«Eine Klatsche kann man nie ausschliessen»
Von Thomas Schifferle. Aktualisiert am 15.11.2011 4 Kommentare
Luxemburg-Schweiz
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Aufstellung:
Benaglio - Lichtsteiner, Von Bergen, Klose, Rodriquez - Inler, Fernandes - D. Degen, Xhaka, Mehmedi - Derdiyok.
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Schweiz: Vier Wechsel
Das Josy Barthel war nebelumhüllt, als die Schweizer für ihr letztes Spiel des Jahres trainierten. Zu erkennen war dennoch, welche Wechsel Ottmar Hitzfeld im Vergleich zum 0:0 am Freitag in Holland plant. Klose ersetzt im Abwehrzentrum Djourou, Fernandes im defensiven Mittelfeld Dzemaili, Degen auf der rechten Seite Shaqiri, und Derdiyok stürmt anstelle von Mehmedi, der Freis Platz im linken Mittelfeld übernimmt.
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Er war nie der elegante Techniker, aber immer der grosse Kämpfer. So brachte er es immerhin auf 194 Bundesligaspiele für Kaiserslautern und Mönchengladbach und auf 98 Länderspiele für Luxemburg. 2009/10 stand er 10-mal für GC im Einsatz. Inzwischen ist Jeff Strasser 37 und seit einem Jahr Trainer bei Fola Esch. Er würde gern noch spielen, aber eine entzündete Patellasehne hindert ihn daran.
Strasser stand am 10. September 2008 im Mittelpunkt, als Luxemburg die Schweiz im Letzigrund 2:1 besiegte. Das erste Tor erzielte er mit einem Freistoss, das zweite in der 86. Minute leitete er für Alphonse Leweck ein. Es war ein stolzer Sieg und vor allem ein höchst seltener: Es war einer von 9 in 210 Qualifikationsspielen.
Jeff Strasser, welche Motivation hat ein Nationalspieler in Luxemburg?
Unser Fussball hat das Niveau des höheren Amateurbereichs. Die meisten Spieler arbeiten oder gehen zur Schule. Sie trainieren abends, kommen um 22 Uhr erst nach Hause. Das ist vier-, fünfmal die Woche der Fall, dann kommt das Spiel dazu. Ich habe grossen Respekt vor dem Aufwand, den die Spieler betreiben.
Aber was treibt einen an, der weiss, dass er mit dem Nationalteam ohnehin fast nur verliert?
Es geht um den Respekt vor dem Nationaltrikot. Es geht um Stolz. Das ist nicht immer einfach, klar. Aber sich während zehn Tagen auf ein Spiel vorzubereiten, kann Spass machen. Und es hat seinen Reiz, gegen Profis zu spielen und zu versuchen, ihnen Paroli zu bieten. Wer das nicht will, hat im Nationalteam nichts verloren. Man sieht ja auch, dass es immer wieder Erfolgserlebnisse gibt.
Wie vor drei Jahren in der Schweiz.
Nicht nur, wir gewannen auch gegen Albanien, gegen die Slowakei, wir spielten gegen Algerien unentschieden, und auch wenn wir 0:2 verloren, boten wir gegen Rumänien eine sehr gute Leistung. Dass es gegen Mannschaften wie Portugal (0:5 im August) oder Bosnien (0:5 im Oktober) eine Klatsche absetzt, wenn die einen guten Tag haben, kann man natürlich nie ausschliessen.
Sie sind der Rekordspieler Luxemburgs. Hatten Sie nie die Lust verloren, Ihr Land zu vertreten?
Manchmal war es schwer, wenn ich vom Nationalteam zum Klub zurückkam und nicht mehr spielte. Da fragte ich mich schon: Was ist wichtiger? Ein Länderspiel oder der Stammplatz im Klub? Aber stolz war ich immer, Luxemburg zu vertreten. Ich hatte den Willen, alles zu geben. Ich galt und gelte hier immer noch als sehr grosses Vorbild. Wenn man das ist, wie will man von anderen etwas verlangen, was man selbst nicht macht?
War ein Sieg wie das 2:1 in der Schweiz eine Entschädigung für viele Niederlagen?
Auf jeden Fall. Es ist auch eine Genugtuung für die Arbeit, die man verrichtet.
Die Heimreise danach im Bus muss lustig gewesen sein.
Ach, wir spielten Karten, tranken das eine oder andere Bier, die Rückfahrt war nett, ja. Alles schön und gut, aber wir gewannen nur ein Spiel, da soll man auch nicht übertreiben. Eine Jahrhundertfeier war es jedenfalls nicht.
Wie weit weg ist eine EM- oder WM-Qualifikation für Luxemburg?
