Gernot Rohr macht Gabun glücklich
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Emmanuel Mayuka fehlt YB zum Rückrundenauftakt
Mit zwei Siegen und einem Unentschieden hat das Nationalteam Sambias als Sieger der Gruppe A den Viertelfinal des Afrika-Cups erreicht. Die Partie findet am Samstagabend in Bata, Äquatorialguinea, statt. Das bedeutet, dass die Young Boys zum Auftakt der Rückrunde am Sonntag gegen Servette ohne Emmanuel Mayuka auskommen müssen. Der Stürmer, bester YB-Torschütze in der Vorrunde, tritt auch im Nationalteam Sambia erfolgreich auf und hat in der Gruppenphase zwei Tore erzielt. Der Hoffnung von YB-Trainer Christian Gross, wonach Mayuka bald aus Afrika zurück ist, ging nicht in Erfüllung. Der Coach sagte aber, er möge dem Angreifer den Erfolg gönnen. Gross hofft nun, dass sich Mayuka am Afrika-Cup nicht noch eine Verletzung zuzieht.
Emmanuel Mayuka ist der einzige aktuelle Super-League-Spieler, der in diesem Jahr am Afrika-Cup teilnimmt. Neben Gernot Rohr (Nationaltrainer von Gabun) sind (oder waren) aber mit den Verteidigern Kamil Zayatte (Guinea) und Ammar Jemal (Tunesien), Mittelfeldspieler Kader Mangane (Senegal) und Stürmer Seydou Doumbia (Elfenbeinküste) vier Spieler mit YB-Vergangenheit am Turnier in Äquatorialguinea und Gabun engagiert. aww/mk
Unmoralisches Angebot
Gabun und Äquatorialguinea sind bis am 12.Februar Gastgeber des 28. Afrika-Cups. Die Nachbarländer liegen im Zentrum Afrikas an der Atlantikküste. An den Austragungsorten Malabo, Bata (Äquatorialguinea), Libreville und Franceville (Gabun) spielen in vier Gruppen eingeteilt je vier Teams um den Einzug in die Viertelfinals.
Als der afrikanische Fussballverband CAF vor vier Jahren bekannt gab, den Cup 2012 in Äquatorialguinea durchzuführen, hagelte es scharfe Kritik. Seit 1979 regiert Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo mit eiserner Hand. Das Land ist nach Nigeria und Angola der drittwichtigste Ölproduzent Afrikas. Menschenrechte werden systematisch verletzt, Aufstände blutig beendet. Nguema war es, der die Kontinentalmeisterschaft unbedingt in seinem Land durchführen wollte. Doch das kleine Äquatorialguinea konnte den Cup nicht alleine durchführen. Die Partnerschaft mit Gabun kam schliesslich zustande, weil Äquatorialguinea versprach, auch 50 Prozent der Ausgaben des Nachbarn zu übernehmen. Unterdessen haben Gerüchte Schatten über das Turnier geworfen. Senegals Fussballverband sei einem unmoralischen Angebot von Äquatorialguineas mächtigem Staatspräsidenten Nguema erlegen und habe im zweiten Gruppenspiel dem Fussballzwergen aus Äquatorialguinea den 2:1-Sieg geschenkt. Dafür sollen Ölmillionen an die Westküste Afrikas geflossen sein. mk
Stichworte
Die Hitze im «Omnisports»-Stadion in Libreville ist kaum auszuhalten. Nach einem kurzen, dafür intensiven Regenfall misst die Luftfeuchtigkeit in der Hauptstadt Gabuns 90 Prozent. Die kleinste Anstrengung treibt den Nationalspielern Gabuns im Abschlusstraining vor dem letzten Gruppenspiel heute gegen Tunesien den Schweiss aus den Poren. Zwischen Baggern und Sandhaufen steht der Mannschaftsbus der «Panther» parkiert. Während im Hintergrund eifrig gebaut wird, leitet Teamchef Gernot Rohr auf dem frisch verlegten Rasen das Training der Auswahl Gabuns, welche die ersten zwei Spiele am Heimturnier gewonnen hat. Beim Einlaufen führt der ehemalige YB-Coach die Gruppe an, macht Liegestütze und Übungen zur Stabilisierung des Rumpfs vor und lässt danach Spielzüge und Standardsituationen trainieren.
