«Höru»

Wer ihn kennt, weiss: Fussballgott Grädel ist auch ein kulinarisches Genie. So kauft er heute Kartoffeln und Lauch und ist froh, das Höru in Bern bleibt.

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Es kann durchaus vorkommen, dass Grädel nicht in einer fussballerischen Sache unterwegs ist. Ein Bummelauf dem Märit beispielsweise, mit der Frage, ob Lauch und Kartoffeln eine Art kulinarisches Liebespaar sind. Just in einem solchen heiligen Moment spürt Grädel manchmal eine Hand auf seiner Schulter, und dann weiss er, dass sein Leben nicht weitergeht wie vorgestellt. «Grädel, jetzt einmal unter uns, ‹Höru› bis zum Sommer 2020 einen Vertrag zu geben, einem 33-Jährigen, das hätte doch der FC Basel nie gemacht, oder?» Lauch passt gut zu Kartoffeln, sehr gut, findet Grädel, und immer, wenn er solche Fragen hört, sucht Grädel reflexartig YB, den neuen Sportchef Spycher und überhaupt das jeweils letzte Update der Hoffnung zu verteidigen. «Höru» sei besser gewesen als alle drei Basler Stürmer zusammen in dieser Saison, hört sich Grädel sagen, und ja, es gebe alte Stürmer, die treffen, Pizarro, Ibrahimovic, also . . . Und ja, vielleicht sei noch eine geschickte Klausel im Vertrag, von der man keine Kenntnis habe, eine Art Tor-Klausel, irgend so etwas, also . . .

Zweiter werde YB wieder, auch nächste Saison, rüffelt der Kollege, Zweiter mit «Höru». «Was hast du eigentlich gegen Zweite?», wettert Grädel zurück, «Zweiter zu sein ist wie eine Note 5 in der Schule, wunderbar, grossartig», hört sich Grädel sagen, im Schatten der Spitze seine Ruhe haben, dass sei wie eine Existenz im Ruhepunkt eines Orkans, dort bleibe man sich selbst, in seiner Mitte, unversehrt, alles sei gut, es gebe keine Aufregung auf dem zweiten Platz, alles gut, aber man könne noch besser werden, auch das sei gut, ein Idealzustand, die beste Matratze für einen guten Schlaf. Grädel kauft jetzt Lauch.

«Rang zwöi isch kei suberi Büez», sagt der Kollege, ein Satz, den Grädel auch gelesen hatte. Tönt gut, stimmt aber nicht. Und der Kollege sagt noch, er habe in der NZZ gelesen, dass die interessanten Szenen im ganzen Spiel an der Hand eines pensionierten Schreiners abzuzählen gewesen seien. Ein Spiel mit «Höru» in Lugano. Und Grädel sagt, dass einer seiner Freunde so ein pensionierter Schreiner sei, er habe neulich mit ihm Bier getrunken und genau hingeschaut: Fünf Finger an jeder Hand, als hätte er sein Berufsleben im administrativen Bereich verbracht. Zehn interessante Szenen seien gut für ein Fussballspiel, «Höru» habe vielleicht nur eine dieser zehn interessanten Szenen mitgestaltet, aber eben sein Tor gemacht, so sei «Höru» eben, und das werde jetzt noch drei Jahre so bleiben. Basta. (Der Bund)

Erstellt: 23.03.2017, 06:54 Uhr

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