«Ich werde noch 1000 Fehler machen»
Von Ueli Kägi und Dario Venutti. Aktualisiert am 10.03.2012 17 Kommentare
Heiko Vogel
Heiko Vogel (36) ist seit fünf Monaten Cheftrainer des FC Basel. Zuvor war er Assistent von Thorsten Fink, der nach Hamburg wechselte. Unter Vogel hat der FCB bisher nur ein Spiel verloren. In der Champions League schaffte die Mannschaft den Einzug in die Achtelfinals, unter anderem mit einem Sieg gegen Manchester United. Vogel studierte Sport in Köln und arbeitete als Juniorentrainer beim FC Bayern München. (TA)
Super League
In der 24. Runde der Super League trifft der FC Basel heute in Zürich auf die Grasshoppers. DerBund.ch/Newsnet berichtet live ab 17.45 Uhr.
Dossiers
Artikel zum Thema
- Bayrische Verwirrung vor dem Spiel gegen Basel
- Die Bayern im Elend
- FCB schlägt Luzern dank Alex Freis Doppelpack
Super League
33. Runde
| 16.05. | Basel - Lausanne | 2 : 0 |
| 16.05. | Sion - Grasshoppers | 0 : 4 |
| 17.05. | Thun - St.Gallen | 3 : 0 |
| 18.05. | Servette - Young Boys | 0 : 1 |
| 18.05. | FC Zürich - Luzern | 4 : 1 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 33 | 19 | 9 | 5 | 59:30 | 66 |
| 2. | Grasshoppers | 33 | 17 | 9 | 7 | 41:30 | 60 |
| 3. | St.Gallen | 33 | 16 | 8 | 9 | 49:32 | 56 |
| 4. | FC Zürich | 33 | 14 | 7 | 12 | 54:42 | 49 |
| 5. | Sion | 32 | 12 | 9 | 11 | 36:45 | 45 |
| 6. | Thun | 33 | 12 | 8 | 13 | 41:42 | 44 |
| 7. | Young Boys | 33 | 11 | 9 | 13 | 44:43 | 42 |
| 8. | Luzern | 33 | 8 | 12 | 13 | 35:46 | 36 |
| 9. | Lausanne | 33 | 6 | 9 | 18 | 25:47 | 27 |
| 10. | Servette | 32 | 5 | 8 | 19 | 24:51 | 23 |
34. Runde
| 25.05. | Lausanne - Luzern | - : - |
| 25.05. | Sion - Thun | - : - |
| 26.05. | St.Gallen - Servette | - : - |
| 26.05. | Young Boys - FC Zürich | - : - |
| 26.05. | Grasshoppers - Basel | - : - |
Bundesliga
34. Runde
| 18.05. | M'gladbach - Bayern München | 3 : 4 |
| 18.05. | SC Freiburg - Schalke 04 | 1 : 2 |
| 18.05. | Hamburger SV - Bayer Leverkusen | 0 : 1 |
| 18.05. | Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg | 2 : 2 |
| 18.05. | 1. FC Nürnberg - Werder Bremen | 3 : 2 |
| 18.05. | Borussia Dortmund - Hoffenheim | 1 : 2 |
| 18.05. | VfB Stuttgart - Mainz 05 | 2 : 2 |
| 18.05. | Augsburg - Greuther Fürth | 3 : 1 |
| 18.05. | Hannover 96 - Fortuna Düsseldorf | 3 : 0 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Bayern München | 34 | 29 | 4 | 1 | 98:18 | 91 |
| 2. | Borussia Dortmund | 34 | 19 | 9 | 6 | 81:42 | 66 |
| 3. | Bayer Leverkusen | 34 | 19 | 8 | 7 | 65:39 | 65 |
| 4. | Schalke 04 | 34 | 16 | 7 | 11 | 58:50 | 55 |
| 5. | SC Freiburg | 34 | 14 | 9 | 11 | 45:40 | 51 |
| 6. | Eintracht Frankfurt | 34 | 14 | 9 | 11 | 49:46 | 51 |
| 7. | Hamburger SV | 34 | 14 | 6 | 14 | 42:53 | 48 |
| 8. | M'gladbach | 34 | 12 | 11 | 11 | 45:49 | 47 |
| 9. | Hannover 96 | 34 | 13 | 6 | 15 | 60:62 | 45 |
| 10. | 1. FC Nürnberg | 34 | 11 | 11 | 12 | 39:47 | 44 |
