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Die 9. Niederlage war zu viel für Gross
Von Peter Herzog. Aktualisiert am 30.04.2012 60 Kommentare
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Einen Tag nach der 1:2-Niederlage in Genf bei Servette hat YB das gross angelegte Projekt mit Trainer Christian Gross abgebrochen. Gross wurde zusammen mit Assistenztrainer Laurent Hagist und Goalietrainer Pascal Zuberbühler entlassen. Das Trio hat Verträge, die bis im Sommer 2013 ausgestellt sind.
Nach nur einem Sieg aus den letzten neun Spielen hatte Gross bei den YB-Verantwortlichen keine Argumente mehr. Bis zum Saisonende betreuen nun Erminio Piserchia als Interims-Cheftrainer, Thomas Häberli als Assistent und Paolo Collaviti als Goalietrainer die Mannschaft.
Es ist das zweite Scheitern des einstigen Meistertrainers von GC und Basel in den letzten zwei Jahren. Mit diesen Klubs hatte er insgesamt sechs Meistertitel und fünf Cupsiege geholt. Am 13. Oktober 2010 war Gross nach sechs Niederlagen in sieben Spielen in Stuttgart entlassen worden, nachdem er die Schwaben in der Saison zuvor von einem Abstiegsplatz auf den 6. Rang geführt hatte.
Projekt Gross abgebrochen
Bei den Young Boys trat Gross die Nachfolge von Vladimir Petkovic an, der am 8. Mai 2011 entlassen worden war. Nun aber wurde das Projekt mit grosser Tragweite, wie es CEO Ilja Kaenzig gestern Sonntag formulierte, nach weniger als einem Jahr abgebrochen. Ein Projekt, das YB Millionen kostet. In der Winterpause hatten die Verantwortlichen mit den Transfers von Bobadilla, Vitkieviez, Simpson und den Talenten Martínez und González noch versucht, dem Trainer die Verstärkungen zu bieten, um Meister Basel nochmals anzugreifen.
Doch die teuerste YB-Mannschaft aller Zeiten hinkt 25 Punkte hinter Basel hinterher und riskiert nach der Niederlage in Genf gar noch den vierten Platz und die Teilnahme für die Qualifikation der Europa League zu verlieren.
Ratlosigkeit machte sich bereits vor Wochen breit bei den YB-Verantwortlichen, den Spielern und auch dem 58-jährigen Trainer. Weshalb es zwischen YB und Gross nicht harmoniert, das weiss keiner so genau.
Der Rückhalt bröckelte
Gross hat aber in den letzten Wochen gespürt, dass er seiner Sache nicht mehr sicher sein konnte. Der Rückhalt bröckelte, bei Verwaltungspräsident Benno Oertig, und auch bei den direkten Vorgesetzten des Trainers, CEO Ilja Kaenzig und dem Technischen Direktor Hansruedi Hasler. In solchen Momenten ist ein Trainer wie Gross – geprägt und vorsichtig geworden durch die Mechanismen des Fussballs und der Medien – besonders einsam, weil er nur zu ganz wenigen Menschen ein Urvertrauen aufbauen kann. Am Sonntagmorgen hatte Gross noch das Training im Neufeld geleitet, am Nachmittag wurde ihm im Stade de Suisse von Hasler und Kaenzig die Hiobsbotschaft in einem Gespräch mitgeteilt. Das Gerücht, dass Petkovic auf die neue Saison als Trainer zurückkehren könnte, wollte Kaenzig gestern seltsamerweise nicht entkräften. «Dazu kann ich aus Respekt zu Gross nichts sagen. Wir müssen jetzt die aktuelle Situation meistern.»
Am Samstag noch mittendrin
Am Samstagabend stand Gross im Stade de Suisse aber nochmals mittendrin im Gerangel, nachdem Carlos Alves, Sohn und Assistent von Servette-Trainer João Alves, dem YB-Verteidiger Alexander González in der Nachspielzeit vor der Trainerbank der Genfer einen Tritt verabreicht hatte. «Ich wehre mich für meine Spieler», sagte Gross hinterher und ärgerte sich über Carlos Alves, der mit seiner Aktion an González die Tumulte ausgelöst hatte. Im Nu waren Spieler und Betreuer beider Mannschaften in die Handgreiflichkeiten involviert.
