Sport

«Es sollte so sein wie in einem Theater»

Aktualisiert am 06.09.2010

Die Gewalt im Sport nimmt zu. FIFA-Präsident Sepp Blatter kämpft deshalb gegen Stehplätze im Fussball. Mit Sitzplätzen allein lässt sich das Problem allerdings nicht lösen.

Aufgebracht: Fans bedrängen in einem Fussballspiel Aaraus Assistenztrainer Ranko Jakovljevi.

Aufgebracht: Fans bedrängen in einem Fussballspiel Aaraus Assistenztrainer Ranko Jakovljevi.
Bild: Keystone

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Die Gewalt bei Sportveranstaltungen ist ein gravierendes Problem. Anlässlich der vom Swiss Sport Forum in Zürich-Oerlikon durchgeführten Tagung «Tatort» Stadion wurde Lösungen für dieses Phänomen diskutiert.

FIFA-Präsident missfiel der Titel der Veranstaltung. Für ihn hat ein Tatort mit kriminellen Handlungen zu tun. «Das Stadion muss eine Begegnungsstätte sein», sagte er. Für Blatter ist die ganze Problematik eine Frage der Erziehung und der Organisation sowie welche Leute man in den Sportstätten haben will.

In vielen Ländern gebe es keine Hooligans mehr, erklärte er. «Es sollte so sein wie in einem Theater.» Deshalb ist er gegen Stehplätze; diese sind bei internationalen Spielen nicht mehr erlaubt. Auch Gitter wurden nach der Heysel-Tragödie im Jahr 1985 abgeschafft.

Polizei stösst an Grenzen

Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Gewalt nimmt weiterhin zu, weshalb die Polizei an ihre Grenzen stösst. 900 Polizisten stehen pro Wochenenden an Sportveranstaltungen im Einsatz, das sind fünf Prozent des Bestandes. «Die Gewalt im Zusammenhang mit Fussball und Eishockey ist und bleibt eine Bedrohung für friedliche Fans und Unbeteiligte», sagte Thomas Würgler, der Kommandant der Kantonspolizei Zürich.

Einfache Lösungen seien nicht in Sicht. Roger Schneeberger, Generalsekretär der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren, sprach davon, dass wir uns zu einer Spassgesellschaft entwickelt haben. «Es hat ein Wertewandel stattgefunden. Zucht und Ordnung ist in den Hintergrund gerückt».

Klar ist, dass alle involvierten Parteien - Behörden, Justiz, Vereine, Polizei, Fanklubs - zusammenarbeiten müssen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Und dies wird auch gemacht. Seit 2007 gibt es einen Runden Tisch gegen Gewalt im Sport; dieser wurde vom ehemaligen Bundesrat Samuel Schmid ins Leben gerufen.

970 Personen sind registriert

Personen, die sich anlässlich von Sportveranstaltungen im In- und Ausland gewalttätig verhalten, werden im Informationssystem HOOGAN, das vom Bundesamt für Polizei betrieben wird, erfasst. Derzeit sind 970 Personen registriert. Gegen diese werden Massnahmen wie Stadionverbot, Rayonverbot, Meldeauflagen, Polizeigewahrsam und/oder Ausreisebeschränkungen ergriffen.

Die Vereine arbeiten intensiv mit den Fans zusammen. «Es wird enorm viel im Hintergrund gemacht», sagte FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Thomas Grimm, Präsident der Swiss Football League und Vizepräsident des Schweizerischen Fussballverbands, ergänzte, dass die Fanarbeit viel Zeit brauche. «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, aber der Fussball kann nicht alles korrigieren, was in der Erziehung schief gegangen ist.»

Justiz ist zu langsam

Für Canepa wird das Ganze jedoch überdramatisiert. «Wir müssen uns auf diejenigen Leute fokussieren, die sich daneben benehmen, das sind vielleicht ein Prozent». Doch dort wo man etwas unternehmen müsse, fehle der Wille.

Die Mühlen der Justiz würden in der Schweiz langsam mahlen. Es herrschte denn auch Einigkeit darüber, dass zu wenig durchgegriffen wird. «Am meisten wirkt die Abschreckung», sagte Marc Furrer, der Präsident der Eishockey-Nationalliga. Deshalb ist er dafür, dass Schnellgerichte gewalttätige Fans ein bis zwei Tage in den Knast stecken können.

In die gleiche Richtung äusserte sich Roger Schneeberger: In Deutschland, Belgien, England und Holland werde das Ganze mit grösserer Entschlossenheit gehandhabt. Und der Fokus werde mehr auf die Identifikation gerichtet. Als Folge davon würden die Chaoten herausgefiltert und brauche es weniger Ordnungsdienste. Es gibt also noch viel zu tun. (miw/si)

Erstellt: 06.09.2010, 21:29 Uhr

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