Daran ist nicht einmal zu denken. Es wäre nur schon einmal ein Anfang, wenn wir fünf Spieler hätten, die wirkliche Profis sind. Im Moment haben wir nur einen: Mario Mutsch von Sion.
Luxemburg hat 500'000 Einwohner, Montenegro mit 620'000 nicht viel mehr und hat es jetzt trotzdem bis in die Barrage gebracht. Was macht Montenegro besser?
Montenegro hat ein anderes System, anders als wir hat es im Fussball eine Profiliga. Ein zweiter Unterschied ist die Zusammensetzung der Bevölkerung. Fast die Hälfte sind bei uns Ausländer. Das ist im Fussball nicht anders. Da reden wir von ungefähr 120, 150 Spielern, die noch Luxemburger sind. Und daraus machen Sie einmal eine Nationalmannschaft!
Schwierig.
Schwierig, ja. Wenn man in der Schweiz nur Spieler aus der 3. Liga nehmen dürfte, wüsste ich nicht, ob die Resultate der Nationalmannschaft noch so gut wären.
Geht es dem Luxemburger zu gut, um den Ehrgeiz zu entwickeln, sich im Fussball etwas zu erarbeiten?
Der Lebensstandard ist hoch. Und im Fussball auf dem höchsten Niveau zu spielen, ist manchmal zu einfach. Oder man ist zu schnell zufrieden. Wenn man hier einen Beruf hat, für einen Klub aus der höchsten Liga spielt und noch in der Nationalmannschaft ist, dann kommt man auf eine Summe, die nicht so uninteressant ist. Dann fragen sich die Leute schon: Lohnt es sich da, nach Deutschland in die 3. Liga zu gehen?
Was ist für Sie ein interessanter Betrag? 100'000 Franken?
Sie meinen im Jahr?
Natürlich, nicht im Monat.
Ja, danke, sonst müssten Sie weit laufen, um das zu finden. In der Schweiz sicher nicht. Doch gut, in Basel hat es zwei, drei. Marco Streller, den kenne ich, der hat das sicher. Oder Alex Frei. Aber wie steht jetzt der Euro?
Bei rund 1.20 Franken.
100'000 Franken sind also gut 80'000 Euro. Rechnen wir einfach: Ein Spieler erhält von seinem Klub 2500 Euro, vom Nationalteam mit Taggeld und Prämien vielleicht 750 Euro und im Job 3000 Euro. Das macht knapp 6500 im Monat.
Und das ist für einen Luxemburger genug, um nicht in die 3. Liga Deutschlands wechseln zu wollen?
Kennen Sie die Gehälter da? Bei diesen 6500 Euro reden wir ja von netto. Dann müssten Sie in Deutschland bei einem Spitzensteuersatz von 47 Komma irgendetwas Prozent schon 13'000 Euro brutto haben. Viel Spass, um die zu finden, die das in der 3. Liga verdienen.
Dann ist es nachvollziehbar, in Luxemburg zu bleiben.
Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Ich sage: Ein Junger sollte versuchen, ins Ausland in ein Ausbildungszentrum zu gehen, sei es in Deutschland, Frankreich oder Belgien. Wie ich, als ich mit 14 nach Metz ging. Ich bin überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Der Weg soll doch das Ziel sein.
Welche Bedeutung hat in Luxemburg das Spiel gegen die Schweiz?
Die grossen Nationen machen einen Unterschied zwischen Qualifikations- und Freundschaftsspielen. Luxemburg kann das nicht, weil die Mannschaft sich entwickeln muss. Da ich ja jetzt seit ein paar Monaten die Länderspiele fürs Fernsehen kommentiere, hoffe ich, dass es am Dienstag nicht schon wieder 0:3 nach einer halben Stunde steht wie zuletzt in Bosnien.
Sie haben einmal gesagt, von 50 Spielen gegen die Schweiz gewinne Luxemburg nicht mehr als eins. Diese Aussage gilt weiterhin?
Wenn die Schweiz in ihrer besten Besetzung antritt, müssen sehr positive Sachen zusammenkommen, damit Luxemburg wieder einmal gewinnt oder nur schon ein Unentschieden erreicht.
Und wenn die Schweiz nur ihre zweitbeste Bestbesetzung hat ...
... gilt das auch.
(DerBund.ch/Newsnet)Erstellt: 15.11.2011, 07:53 Uhr
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4 Kommentare
ich bin gespannt welche aufstellung hitzfeld aufs feld schickt. xhaka als nr. 10 ist meiner meinung nach eine fehlbesetzung! solche tests sollten genutzt werden um verschiedene varianten zu testen, f. frei oder costanzo hätten das potential für diese position. am linken flügel ist stocker, wenn wieder fit, sowieso gesetzt. wir erwarten endlich eine nati die offensiv spielt und risiken eingeht, dam Antworten
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