«Auf alles gefasst sein»
Seit mehr als zwei Jahren wird das «Omnisports»-Stadion renoviert. Die Organisatoren haben es verpasst, die Sportstätte rechtzeitig auf den Beginn des Afrika-Cups fertigzustellen. Der 22-jährige Pedro Gunubu verdient sein Geld auf der Baustelle als Eisenleger. Er sagt: «Der Umbau wurde von der Regierung absichtlich verzögert. Sie ist gegen den Cup, weil er viel zu hohe Kosten verursache und keinen Gegenwert generiere.» Was die Gabuner also nicht schafften, realisierten die Chinesen in Rekordzeit: 16 Kilometer ausserhalb der Stadt stellten sie in bloss zwanzig Monaten Bauzeit das Stade de l’Amitié auf, wo neben sechs Gruppenspielen-, je einem Viertel- und einem Halbfinalmatch am 12.Februar auch der Final ausgetragen wird. China ist im rohstoffreichen Afrika einer der grössten Investoren.
Seit Februar 2010 ist Gernot Rohr Trainer von Gabun. Etwa sechzig Prozent des Jahres lebe er in Afrika, erzählt er. «Ich bin glücklich hier. Es ist immer wunderbar warm.» Nach den Erfolgen gegen die Gruppengegner Niger (2:0) und Marokko (3:2) hat Gabun den Einzug in den Viertelfinal bereits geschafft. Rohr und seine «Panther» werden dort auf eine der stärker einzustufenden Mannschaften aus Guinea oder Ghana treffen. Vorerst steht heute die Begegnung gegen Tunesien an, bei welcher es um den Gruppensieg geht. «Tunesien ist auf dem Papier stärker als wir, aber bei afrikanischen Mannschaften muss man auf alles gefasst sein. Mental präsentieren wir uns in einer starken Verfassung. Im Kollektiv sind wir auch nicht schlecht.» Nur rund die Hälfte von Gabuns Nationalspielern steht bei europäischen Klubs unter Vertrag. Der Rest verdient sein Geld im heimischen Championat. Das sei keine grosse Meisterschaft, sagt Rohr, «aber die Spieler, welche ich ausgesucht habe, sind in der Lage, zusammen zu kämpfen und zu gewinnen. Das haben sie in den ersten beiden Spielen bewiesen, und mit dem Publikum als zwölftem Mann ist alles möglich.»
Rohrs Defensivkonzept greift
Der 58-jährige Deutsche hat seiner Auswahl in den vergangenen zwei Jahren zu mehr Stabilität verholfen. Sein defensives Spielkonzept greift: Gabun hat unter Rohr nur noch halb so viele Gegentreffer kassiert wie unter seinem Vorgänger Alain Giresse. Liegt die Halbfinalqualifikation im Bereich des Möglichen? «Wir haben im Spiel ohne Ball Fortschritte gemacht und sind dadurch stabiler geworden. Trotzdem müssen wir realistisch bleiben: Die Qualifikation für die Viertelfinals ist doch schon eine schöne Geschichte. Aber wenn wir einen guten Tag erwischen, liegt vielleicht eine Überraschung drin.»
Ins Schwärmen gerät Rohr, wenn er auf seine Zeit in Bern (2005 bis 2007) angesprochen wird: «Ich denke sehr gerne an das Engagement bei den Young Boys zurück und pflege noch immer Kontakte mit Leuten von YB.» Ein Fan hält ihn regelmässig per SMS auf dem Laufenden.
Grosses Polizeiaufgebot
Inzwischen ist die Trainingseinheit beendet – am Spielfeldrand spielt eine afrikanische Kapelle. Die Spieler und der Trainer geben den zahlreichen Journalisten Auskunft, während einzelne Akteure Fussballtennis spielen. 15 Minuten später ist das Stadion «Omnisports» leer. Ein massives Aufgebot von Polizei- und Militärkräften eskortiert den Teambus mit Motorrädern, Autos und gepanzerten Fahrzeugen ins Hotel. Einen Anschlag wie vor zwei Jahren beim Afrika-Cup in Angola, als der Bus Togos während eines Transfers von Rebellen beschossen wurde, wollen die Veranstalter unbedingt vermeiden. (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.01.2012, 13:06 Uhr
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