«Ich will YB an grosse Zeiten heranführen»
Von Peter Bühler, Ueli Kägi. Aktualisiert am 18.11.2011 1 Kommentar
Christian Gross (57) liegt mit YB auf Platz 4 und hat die Berner Erwartungen noch nicht erfüllt. (Bild: Keystone )
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Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
Stichworte
Christian Gross, ist die Partie vom Samstag gegen Leader Basel für die Young Boys bereits ein Finalspiel?
Nein, aber es ist ein wichtiges Spiel. Wir müssen sehr gut vorbereitet sein, Basel ist im Schweizer Fussball momentan das Mass aller Dinge.
Falls YB verliert, wächst der Rückstand auf neun Punkte.
Das wäre viel, es könnten am Samstagabend aber auch nur noch drei Punkte Rückstand sein. Unsere Auswärtsbilanz ist nicht schlecht, auch wenn wir zuletzt in Genf einen Rückschlag erlitten haben. (YB hat mit 4 Siegen, 2 Unentschieden und 1 Niederlage in 7 Spielen hinter Basel die zweitbeste Auswärtsbilanz).
Die Partie im St.-Jakob-Park ist Ihre Rückkehr nach Basel. Nach Ihrem letzten Spiel mit den Baslern im Mai 2009 wurden Sie vom Publikum mit Ovationen verabschiedet – Sie hingegen blieben sehr kontrolliert. Wird das morgen erneut so sein?
Der FCB wollte mich ja nicht mehr haben nach guten Jahren. Das gehört halt zum Business. Doch ich hatte eine tolle Zeit in Basel. Jetzt freue ich mich auf dieses Spiel. Basel hat ein sehr gutes Team – und wir sind auf dem Weg, uns den Baslern zu nähern.
Welche Emotionen werden Sie nun zeigen bei der Rückkehr?
Es ist natürlich ein besonderes Spiel. Aber ich habe in meiner Trainerlaufbahn schon viele wichtige und spezielle Partien vorbereitet und erlebt.
Sie haben offensichtlich grossen Respekt vor der Basler Mannschaft.
Das ist so, ja. Sie ist sehr gut. Dazu wird der ganze Klub getragen von einer grossen Fan-Gemeinschaft, von einem wesentlichen Teil der Bevölkerung. Auch dies macht den FCB so stark. Aber wir tun bei YB alles, um den Rückstand zu verringern.
Wie lange brauchten Sie, um die Entlassung beim FCB zu verdauen?
Jede Entlassung schmerzt. Dieses Geschäft ist sehr emotional und schnelllebig geworden, Entlassungen gehören leider dazu. Doch wenn ich auf meine zehn Jahre in Basel zurückschaue, überwiegen die positiven Aspekte.
Hätten Sie den Verein damals früher aus freien Stücken verlassen sollen?
Nein, nein, nein. Ich half dort ja mit, den Fussballvirus wieder zu entfachen. Wir sorgten international für Furore, die Europacup-Abende sind unvergesslich. Die Jahre in Basel sind ein ganz wesentlicher Teil meiner Trainerkarriere.
Nach Ihrem Ende bei Tottenham tauchten Sie in die Anonymität ab, dasselbe taten Sie später nach den unfreiwilligen Abgängen bei Basel und Stuttgart. Warum?
Es gab nichts mehr zu sagen. Ich bin nicht einer, der sich in einer solchen Situation über andere Personen auslässt, sich beschwert oder lamentiert. Ich ging als Trainer immer vorneweg, ich stellte mich vor die Mannschaft. Und wenn die Verantwortlichen der Ansicht sind, ich sei nicht mehr der richtige Mann, dann ist das halt so. Dann muss der Trainer das Feld räumen und dem Nachfolger alles Gute wünschen.
Es wäre für Sie undenkbar, eine Abschiedspressekonferenz zu geben, wie das Lucien Favre nach seiner Absetzung bei Hertha getan hat?
So wird nur unnötig Geschirr zerschlagen. Heute sind wir doch so weit, dass bei einem Vertragsabschluss bereits die Modalitäten für eine allfällige spätere Entlassung festgelegt werden.
Ist das nicht ein Zeichen mangelnden Vertrauens?
Es zeigt, dass es ein Business ist, das geleitet ist vom absoluten Erfolgsdenken, verbunden mit sehr viel Geld und wenig Geduld.
Weshalb liessen Sie sich stets viel Zeit bis zu einer neuen Zusage?
Ich denke, dass ein Trainer Abstand braucht, wenn er entlassen wurde. Ich investiere viel Herzblut in meinen Job und muss das Erlebte verarbeiten. Ich würde auch in Zukunft gleich handeln.
Wie sehr machen Ihnen Entlassungen zu schaffen?
Es ist hart. Wenn ich beispielsweise daran denke, wie ich in Stuttgart entlassen wurde. Ich führte die Mannschaft vom 15. Rang in die Europa League, in der folgenden Saison musste ich nach ein paar Wochen gehen. Das tut schon weh. Aber wenn das Management wechselt, wenn neue Leute kommen, die nicht auf einen setzen, ist man machtlos.
Ärgert es Sie, von anderen Leuten abhängig zu sein?
Ich bin Angestellter des Vereins und muss gewisse Entscheidungen akzeptieren. Und wenn die Resultate nicht mehr stimmen … Wichtig ist für mich, dass ich stets versuchte, nachhaltig zu arbeiten.
Sie erzählten bislang kaum, was Sie während Ihrer Auszeiten unternommen haben. Tun Sie es jetzt?
