Ideenlosem YB droht das Mittelmass
Von Peter Herzog. Aktualisiert am 07.11.2011 6 Kommentare
Stichworte
Servette - Young Boys 1:0 (1:0)
Stade de Genève: 8480 Zuschauer. - SR Hameter (Ö).
Tor: 45. Vitkieviez (Kouassi) 1:0.
Servette: Barroca; Ruefli, Roderick, Diallo, Moubandje; Kouassi, Pizzinat; Vitkieviez (83. Pont), De Azvedo (89. Routis), Yartey (93. Schlauri); Karanovic.
Young Boys: Wölfli; Zverotic, Nef, Veskovac (80. Ojala), Spycher; David Degen, Silberbauer, Farnerud, Nuzzolo (58. Lecjaks); Costanzo (58. Ben Khalifa); Mayuka.
Bemerkungen: Servette ohne M'Futi (gesperrt) sowie Schneider, Nater, Esteban und Baumann (alle verletzt).
Young Boys ohne Mveng und Lingani (beide verletzt).
14. Freistoss von Costanzo an den Pfosten. 56. Rote Karte gegen Kouassi wegen einer Tätlichkeit.
Verwarnungen: 21. Ruefli (Foul). 28. Moubandje (Foul). 80. Spycher (Foul). 82. Silberbauer (Foul). 88. Mayuka (Unsportlichkeit).
Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
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Die Winterpause rückt näher, und der FC Basel entschwindet YB immer mehr. In einem hektischen Spiel, bei dem die Emotionen zeitweise überschwappten, schafften es die Young Boys nicht, in Genf ein Tor zu erzielen. Und das, obwohl die Gäste während 39 Minuten nach dem fragwürdigen Platzverweis von Servette-Spieler Kouassi in Überzahl spielen konnten. Das 0:1 gegen den Aufsteiger bedeutet die vierte Saisonniederlage und die erste auf fremdem Terrain. Der Rückstand auf Meister FC Basel, der selbst durch die Doppelbelastung mit der Champions League in der helvetischen Liga nicht aus dem Rhythmus gerät, beträgt für YB damit bereits sechs Punkte.
Braucht YB bald ein Fernglas?
Und nach der anstehenden Länderspielpause müssen die Young Boys am 19. November zum Meister und Tabellenführer. Sollten die Berner auch diese Partie verlieren, bräuchten sie einen Feldstecher, um die Basler in der Rangliste noch ausmachen zu können.
Entsprechend zerknirscht sass YB-Trainer Christian Gross nach Spielschuss am Rednerpult im Medienraum des Stade de Genève. «Das war zu wenig, es fehlte der absolute Wille, das Tor zu erzielen.» Das ist harsche Kritik an seinen Spielern, auch wenn sie Gross vor den Journalisten in Watte packte.
Kein Zweifel, das Glück war gestern nicht bei YB. Dennoch boten die Young Boys in spielerischer Hinsicht nach dem 0:1 gegen GC erneut eine dürftige Vorstellung, mit vielen Ballverlusten und mit wenigen Ideen. Aus den vergangenen vier Spielen gegen GC, Xamax, Lausanne und Servette holte YB vier Punkte – zu wenig, um die hochgesteckten Erwartungen und die selber formulierten Ansprüche erfüllen zu können. Bei der Ursachenforschung traf man bei den Spielern auf Ratlosigkeit. «Wieder einmal haben wir eine Chance verpasst, in der Tabelle vorzurücken», stellte Moreno Costanzo lapidar fest. Und Spycher räumte ein: «Fakt ist, dass wir nach dem Platzverweis nicht gut gespielt haben.»
