Sport
Fans des FC Basel diktieren den SBB den Fahrplan
Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 10.04.2011
Fans sind eingetroffen
Am frühen Nachmittag färbten die gerade angekommenen Basler Fans den Bahnhofplatz buchstäblich blau-rot ein. Zu Ausschreitungen kam es bisher nicht. Die Polizei war präsent. Das Spiel der Berner Young Boys (YB) gegen den FC Basel sollte um 16 Uhr beginnen. (sda)
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Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) ist empört: «So geht es einfach nicht!», sagt er. Grund für die Aufregung: Der SBB-Extrazug der Fans des FC Basel wird für das Super-League-Spiel vom Sonntagnachmittag (16 Uhr) nicht wie üblich im Wankdorf halten, sondern im Hauptbahnhof. Die rund 1000 Fans wollen von hier aus zu Fuss zum Stade de Suisse marschieren – und so Präsenz markieren und gleichzeitig eine Protestnote gegen den Fanzaun beim Bahnhof Wankdorf setzen, den Nause vor Monatsfrist als «Raubtierkäfig» bezeichnet hatte. Den Plan publik machte die «Berner Zeitung» in der gestrigen Ausgabe.
SBB-Sprecher Reto Kormann erklärt, dass die Fanvertreter bei den Verhandlungen nicht bereit gewesen seien, von ihrer Forderung abzurücken. Sie hätten klargemacht, dass sie auf die Regelzüge ausweichen würden, wenn die SBB nicht Hand böten. «Unser oberstes Gebot ist es, eine Durchmischung von Fans und Regelkunden zu verhindern. Deshalb mussten wir den Wunsch akzeptieren», sagt Kormann. In Sachen Fantransporte fühlten sich die SBB von Politik und Sportverbänden im Stich gelassen. Auch bei Auswärtsspielen in Zürich hätten Basel-Fans Sonderwünsche in Sachen Ankunftsbahnhof durchgesetzt.
Polizei: «Es ist verantwortungslos»
Die Ankunft im Stadtzentrum unterläuft die Bemühungen, die Sicherheitskosten rund um Fussballspiele zu senken. Vergeblich hat die Kantonspolizei versucht, die SBB umzustimmen. «Wir haben sowohl mündlich als auch schriftlich mitgeteilt, dass wir mit dem Entscheid nicht einverstanden sind», sagt Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern. Die strikte Trennung der Fangruppen – zentral bei einem Risikospiel – werde bei einer Ankunft im Hauptbahnhof verunmöglicht. «Dass die Fans im Hauptbahnhof ankommen wollen, ist verantwortungslos», sagt Willi. Auch wenn es friedlich bleiben sollte, würden Bürger und Verkehr unnötigerweise gestört. Die Marschroute zum Stadion ist nicht bekannt.
Sicherheitsdirektor Reto Nause hofft, dass die FCB-Fans sich besinnen und das Vorhaben fallen lassen. «Der Zug muss unter allen Umständen im Wankdorf halten. Wenn es um die Sicherheit geht, kann es kein Wunschkonzert der Fans geben», sagt er. Nun müssten Club- und Ligaleitung Druck aufsetzen. «Eigentlich wäre es ganz einfach: Steigen die Fans nicht im Wankdorf aus, wird das Spiel abgesagt, und der FCB verliert forfait», sagt Nause. Bei umgekehrter Ausgangslage würde er YB-Boss Ilja Kaenzig persönlich anrufen und auffordern, die YB-Fans von einem Marsch durch Basel abzubringen. «Es ist billig, wie sich Clubs und Liga immer wieder aus der Verantwortung stehlen», sagt Nause.Der FC Basel teilt schriftlich mit: «Der FC Basel ist weder Organisator des Spiels, noch bietet er den Extrazug an, noch kann er entscheiden, wo der Zug hält. Wir wissen aus Erfahrung, dass die Fans einen Marsch durch die Stadt wünschten und dass die SBB im Sinn einer Güterabwägung dem Gesuch nachgekommen sind, was wir absolut nachvollziehen können. Wir unternehmen mit den mitreisenden Sicherheits- und Fanbeauftragten und auf Chefebene alles, die Fans zu einem friedlichen Marsch zu bewegen.» Bei der Basler Fanarbeit war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar. YB-Fanvertreter Adrian Werren bezeichnet das Vorgehen der Basel-Fans als «fragwürdig, vor allem auch gegenüber den SBB». Man wisse genau, wo der wunde Punkt sei, und nütze diesen nun aus. Die Basel-Anhänger müssten sich aber bewusst sein, dass sie sich mit der Aktion eine grosse Verantwortung aufbürdeten. «Wenn der Marsch nicht friedlich verläuft, ist dies ein klares Eigengoal.» (Der Bund)
Erstellt: 09.04.2011, 12:00 Uhr
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