| 11. | VfL Wolfsburg | 34 | 10 | 13 | 11 | 47:52 | 43 |
| 12. | VfB Stuttgart | 34 | 12 | 7 | 15 | 37:55 | 43 |
| 13. | Mainz 05 | 34 | 10 | 12 | 12 | 42:44 | 42 |
| 14. | Werder Bremen | 34 | 8 | 10 | 16 | 50:66 | 34 |
| 15. | Augsburg | 34 | 8 | 9 | 17 | 33:51 | 33 |
| 16. | Hoffenheim | 34 | 8 | 7 | 19 | 42:67 | 31 |
| 17. | Fortuna Düsseldorf | 34 | 7 | 9 | 18 | 39:57 | 30 |
| 18. | Greuther Fürth | 34 | 4 | 9 | 21 | 26:60 | 21 |
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Der FC Basel hat das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinal gegen die Bayern 1:0 gewonnen. Wollen Sie die Bayern am Dienstag in München wirklich rauswerfen? Sie sind doch Bayern-Fan.
Ich war als Kind Bayern-Fan. Das relativiert sich irgendwann. Ich fahre ganz sicher nach München mit der Absicht, die Bayern zu besiegen.
Sie waren auch Nachwuchstrainer bei den Bayern. Ein Sieg gegen diesen Club wäre für Sie etwas Spezielles.
Es wäre ein unglaublicher Triumph, wenn eine Schweizer Mannschaft in den Viertelfinal einziehen würde. Das sollte im Vordergrund stehen. Dass wir dann den grossen FC Bayern, meinen ehemaligen Arbeitgeber, besiegt hätten, spielt keine Rolle.
Verglichen mit einem Sieg gegen Milan oder Real, wäre ein Sieg gegen die Bayern für Sie persönlich ...
(Unterbricht.) Das hätte für mich den gleichen Stellenwert. Der Unterschied zu einem Sieg gegen die Bayern wäre nur, dass ich einige Spieler des Gegners etwas besser kenne (Vogel trainierte Müller, Lahm und Badstuber im Bayern-Nachwuchs, Anm. d. Red.).
Sie sind in der Pfalz aufgewachsen, wo der 1. FC Kaiserslautern die Massen anzieht. Als Bayern-Fan müssen Sie eine schwierige Kindheit gehabt haben.
(Lacht.) Ich hatte eine sehr behütete Kindheit. Und ich würde sie genau so noch einmal erleben wollen. Was den FC Bayern angeht: Man mag ihn oder nicht, da gibts keine Grauzone.
Finden Sie ihn immer noch gut?
Ich habe vor diesem Club den höchsten Respekt. Er ist wirtschaftlich und sportlich die Nummer 1, und zwar weltweit.
Schweizer Teams haben eine lange Tradition von ehrenvollen Niederlagen, gerade gegen grosse Mannschaften.
Ich glaube, dass die Schweizer Mentalität da ein grosses Problem ist. Sie drückt sich so aus: «Wir Schweizer dürfen gar nicht. Wir Schweizer müssen devot sein.» Dürfen wir erst mehr fordern, wenn sich Erfolge eingestellt haben? Nein. Wir haben unsere Qualität. Meine Mannschaft hat ein Urvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Deshalb gehen wir stressfrei auf den Rasen. Egal, wer uns gegenübersteht.
Haben Sie überhaupt keine Angst vor den Bayern?
Ich habe nur Höhenangst.
Wie lässt sich die Mentalität einer Schweizer Mannschaft verändern?
Indem wir für das Bewusstsein sorgen, dass wir uns nicht verstecken müssen. Basel ist nicht einmal 400 Kilometer von München entfernt. Nur weil der Bodensee dazwischen liegt, können die Bayern nicht alles besser.
