Sport

Für die Bürkis eine Familiensache

Von Peter Herzog. Aktualisiert am 14.04.2012

Eine Familienfehde auf dem Spielfeld: Sohn Roman Bürki hütet das GC-Tor und Vater Martin betreut die jungen YB-Goalies.

Zu Besuch auf der Sandreutenen: Heute stehen Roman (links) und Martin Bürki auf verschiedenen Seiten.

Zu Besuch auf der Sandreutenen: Heute stehen Roman (links) und Martin Bürki auf verschiedenen Seiten.
Bild: Adrian Moser

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Das Training endete gestern für den GC-Goalie Roman Bürki und seine Teamkollegen im Campus in Niederhasli mit einer Überraschung. «Der Trainer teilte mit, dass er bis zum Abpfiff gegen YB zu 100 Prozent auf GC fokussiert sei, uns danach aber verlassen werde», schildert Bürki die Ankündigung Ciriaco Sforzas (siehe Bericht unten). Dass GC in der kommenden Saison ein anderer Coach vorsteht, war bekannt, dass Sforza aber bereits vor dem Spiel gegen YB seinen Abgang publik macht, das kam auch für die Spieler unerwartet. So zumindest erzählt es Bürki. Fragen der Spieler an den Trainer zu den Gründen dieses Schrittes hat es danach nicht gegeben. «Da gibt es nichts mehr zu ergründen», sagt Bürki. «Ich weiss nicht, ob er das allein entschieden hat oder auf Druck des Vereins.»

Und Bürki ist sich sicher: Die Aufgabe für die Young Boys wird heute durch diese Konstellation noch schwieriger. «Jeder wird alles geben, um den Trainer einen möglichst guten Abschied zu bereiten.» Ohnehin sind die Partien gegen YB für den 21-jährigen Münsinger besondere Spiele. Die Transferrechte von Bürki befinden sich immer noch bei den Bernern. Sein Vater, Martin Bürki, ist Goalietrainer der Young Boys bei den U-14-, U-15- und U-16-Teams.

Auf alles gefasst

Der 49-jährige Martin Bürki erspart sich heute den Nervenstress. Er wird nicht im Stade de Suisse sein, sondern fliegt über das Wochenende mit Kollegen nach England und schaut sich das Spiel Manchester United gegen Aston Villa an. Sein Sohn sagt: «Die jungen Spieler haben Sforza viel zu verdanken, dank ihm kommen wir in der Super League regelmässig zum Einsatz.» Ohnehin habe er nie festgestellt, dass Spieler mit Sforza besondere Probleme gehabt hätten.

Der Kampf gegen den Abstieg werde sich aber noch verschärfen, vermutet Bürki. Am Donnerstag sprach Routinier Boris Smiljanic zur Mannschaft. «Er sagte uns, es gebe Anzeichen, dass Sion vom Gericht die 36 Punkte Abzug zurückerhalten werde. Wir sind auf alles gefasst.» Das würde bedeuten, dass GC auf den zweitletzten Platz zurückfällt.

Gegen YB ist Bürki seit zwei Spielen ungeschlagen. Nach dem 0:3 gegen die Berner im Letzigrund am 14. August gab es zwei Siege für GC, 1:0 und 2:0. Vor allem beim 2:0 vor vier Wochen blieb Bürki wenig beschäftigt. «Wir spielten defensiv stark, lauerten auf Konter, und YB war harmlos.»

Die Tücken mit dem Stilbruch

Als Junior zog Bürki einst zu YB in die U-16-Mannschaft. Mit 19 erlebte er schon zwei Meisterschaftsspiele in der Super League und stand im Qualifikationsspiel für die Champions League gegen Fenerbahçe im Tor, da Marco Wölfli gesperrt war. Im Januar 2011 wechselte Bürki im Tausch mit Ivan Benito zu GC, und nach einem schwierigen Start avancierte er zum Stammgoalie. Zu Beginn tat er sich allerdings schwer, das Torhüter-Training bei GC bedeutete für Bürki eine riesige Umstellung.

Damals war Patrick Foletti Goalietrainer bei den Zürchern, der nun Verantwortlicher Torhütertrainer beim Schweizerischen Fussballverband ist. «Foletti trainiert ganz anders als die Ausbildner, die ich damals bei YB hatte. Er fordert extremes Ballangreifen, das heisst, der Torhüter muss dem Schuss entgegenspringen», erklärt Bürki junior. Bei YB habe er die üblichen Fangübungen trainiert. Sein Vater kennt dieses Thema und gibt sich moderat. Er könne sich vorstellen, dass diese sogenannte italienische Trainingslehre sich nicht nur beim Verband, sondern auch bei den Clubs durchsetze. Aber entscheidend sei, «dass der Goalie den Ball fängt oder abwehrt, in welchem Stil ist im Prinzip egal».

Martin Bürki war jahrelang Goalie des Erstligisten FC Münsingen, und als Bub stand Roman jeweils hinter dem Tor und bewunderte seinen Vater. Noch heute diskutieren Vater und Sohn nach jedem Spiel von Roman seine Leistung. «Ich sage ihm ungeschminkt, was ich denke, das kann ich als Vater. Manchmal passt ihm meine Kritik nicht, er fragt mich aber weiter nach meiner Meinung.» Roman wirft einen kurzen Seitenblick zu seinem Vater und sagt. «Er ist mein härtester Kritiker. Aber seine Ratschläge sind mir wichtig, kein Goalietrainer kennt mich so gut wie er.»

Ende Saison endet der Leihvertrag mit GC, der Vertrag mit YB läuft noch bis 2013. Und wenn GC die Option auf eine weitere Saison einlöst, verlängert sich der Vertrag mit YB automatisch um zwei weitere Jahre. Sein jüngerer Bruder Marco (Jahrgang 1993), Mittelverteidiger bei der U-21 von YB, trainiert nun mit der Mannschaft von Christian Gross. Beide Söhne einst in der Super League mit YB, der Vater bestreitet nicht, dass dies für die Familie eine «schöne Sache» wäre. Aber es sei besser, in diesem Business nicht zu träumen.

(Der Bund)

Erstellt: 14.04.2012, 11:24 Uhr

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