Die Young Boys denken an Luzern und nicht an die Finalissima
Von Peter Herzog. Aktualisiert am 12.05.2010
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Die zweite Halbzeit des FC Basel beim 6:0-Cupsieg gegen Lausanne am vergangenen Sonntag hatte sich Xavier Hochstrasser am TV angeschaut. «Bei der Siegerehrung habe ich das Gerät aber abgeschaltet», sagt der YB-Mittelfeldspieler, der am 1. Juli 22 Jahre alt wird. Die Young Boys haben sich vor dem Spiel gegen Luzern ein eigenes Konzept gezimmert. An den grossen Rivalen im Kampf um den Titel wollen sie erst nach dem Schlusspfiff auf der Gersag denken.
Vier Tore hat der Genfer in den vergangenen sieben Partien für YB erzielt, drei davon mittels Freistössen gegen Aarau (2) und Xamax. Zuvor hatte Hochstrasser während der gesamten Saison nicht getroffen. Die Frage, ob er in der Hierarchie als Freistossschütze mittlerweile wieder nach oben gerutscht sei, beantwortet Hochstrasser mit einem Lächeln und mit Ja. Mit Yapi, Regazzoni, Dudar, Raimondi (von der linken Seite) und Hochstrasser gibt es einige, die bei YB Ambitionen anmelden, wenn es um die Ausführung von Freistössen geht. «Jetzt ist das Vertrauen wieder da, und mit meinen drei Freistosstoren bin ich zurzeit die erste Option. Doch mit zwei, drei schlechten Freistössen kann sich das wieder schnell ändern.» Man spreche sich untereinander ab, sagt Hochstrasser, «aber auch der Trainer entscheidet manchmal, wer die Freistösse schiesst».
«Das wichtigste Spiel»
Womöglich werden auch am Donnerstag gegen Luzern im Gersag in Emmenbrücke sogenannt stehende Bälle die Entscheidung bringen. «Es ist das wichtigste Spiel der Saison», sagt Hochstrasser. Diese Wortwahl ist ganz im Sinne von YB-Trainer Vladimir Petkovic, der seiner Mannschaft erklärt hat, es sei schwieriger, in Luzern zu gewinnen, als danach gegen Basel. Und auch Hochstrasser hat den 2:1-Sieg im ersten Auswärtsspiel in Luzern am 18. August als eine schwierige Partie in Erinnerung. «Der Platz ist eng, man hat dort wenig Raum, und Luzern verfügt mit Yakin, Chiumiento und Ferreira über technisch starke Spieler.»
Für ein Unentschieden gegen Luzern würde Hochstrasser im Vorfeld der Partie aber nicht unterschreiben. «Wir wissen, dass wir Meister sind, wenn wir gegen Luzern und Basel nicht verlieren, aber gegen Luzern auf ein Unentschieden zu taktieren, wäre für uns gefährlich. Auf Remis zu spielen, entspricht auch nicht unserer Mentalität.»
Auch Petkovic sagt, es sei schwierig, daran zu glauben, dass Basel am Donnerstag das Heimspiel gegen Xamax nicht gewinne, aber YB werde mit der Einstellung ins Gersag gehen, mit einem Sieg für die Meisterentscheidung zu sorgen. Komischerweise, so der Berner Trainer, habe YB nach den beiden Niederlagen gegen GC und Sion und dem Verlust der Tabellenführung während einer Woche die Ruhe wiedergefunden. Auf die kurze Zwischenbaisse haben die Young Boys mit drei Siegen in Serie geantwortet.
Auch Hochstrasser teilt die Einschätzung seines Trainers: «Wir trainieren konzentriert und mit Ruhe, die Zuversicht im Team ist sehr gross. Basel darf sich gar keine Schwäche mehr erlauben, ich bin überzeugt, der FCB spürt in diesen Tagen den Druck.»
Doumbia ohne Beschwerden
Und für Entspannung bei den Young Boys sorgt auch die Tatsache, dass Doumbia nach seinen Adduktorenproblemen die letzten Trainings ohne jegliche Beschwerden mitmachen konnte, auch Scott Sutter ist wieder zurück im Training, die personelle Situation hat sich bei den Bernern in den letzten Tagen entschärft.
Dagegen besteht für die Young Boys gegen Luzern weiterhin die Gefahr von folgenschweren Verwarnungen. Bei einer Gelben Karte im Gersag wären Wölfli, Dudar, Bienvenu, Schneider und Coly für die Partie am Sonntag gegen Basel gesperrt.
Auch Hochstrasser, dessen Vertrag bei YB noch bis im Sommer 2014 gültig ist, vermutet, dass die Partie am Sonntag gegen den FCB zur Finalissima wird. Aber er wiederholt auch. «Wir müssen am Donnerstag mit dem Willen auf das Feld gehen, gegen Luzern die Titelentscheidung zu erzwingen.» Die Young Boys fahren bereits heute Mittwoch nach Luzern und absolvieren am Donnerstagmorgen ein Footing in der Zentralschweiz auf Naturrasen.
FC Luzern - Young Boys (Do 20.15, live SF 2). Stadion Gersag, Emmenbrücke. Mögliche YB-Formation: Wölfli; Affolter, Dudar, Schneider (Mardassi); Degen, Doubai, Hochstrasser, Raimondi; Doumbia, Bienvenu, Regazzoni. (Der Bund)
Erstellt: 12.05.2010, 07:57 Uhr
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