Wie schaffen Sie diesen Teamgeist?
Ich kann ihn nicht erzwingen. So etwas wächst in Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen, aber nicht aufgrund von Autorität oder Vorgaben. Ich mache gar nicht so viel. Ich lasse einfach alles zu: gemeinsames Leiden, füreinander Einstehen, gemeinsames Spielen. Ich bin kein Diktator.
Sie lassen alles zu?
Es gibt Grenzen. Aber das Gehege ist relativ gross.
Sie machen nicht den Eindruck, dass Ihnen der steile Aufstieg vom Assistenz- zum Cheftrainer eines Achtelfinalisten in der Champions League den Kopf verdreht hat.
Ich habe ein tolles Umfeld, im Verein und in der Familie. Da finden sich genügend Personen, die mich schütteln würden, wenn ich nur ansatzweise abheben würde. Es gibt auch keine Notwendigkeit, dass ich mich verändere. Lasse ich mich durch Erfolge blenden, bin ich nicht mehr der, der ich bin. Ich werde noch 1000 Fehler machen und versuche nicht, mich zu inszenieren.
Der FC Basel hat unter Ihnen erst ein Spiel verloren. Ist es anstrengend, erfolgreich zu sein?
Anstrengend ist es wohl eher, erfolglos zu sein.
Sie dürfen sich keine Rückschläge erlauben.
So denke ich nicht.
Sondern?
Ich nehme es, wie es kommt. Irgendwann werde auch ich einmal ein Verlierer sein. Aber darauf bereite ich mich nicht vor.
Sehen Sie den Fussballbetrieb mit andern Augen, seit Sie Cheftrainer sind?
Für mich ist das Spiel immer noch das Wichtigste. Gewisse Mechanismen daneben akzeptiere ich. Sie sind Teil des Geschäfts; ich kann sie nicht beeinflussen.
Was stört Sie?
Der Fussball ist sehr kommerziell. Das bedeutet, dass alle, die profitieren, auch ausgebeutet werden können. Sei das nun der Fan, der zu viel für sein Ticket bezahlen muss. Der Verein, der für einen Spieler zu viel Ablöse bezahlt. Der Spieler, der zu wenig verdient. Der Trainer, der zu schnell entlassen wird.
Wäre es gut, bei den Beträgen eine Null zu streichen?
Ich glaube nicht, dass damit geholfen wäre. Popularität bedeutet auch, dass ein gewisser Preis bezahlt werden muss. Aber ich bin dafür, dass die Vereine wirtschaftlicher denken. Dass sie sich keinen Messi leisten, wenn sie sich keinen Messi leisten können.
Viele Ihrer Kollegen interessiert nur der eigene Erfolg.
Ich weiss (schmunzelt). Nein, Quatsch. Ich konnte als Jugendtrainer beim FC Bayern vieles lernen. Wurde die Bundesligamannschaft Meister, haben die Jugendtrainer ein zusätzliches Monatssalär erhalten. Der Club hat den Erfolg nicht auf den Trainer, die Mannschaft oder den Sportdirektor reduziert.
In Interviews sprechen Sie immer wieder von «ehrlichem Fussball». Was bedeutet das?
Wenn er mit Leidenschaft und Besessenheit gespielt wird. Wenn die Spieler jenes geile Gefühl wieder haben, das sie als kleine Jungs hatten: Die Freude darüber, dass sich der Ball bewegt. Und dass der Ball macht, was sie wollen.
Haben Sie nie den Eindruck, dass Fussballer nur für Geld spielen?
Ihr dürft gerne zum Training mitkommen. Alex Frei beispielsweise hat die grösste Genugtuung, wenn ein Ball herumliegt und er mich fragt: Wohin willst du ihn haben? Dann sage ich: rechts oben. Dann haut Alex drauf, und es klappt in vier von fünf Fällen. Macht er das wegen des Geldes? Nein. Ich denke, die Mannschaft des FC Basel hat derzeit eine Aura, die genau diese Freude am Spiel vermittelt.
