Sport
Die beleidigten Leberwürste
Von David Wiederkehr. Aktualisiert am 11.08.2010 17 Kommentare
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Carlos Varela ist ein streitbarer Fussballer, ein Rabiat auf dem Spielfeld – und jetzt eine beleidigte Leberwurst. Die Disziplinarkommission der Swiss Football League sperrte den Genfer von Xamax für seinen verbalen Ausraster gegenüber dem Schiedsrichterassistenten am Samstag nach dem Spiel gegen den FCZ für drei Spiele. Varelas Reaktion? Er tritt per sofort zurück.
Sion und Xamax blitzten ab
Für seinen Klub, der diesen ungewöhnlichen Schritt gestern publizierte, tragen alleine die Swiss Football League und deren Disziplinarkommission die Schuld. Xamax unterstellt der Liga willkürliche und irrationale Entscheide – stets mit dem Ziel, die Westschweizer zu mobben. Vor einer Woche hatte Präsident Sylvio Bernasconi gemeinsam mit dem FC Sion ausländische und demnach unvoreingenommene Schiedsrichter gefordert. Ebenfalls gestern liessen Liga und Fussballverband die beiden Klubs abblitzen.
In einfachen Sätzen ist der Verhaltenskodex der Swiss Football League niedergeschrieben. Man kann also verstehen, was da steht. Zum Beispiel unter Punkt 2: «Wir verhalten uns gegenüber dem Schiedsrichterteam fair und mit Respekt.» Verfasst wurde dieser Kodex auch in französischer Sprache – und unterschrieben wurde er von allen Klubs. Von Sion, von Xamax. Ob Carlos Varela ihn je gelesen hat, ist unbekannt, aber unwahrscheinlich für jemanden, der beim Torjubel so tut, als werfe er Handgranaten ins Publikum.
Constantins schäbige Aktion
Dass auch Christian Constantin, Präsident des FC Sion, kein wirkliches Interesse an Fairness zeigt, ist verbürgt. Wie sehr, das hatte er am vergangenen Wochenende wieder einmal demonstriert: Um den Schiedsrichter vor dem Auswärtsspiel in Luzern auch garantiert zu beeinflussen, machte er im Vorfeld der Partie das Vorhaben öffentlich, sein Team bei einem krassen Fehlentscheid vom Feld zu zitieren.
Constantin sorgt regelmässig für solche Unterhaltung. Aber ist das lustig? Ist es nicht. Es ist schäbig.
Und peinlich, wie sich Constantin während eines Spiels aufführt. Dabei ist nicht relevant, was er sagt. Allein dass sich der Präsident in den Spielfluss einmischt, ist unerhört. Dass darüber hinaus mit Bernard Challandes ein Choleriker neben ihm sitzt, macht die Sache nicht besser. Man kann sich allenfalls fragen, warum Challandes sich das gefallen lässt.
Mangelnder Respekt
Und warum die Liga dieses durchsichtige Theater überhaupt duldet. Er wolle von weiteren Bestimmungen absehen, die regeln, wer sich im Innenbereich aufhalten darf und wer nicht, sagt Ligapräsident Thomas Grimm in der «Neuen Luzerner Zeitung». Denn: Dies ist bereits festgeschrieben. In die Teamzone darf, wer auf dem Matchblatt aufgeführt ist. Man muss diese Regel nur konsequent durchsetzen.
Wobei es gar nicht um technische Feinheiten geht. Sondern um den allgemein mangelnden Respekt vor den Schiedsrichtern, die wie jeder Fussballspieler auch niemals frei von Fehlern sind. Sicher nicht braucht der Schweizer Fussball ausländische Unparteiische – die Schweizer sind gut genug.
Am Montag hatten die Schiedsrichter der Super League ihre monatliche Zusammenkunft, an der diesmal Thomas Grimm teilnahm und sich Zeit nahm für ihre Sorgen. An ihnen gehen die Hetzjagden nicht spurlos vorüber, und sie begrüssen die als Reaktion darauf gestern veröffentlichte Stellungnahme von Liga und Verband, auch dank deren deutlichen Worte.
Schelte für einmal andersrum
Klarzustellen ist: Auch in der Schweiz lebt der Grossteil der Trainer den Fairplay-Gedanken. Ciriaco Sforza zum Beispiel, dessen GC am Sonntag 1:2 gegen YB verlor und möglicherweise das Opfer eines falschen Freistosspfiffs war, reagierte unwirsch auf entsprechende Fragen nach dem Spiel. «Der Schiedsrichter hat entschieden. Fertig», sagte Sforza und scholt einen Journalisten, der auch bei YB-Trainer Vladimir Petkovic nachhakte. Es gibt den Röstigraben also vielleicht doch. Constantin und Bernasconi jedenfalls lassen uns das glauben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.08.2010, 09:04 Uhr
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17 Kommentare
Im Sport gibt es immer Gewinner und so halt auch Verlierer. Es gab auch einmal eine Zeit, wo die welschen Vereine, ja sogar einmal ein Tessiner Verein in der Schweiz die grossen Sieger waren. Und jetzt sind es halt primär Mannschaften aus der Deutschschweiz. So wie in anderen Ländern, wie z.B. in Deutschland jetzt Bayern München oder in Spanien Barcelona. Auch das wird sich eines Tages ändern. Antworten
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