(Lacht.) Ich arbeite seit 40 Jahren als Spieler oder Trainer im Fussball. Ich musste im Verlauf dieser Karriere auf enorm viel verzichten. Wo ich auch angestellt war, lebte ich strikt für den Erfolg. Ich musste jeden Tag funktionieren, war ständig verfügbar. Da ist es doch klar, dass ich das Telefon ausschalte, wenn ich schon einmal abtauchen kann.
Was haben Sie genau gemacht?
Ich habe es genossen, auch einmal andere schöne Dinge des Lebens zu geniessen: eine Stadt zu erkunden zum Beispiel. Die Fussballer sehen ja sehr oft nur den Flughafen, das Hotel und das Stadion. Ich schätze es, andere Länder und andere Kulturen kennen zu lernen. Ich bin auch gerne in der Schweiz herumgereist. Aber am längsten war ich in Barcelona und auf Mallorca – auch, um Spanisch zu lernen.
Haben Sie auch Fussball geschaut?
Ja klar, ich war vor allem beim FC Barcelona oft im Stadion. Dieser Fussball gefällt mir, er drückt enorme Spielfreude aus. Aber ich denke, ein langer Ball wird manchmal auch bei Barça gespielt – allerdings nur als Seitenwechsel …
Nun sind Sie zurück, und der Druck bei YB ist nicht kleiner als vorher bei GC oder Basel. Brauchen Sie ihn?
Mich interessiert es nicht, eine Mannschaft zu betreuen, die in der Schweiz im Optimalfall um Rang 4 spielen kann. Der Druck ist gross bei YB, das stimmt. Nach GC und Basel ist YB für mich in der Schweiz vielleicht die letzte ganz grosse Herausforderung. Ich will YB wieder an grosse Zeiten heranführen. Gegenwärtig ist dieser Klub in der Super League die grösste Aufgabe für einen Trainer, weil die Ausgangslage sehr speziell ist.
Weil YB seit 1986 nicht mehr Meister wurde?
Einerseits deswegen. Und das Kader ist ja eigentlich seit Jahren gut besetzt, zum Titel hat es aber doch nie gereicht.
Vorgänger Vladimir Petkovic wurde zweimal Zweiter und trotzdem entlassen. Ein zweiter Platz mit Ihnen wäre doch nun ein Misserfolg.
Das ist ja genau die Herausforderung.
Wäre ein zweiter Platz für Sie denn in jedem Fall ein Misserfolg?
Das hängt vom Verlauf der Meisterschaft ab. Und etwas muss ich erwähnen: Nachdem wir gegen Braga in der Qualifikation zur Europa League scheiterten, wurde mit Bienvenu ein sehr guter Stürmer aus wirtschaftlichen Gründen verkauft.
Haben Sie sich dagegen gewehrt?
Die finanzielle Situation erforderte den Verkauf. Ich wies auf das Risiko hin, ob wir wieder einen derart treffsicheren Stürmer verpflichten können. Wenn ich die Sturmreihen von YB und Basel vergleiche, dann stelle ich fest, dass es bei uns an Erfahrung fehlt. Mayuka, Ben Khalifa und Costanzo sind hoch talentiert, aber natürlich viel weniger routiniert als Alex Frei und Marco Streller.
Die Erwartungen und Hoffnungen sind riesig. Das Team war zuletzt Dritter. Dann kamen Sie als Titeltrainer, und nun ist YB Vierter …
... das ist ungenügend. Es zeigt sich, dass wir noch nicht reif genug sind, um an der Spitze zu stehen.
Wollen Sie die Mannschaft im Winter weiterverändern?
Ich möchte, dass zwei neue Leute für die Offensive verpflichtet werden. Wir benötigen noch Leadertypen. Das Team braucht eine gute Balance, eine gute Mischung. Wir müssen klug spielen – und vor allem den Gegner dominieren. Ich will von YB dominanten, nach vorne gerichteten Fussball sehen. Wir haben viel zu wenige Tore geschossen.
In Basel hatten Sie eine ausgeprägte Machtposition, auch weil es keinen Sportchef gab. Bei YB gibt es Ilja Kaenzig sowie die Geldgeber Benno Oertig, Andy und Hans-Ueli Rihs. Wie ist die Zusammenarbeit?
Gut. Bei Transfers unterbreite ich meine Wünsche Ilja Kaenzig und dem Technischen Direktor Hansruedi Hasler. Kaenzig bespricht die Situation dann mit den Investoren. Ich habe mit Oertig und den Gebrüdern Rihs fast nur an den Spielen Kontakt. Sie haben viel für den Sport gemacht und viel in YB und das Stade de Suisse investiert. Sie verlangen eine ausgeglichene Rechnung. Alle drei sind Geschäftsleute und wissen, dass der Fussball ein sehr emotionales Geschäft ist.
YB hat seit dem Cup 1987 keinen Titel mehr gewonnen, die Ungeduld ist gross. Viele sind unzufrieden und wollen sofort positive Ergebnisse.
Das kann ich gut verstehen. Sie haben ein Anrecht darauf.
Haben Sie Bedenken, dass Ihr Ruf leiden könnte, wenn Sie mit YB keinen Erfolg haben?
Ja, aber mit diesem Dilemma lebt jeder Mensch. Ich werde an meinen früheren Erfolgen gemessen, das ist normal. (Der Bund)
Erstellt: 18.11.2011, 08:07 Uhr
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1 Kommentar
. das ist ungenügend. Es zeigt sich, dass wir noch nicht reif genug sind, um an der Spitze zu stehen. (sagt Gross)
Sollte es nicht heissen . das ist ungenügend. Es zeigt sich, dass ICH noch nicht reif genug BIN, um an der Spitze zu stehen?
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