Farneruds Ballverlust
Die Berner hatten die Partie nicht schlecht begonnen, bestimmten das Spielgeschehen in der Anfangsphase. Costanzo sah den Ball bei seiner Freistossflanke an den Pfosten prallen (14.), Farnerud lenkte später nach einer Flanke von Zverotic den Ball frei stehend über das Tor. Doch als Farnerud kurz vor der Pause im Mittelfeld den Ball verlor und Silberbauer beim entscheidenden Zweikampf an der Strafraumgrenze ausglitt, traf Matias Vitkieviez die hohe Torecke zum 1:0. Und eine Minute später rettete Wölfli gegen den Schuss von Yartey in höchster Not: Veskovac hatte bei der Angriffsauslösung den Ball verloren, Nef sah sich plötzlich drei Genfern gegenüber, welche die Überzahlsituation dank der Parade von Wölfli nicht zu nutzen vermochten.
Und als der österreichische Schiedsrichter Markus Hameter in der 55. Minute bei einem Freistoss für YB durch einen seiner Assistenten an die Linie gerufen wurde, kam Hektik auf. Der Linienrichter hatte eine Tätlichkeit von Kouassi gesehen, doch die TV-Bilder zeigten eine kleine Rangelei zwischen Veskovac und dem Servette-Spieler. Der Schiedsrichter bekundete Probleme, Kouassi die Rote Karte zeigen zu können, da dieser immer wieder im Spielerknäuel verschwand, den seine protestierenden Teamkollegen bildeten. Eine groteske Situation; es dauerte fast drei Minuten, bis der Zirkus vorbei war.
Zverotic und die Cornerflagge
In Überzahl versuchten es die Young Boys dann mit der Brechstange, mit weiten, hohen Bällen. Doch die Genfer verteidigten sich leidenschaftlich, «sie kämpften wie Löwen», zollte Gross dem Gegner hinterher Lob. Mit Lecjaks für den wirkungslosen Nuzzolo und Ben Khalifa für Costanzo, der sich in den Zweikämpfen aufgerieben hatte, versuchte der YB-Trainer in der Offensive neue Akzente zu setzen. Degen traf nach Flanke von Lecjaks mit einem Kopfball den Aussenpfosten (62.), viel mehr war von ihm nicht zu sehen. Und als Mayuka in der 94. Minute doch noch ins Tor traf, signalisierte der Assistent an der Seitenlinie Abseits – zur Erleichterung der Genfer und zur Verzweiflung der Berner.
Bezeichnend auch, dass Zverotic bei der letzten Aktion, als er einen Eckball schnell ausführen wollte, in der Aufregung in die Cornerfahne trat und der Ball über die Grundlinie kullerte. «So etwas ist mir noch nie passiert», meinte der YB-Verteidiger, der heute Montag nach Montenegro zur Nationalmannschaft fliegt – die EM-Barrage-Spiele gegen Tschechien stehen an. Marco Wölfli versuchte, die Enttäuschung mit Diplomatie zu übertünchen. «Die Spieler, die Aufgebote haben, können in der Nationalmannschaft nun den Kopf auslüften. Danach, gegen Basel, geben wir wieder Vollgas.» Derweil werden Trainer Gross, sein Betreuerstab und die YB-Verantwortlichen vor dem nächsten Meisterschaftsspiel beim FC Basel genügend Gesprächsstoff vorfinden. YB droht das helvetische Mittelmass. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.11.2011, 19:31 Uhr
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6 Kommentare
Würde der Trainer nicht Christian Gross heissen würde schon längst an seinem Stuhl gesägt.
Dieses "kick und rush" ist Fusball aus der Steinzeit. Zumal er nicht die Spieler dazu hat, die Spieler vorne sind alle
zu klein gewachsen. Ich hoffte das unter ihm das Leistungsprinzip angewannt wird aber nein immer die selben
Leute auf dem Platz und ein Lecjaks lässt man bis zur sechzigsten Minute versauern
Antworten
Basel bedankt sich beim FCZ, Sion, Luzern und YB für die geschenkten Punkte. Unglaublich wie die Spitzenteams schwächeln. Beim FCZ verstehe ich es noch mit der Doppelbelastung, bei Sion auch da GC gut im Schuss ist, in Thun darf man mal unglücklich verlieren aber was YB - welche Meister werden müssen, in Genf gezeigt hat unglaublich, zu wenig. Antworten
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