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Die Fussballer Gottes

Von Erwin Haas. Aktualisiert am 28.08.2011 2 Kommentare

Der Vatikan hat seine eigene Champions League. Das Schweizer Team FC Guardia Svizzera Pontifica wartet aber auf einen Sieg.

Fussball statt Hellebarde: Die Schweizer Garde besitzt ihr eigenes Fussballteam.

Fussball statt Hellebarde: Die Schweizer Garde besitzt ihr eigenes Fussballteam.
Bild: Keystone

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Fussball-Diskussion

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Als Lionel Messi kürzlich im spanischen Supercup gegen Real Madrid den Siegestreffer für Barcelona schoss, küsste er im Triumph nicht nur das Clubwappen auf seiner Brust, sondern streckte auch beide Zeigefinger gen Himmel: Er dankte Gott für seine unglaubliche Dribblergabe, die ihn schon zweimal zum Fussballer des Jahres gemacht hat.

Gesten der Demut sind unter gläubigen Fussballern sehr verbreitet, und der Allmächtige hat die Ehre natürlich verdient. Schliesslich hatte die «Hand Gottes» an der Weltmeisterschaft 1986 durch die Hand Diego Armando Maradonas im Viertelfinal Argentinien gegen England selber ein wichtiges Tor erzielt. Wenn man den Berichten zahlreicher Clubpräsidenten glaubt, die dem Papst Trikots schenken und den Herrn für sich vereinnahmen, ist Gott ein grosser Fussballfan.

Weniger bekannt ist, dass er im Vatikan sogar eine eigene Liga führt.Auch Schweizer tschutten dort mit – beruflich allesamt Torhüter zum Schutze des Papstes: die Mitglieder der Schweizergarde. Die Mannschaft FC Guardia Svizzera Pontificia kämpft jeweils in Rot-Weiss mit Sicht auf die Kuppel des Petersdoms gegen andere Teams des kleinsten Staates der Welt, der nur 1000 Einwohner zählt. Sie kickt gegen Museumswärter, Techniker, die Reinigungsmannschaft, die Vatikan-Apotheker, Priesterseminaristen, die Restauratoren der Sixtinischen Kapelle oder die schon rein beruflich besonders wettbewerbsfreudige Konkurrenz, die vatikanische Gendarmeria.

Meisterkicker aus dem Supermarkt

Wie der 24-jährige Bündner und aktuelle Guardia-Captain Flavio Bundi der «Neuen Luzerner Zeitung» erklärte, haben die Gardisten aber noch nie einen Titel geholt. In den letzten Saisons dominierte die Annona, das Team des vatikanischen Supermarkts. Sein internationalstes Turnier führt der Vatikan quasi vereinsintern durch, auch wenn es für die katholische Kirche wie eine Weltmeisterschaft ist. Um den Clericus-Cup, in dem der Schiedsrichter für unfaires Verhalten und Flüche neben Gelben und Roten auch Blaue Karten ziehen und einem Sünder damit fünf Minuten Zwangspause verordnen kann, spielen jeweils Mannschaften aus Priesterkollegien und päpstlichen Universitäten aus aller Welt.

Der Pokal sieht aus wie eine Art Fussball auf Schuhen mit Heiligenschein.Sogar eine Nationalmannschaft stellt der Heilige Stuhl, wenn auch ausserhalb von Rang und Traktanden der Fifa. Die Selezione der Kurie misst ihre Kräfte mit anderen Zwergstaaten wie San Marino und Monaco, empfängt aber manchmal auch Gäste. Etwa die Alternativfussballer des SV Vollmond aus dem Zürcher Kreis 3, die sich zu Ehren von Papst Benedikt XVI für ein Testspiel 2005 «1. FC Ratzinger 16» nannten. Zur Verwirrung des Gegners trugen sie alle Trikots mit der Rückennummer 16 – die Zürcher Fussballer verloren aber trotzdem.

Weihwasser für Squadra Azzurra

Giovanni Trapattoni (72), einst Trainer von Clubs wie Juventus, Bayern München und jetzt von Irland, hat zugesagt, das Vatikanteam nach seiner Pensionierung zu betreuen. Er gilt als strenger Katholik und fiel als italienischer Nationaltrainer an der Fussball-WM 2002 in Südkorea durch eine ungewöhnliche Motivationsspritze für seine Squadra Azzurra auf. Die Schwester von «Trap», Ordensfrau in Mailand, hatte ihm Weihwasser mitgegeben, das er während der Spiele klammheimlich auf den Rasen träufelte.

Gerüchte, wonach der Vatikan eine eigene Topmannschaft für die italienische Serie A aufbauen wolle, hat Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone 2006 zwar entkräftet. Doch ein gewisses fussballerisches Sendungsbewusstsein geht der Nummer 2 im Kirchenstaat nicht ab. Als Bischof von Genua hatte er im Radio einst Spiele von Sampdoria kommentiert, und als sein Chef 2005 zum Papst gewählt wurde, sagte er, die Kirche habe ihren Beckenbauer gefunden. Denn Benedikt XVI. sei wie ein zurückgezogener Spielregisseur, «der aber lange Pässe in die Tiefe schlagen kann». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.08.2011, 09:21 Uhr

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2 Kommentare

René Grossenbacher

28.08.2011, 11:31 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Nach dem Lesen dieses Beitrages hatte ich zuletzt ein lockeres Lächeln im Gesicht, war entspannt und guter Dinge - besten Dank! Nun schliesse ich den PC für einige Zeit weg und gehe an die Sonne - mit einem Lächeln - natürlich! Antworten


Markus Baumgartner

28.08.2011, 11:35 Uhr
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Klopfen sie doch mal beim FCB an, der verfügt noch über einige Spieler, für die er keine Verwendung hat. Antworten



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