Sport

«In den Augen des Schützen sieht man die Angst»

Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 26.04.2012

Weltstars wie Messi oder Ronaldo verschossen die vielleicht wichtigsten Penaltys ihrer Karriere. DerBund.ch/Newsnet erläutert, was sich zwischen dem Schützen und dem Torhüter abspielt.

1/15 Was ging Reals Star Cristiano Ronaldo vor dem fatalen Fehlschuss wohl durch den Kopf?
Bild: Keystone

   

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Barcelonas argentinisches Wunderkind Lionel Messi schoss seinen Penalty gegen Chelsea an die Latte und schied dann im Halbfinal der Champions League aus. Reals portugiesischer Stürmerstar Cristiano Ronaldo scheiterte im Elfmeterdrama an Bayern-Torhüter Manuel Neuer, der nun am 19. Mai im eigenen Stadion in München den Final gegen Chelsea bestreiten kann.

Eine blosse Laune des Schicksals? Nein, glaubt der 54-fache Schweizer Internationale Georges Bregy, der während seiner Karriere zu den sichersten Penaltyschützen des Landes zählte. «Für mich gibt es im Duell zwischen Torhüter und Schützen weder Glück noch Pech. Penaltyschiessen ist ein reiner Psychokrieg. Und diesen gewinnt derjenige mit den stärkeren Nerven.» Die Torhüter würden oft versuchen, den Schützen aus dem Konzept zu bringen. «Sie suchen den Augenkontakt mit dem Schützen. Sie wollen herausfinden, ob der Schütze verunsichert ist. Ich habe es tunlichst vermieden, dem Torhüter in die Augen zu schauen. Ich wollte nichts von meiner Gefühlslage preisgeben.»

«Ich habe nie einem Torhüter in die Augen geschaut»

Bregy nennt gleich ein Paradebeispiel aus seiner Laufbahn. «Wir spielten in Glasgow in der WM-Qualifikation. Schottland führte mit 1:0. Da bekamen wir einen Elfmeter zugesprochen. Chapuisat hat mir den Ball gebracht, und ich war sofort nur noch auf den Schuss fokussiert», schildert der Walliser. Da sei der schottische Torhüter plötzlich auf ihn zugelaufen. «Ich habe ihm konsequent nur auf die Füsse geschaut. Als er immer näher auf mich zulief, bin ich zurückgewichen. Das Spielchen ging hin und her. Zwei Schritte zurück, zwei Schritte vor. Aber den Blickkontakt, den sich der Torhüter wünschte, hatten wir nie», so Bregy. Dann habe er den Elfmeter verwandelt, der die Schweiz an die WM 1994 brachte. Bregy gehörte zu jenen Spielern, die stets die Reaktion des Torhüters abwarten. «Ich habe mich nie zum Vornherein für eine Ecke entschieden. Ich habe gewartet und dann den Torhüter in die falsche Ecke geschickt.» Doch auch er habe nicht immer getroffen: «Von zehn Elfmetern habe ich einen verschossen.»

«Ronaldo hatte plötzlich 1000 Gedanken im Kopf»

Bregy hat das Elfmeterschiessen zwischen Real und den Bayern verfolgt. «Zwischen Ronaldo und Neuer fand ein echter Psychokrieg statt. Ronaldo hatte den Elfmeter im Spiel souverän verwandelt. Er hat gewartet und Neuer schliesslich verladen. Neuer ist in die rechte Goalie-Ecke getaucht, Ronaldo traf in die linke», sagt Bregy. Doch im Elfmeterschiessen sei Ronaldo dann unsicher geworden, obwohl er zuvor 25 Elfmeter verwandelt habe. «Er war sich nicht sicher, ob er noch einmal die gleiche Ecke wählen sollte. Er hatte wohl tausend Gedanken und Pingpongbälle im Kopf. Er entschied sich, die Ecke zu wechseln, obwohl er eigentlich hätte wissen müssen, dass Neuer zu 99 Prozent immer in die rechte Torwartecke taucht.»

«Der Torhüter hat nichts zu verlieren, der Schütze aber alles»

«So wie das einst George Bregy machte, das können nur technisch versierte Spieler», sagt der ehemalige Schweizer Nationalkeeper Jörg Stiel. Die technisch weniger versierten Spieler würden sich schon im Voraus für eine Ecke entscheiden. Auch Stiel spricht von einem echten Psychokrieg. «Ich habe dem Schützen immer tief in die Augen geschaut und ihm signalisiert, dass ich parat und völlig sicher bin. In den Augen des Schützen sieht man die Angst.»

Im Elfmeterduell sei der Keeper immer im Vorteil. «Der Torhüter hat nichts zu verlieren, der Schütze hingegen alles», so Stiel. Es habe ihm nie einer auch nur den kleinsten Vorwurf gemacht, wenn er mal einen Elfmeter nicht gehalten habe. Auch der Moderator des Fussballtalks «kick-it» verfolgt die Champions League. «Auch sogenannte Wunderkinder wie Ronaldo oder Messi sind auch nur Menschen. Sie zeigten Nerven und konnten dem Druck nicht standhalten», so Stiel. Es habe ihn überrascht, dass Ronaldo die Ecke gewechselt habe. «Damit habe ich nicht gerechnet. Das hat er nur gemacht, weil er plötzlich unsicher wurde.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2012, 12:36 Uhr

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EndeDetroit Red Wings - Chicago Blackhawks2:0
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