Sie wirken erfrischend und locker. Welchen Heiko Vogel werden wir erleben, wenn der FC Basel einmal drei Spiele hintereinander verliert?
Keine Ahnung. Ich werde versuchen, in der Niederlage Grösse zu zeigen.
Was heisst das?
Wenn man verliert, war der andere besser. Ob jetzt der Schiedsrichter einen Fehler gemacht hat oder nicht. Man muss dem Gegner Respekt zollen, denn er hat ja etwas richtig gemacht.
Wird sich erst in der Niederlage zeigen, ob Heiko Vogel ein guter Trainer ist?
Es wird sich zeigen, ob er ein guter Verlierer ist. Das hat nichts mit der Frage zu tun, ob er ein guter Trainer ist. Jeder gute Trainer verliert irgendwann. Was nicht heisst, dass ich bereits ein guter Trainer bin.
Sind Sie das nicht?
Ich habe das Glück, eine sehr gute Mannschaft zu trainieren. Ich bin mir aber durchaus bewusst, wo ich stehe. Mein Trophäenschrank ist noch leer.
Dafür haben Sie sicher schon Angebote aus der Bundesliga.
Man darf sich nicht von kurzfristigen Erfolgen blenden lassen. Der gegenwärtige Erfolg muss erst noch bestätigt werden. Ich hoffe, clever genug zu sein, nicht das erstbeste Angebot aus der Bundesliga anzunehmen.
Wenn Sie die Bayern rauswerfen ...
... bin ich immer noch Trainer des FC Basel, und das erst seit einem halben Jahr. Ich bin den Clubverantwortlichen dankbar, dass sie mir diese Chance gegeben haben. Vielleicht kommt der Tag, an dem ich mich revanchiere. Dann nämlich, wenn ein Angebot kommt und ich nicht sage: Ich bin jetzt weg.
Schweizer begegnen Deutschen mit Misstrauen. Erleben Sie das auch so?
Es gibt Vorurteile auf beiden Seiten. Hier in Basel spielen sie wegen der Nähe zu Frankreich und Deutschland allerdings keine grosse Rolle; ich fühle mich jedenfalls sehr wohl. In der Kabine kokettieren wir manchmal damit. Dann heisst es: Jetzt kommt wieder der aus dem grossen Kanton.
Das spricht für eine entspannte und kumpelhafte Atmosphäre.
Entspannt ja, kumpelhaft nein. Trainer und Spieler müssen einschätzen können, was drinliegt und was nicht. Aber wir lachen schon viel: Wenn bei einem Skirennen Schweizer auf dem Podest landen, kommt Streller und fragt mich: Wo ist der Felix Neureuther? Ich antworte dann: Im Dressurreiten sind wir Deutschen Weltklasse!
Wie schaffen Sie den Rollenwechsel vom Kumpel zum Trainer?
Die Jungs wissen, dass alles, was wir machen, einen Sinn hat. Ich brauche nicht zu verlangen, dass sie mich siezen, wenn wir taktische Dinge besprechen.
Sind Sie mit dem FC Basel in einem rauschhaften Zustand?
Im Rausch hat man die Kontrolle nicht mehr über das, was man tut. Das ist bei mir nicht der Fall.
Wann sind Sie zufrieden?
Wenn ich jetzt dann in die Kabine gehe und all die Jungs dort unten sehe (lacht). Sie sind einfach wahnsinnig, und es macht einen Riesenspass, mit ihnen zu arbeiten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.03.2012, 10:14 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
17 Kommentare
Sympathischer Kerl, der DEUTSCHE und FC Basel Trainer Heiko Vogel. Mit besten Grüssen von einem SCHWEIZER aus Zürich, logo FCZ Fan ! Und klar, DI bin auch ich wieder für so ca. 90 Minuten "Basler-Fan", aber nicht länger, ausser die schaffen voll die Sensation für die nächste Runde :-) Antworten


Bitte warten




Sportbilder der Woche






































