlingswirtschaft.
Millionär durch Ehrenamt
Jack Warner ist seit bald 30 Jahren Mitglied des obersten Führungsorgans der Fifa, dem Exekutivkomitee. Der Geschichtslehrer aus Trinidad und Tobago hat es im Fifa-Ehrenamt zum Multimillionär gebracht. Seine Haupteinnahmequelle war der Handel mit Fernsehübertragungsrechten der Weltmeisterschaften 1990, 1994 und 1998 für die Länder in der Karibik. Die Fifa hatte ihm die Rechte für den symbolischen Betrag von einem Dollar übertragen. Warners Vermögen wird von verschiedenen Quellen auf zwischen 15 und 30 Millionen Euro geschätzt.
Als Gegenleistung musste Warner dem jeweiligen Fifa-Präsidenten die Stimmen des Nord- und Mittelamerikanischen Verbandes (Concacaf) sicherstellen – bis 1998 für João Havelange, danach für Sepp Blatter. Die Nationalverbände des Concacaf sind sportlich unbedeutend, in verbandspolitischer Hinsicht wegen ihrer Zahl aber gewichtig. Auf die 35 Stimmen kann kein Fifa-Präsident verzichten, weshalb sich Jack Warner als Präsident des Concacaf «in der Rolle des Königsmachers gefällt», wie ein Fifa-Insider sagt.
Verwickelt in Ticketskandal
Aufgeflogen war Warners Handel mit den Übertragungsrechten nach der WM 1998 in Frankreich durch ihn selber: Er hatte sich öffentlich darüber geärgert, dass ihm die Fifa den Handel fortan untersagte, weil sie auch in der Karibik Geld verdienen wollte. Trotzdem blieb Warner ein treuer Diener seines Herrn. Unbehelligt verdiente er sein Geld neuerdings mit dem Ticketgeschäft: 2001 an der WM der U-17 auf Trinidad und Tobago, an der seine Reiseagentur überdies die lukrativen Flüge und Unterkünfte für Hunderte Spieler und Offizielle organisierte. Ebenso 2006 an der WM in Deutschland, an der auch Trinidad und Tobago teilnahm. Laut einem Bericht der Buchprüfer von Ernst & Young verdiente Warner eine Million Franken mit überrissenen Ticketpreisen und der Organisation von Flügen und Unterkünften.
Warners Machenschaften waren Teil eines grossen Ticketskandals an der WM in Deutschland. Um die öffentlichen Kritiker zu besänftigen, suspendierte die Fifa ihr Exekutivmitglied Ismail Bhamjee aus Botswana. Bhamjee hatte gestanden, mit dem Verkauf von zwölf Karten einen Gewinn von 2400 Euro eingestrichen zu haben. Im Falle von Warner beliess es der Weltverband aber bei einer Rüge. Zudem wurde Warners Sohn aufgefordert, das verdiente Geld einem Entwicklungsprojekt zu spenden. Formell ist Warners Sohn der Inhaber der Reiseagentur.
Salto rückwärts
«Die Fifa ist eine Interessengemeinschaft des Geldes», sagt der Insider. Schneeflocken gleich fallen die Dollars und Euros in Milliarden vom Himmel. Den Verteilschlüssel zu finden, der alle befriedigt, sei die grosse Herausforderung für Blatter. Warner gilt als besonders habgierig und konnte bisher seine Interessen mit dem Druck der 35 Stimmen stets durchsetzen. Fifa-intern wird er «Jack the Ripper» genannt.
Über die Motivation Warners, sich auf die Seite des Blatter-Herausforderers bin Hammam zu stellen, kann nur spekuliert werden: Vielleicht versprach ihm der Katarer mehr Einfluss, vielleicht war Warner von Ressentiments gegen Blatter getrieben. In aussichtsloser Lage, versucht er es jetzt mit einem Salto rückwärts und empfiehlt Blatter als Präsidenten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.05.2011, 22:28 Uhr
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7 Kommentare
Die Sprache in der FIFA zeigt es schon: der Pate ist Alleinherrscher und spricht von Familie, die Sache wird intern geregelt, wer nicht spurt wird kalt gestellt, die eigene "Ethikkommision" wäscht Blatter von allen Vorwürfen frei usw. Wie lange noch müssen wir uns in der Schjweiz mit dieser MAFI(F)A abgeben, wenn wir nicht einmal Steuern erhalten? Antworten
Warum tun sich nicht die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten zusammen und boykottieren die nächste Fussballweltmeisterschaft? Ich sehe nicht ein, wieso ich mit meinen Gebührengeldern diesen korrupten Typen die Taschen füllte sollte. Weiss jemand, wieviel Fifa-Gebühren die letzte WM das Schweizer Fernsehen gekostet hat? Antworten
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