Die Fussballwelt sei manchmal seltsam, fügte Gross an. Doch viel wichtiger als dieses Gerangel sei für ihn das, was auf dem Platz passiert sei. «Wir haben das Spiel durch zwei leichtfertige Ballverluste aus der Hand gegeben.» Die Anspannung, der Frust, die Ohnmacht, das alles versuchte er hinterher mit ruhigen Worten zu kaschieren. Doch Gross muss geahnt haben, dass dieses 1:2 gegen Servette nach einer 1:0-Führung die eine Niederlage zu viel war. Wieder war seine Mannschaft nicht in der Lage gewesen, sich gegen einen defensiv agierenden Gegner durchzusetzen. YB hatte gegen das arg ersatzgeschwächte Servette die Partie wohl lange unter Kontrolle, ging durch Costanzo gar 1:0 in Führung.
Doch das befreiende zweite Tor wollte wieder nicht gelingen, erneut wirkten die Spieler in ihren Aktionen seltsam blockiert, als hätten sie Blei an den Füssen, sie spielten ohne Überzeugung, ohne Souveränität, ohne Präzision. Kaum einer erreichte Normalform, und auf den Rängen skandierten die nach Genf gereisten YB-Fans «Chrigu raus».
Und erneut verloren die Young Boys durch ein Tor kurz vor Schluss: Yartey erzielte das 2:1 in der 90. Minute nach Vorarbeit des 20-jährigen Debütanten Ludovic Paratte und nach Fehlern von Doubai, Nef und Zverotic, die alle bei dieser Aktion ihre Zweikämpfe verloren.Es war die 9. YB-Niederlage im 29. Meisterschaftsspiel unter Gross, und vor allem die jüngste Bilanz ist ein Desaster: 1:3 gegen Lausanne, 2:2 gegen GC, 1:2 gegen Servette. «Ich hatte elf Spieler zur Verfügung und nur Junioren auf der Ersatzbank», verteidigte Servette-Trainer João Alves seine Defensivtaktik. Sieben Spieler fehlten wegen Verletzungen und Sperren – aber auch dieses Servette war zu stark für YB.
Als Gross mit der Mannschaft zurück nach Bern fuhr, sassen Kaenzig, Hasler, Finanzchef Daniel Seiler und Mediensprecher Albert Staudenmann im Foyer des Hotels neben dem Stade de Genève mit betretenen Gesichtern an einem Tisch.
Funkstille am Sonntag – bis um 19.47 Uhr
Verwaltungsratspräsident Benno Oertig war nicht nach Genf gereist. Kaenzig wollte sich am Samstag zu Niederlage nicht äussern, verwies auf den Sonntag. Doch lange war von YB am Sonntag nichts zu hören oder zu lesen. Bei der Medienabteilung herrschte Funkstille, Kaenzig schwieg, Hasler schwieg, und das bedeutete für Gross nichts Gutes.
Um 19.47 Uhr blinkte die Medienmitteilung der Young Boys in der Mailbox: «YB stellt Trainer Christian Gross, Assistenztrainer Laurent Hagist und Goalietrainer Pascal Zuberbühler frei.» (Der Bund)
Erstellt: 30.04.2012, 06:08 Uhr
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60 Kommentare
Ich denke, am besten hätte der "hochgestochene" Herr Känzig auch gleich den Hut genommen. Denn seit er sich bei YB BREIT gemacht hat (null Leistungsausweis, bewährte Kräfte entlassen) geht bei den Bernern nichts mehr. Schade - auf eine Einsicht von Herr Känzig hoffen wir wahrscheinlich vergebens. Antworten
Das sieht erfolglosen Klubs ähnlich. Für eine grundlegende Aufbauarbeit braucht es aber definitiv mehr Zeit als das, was Gross hatte. Viel mehr Vertrauen, Zeit und Geduld wären da nötig!
Wenn das bei YB so weitergeht, dann wird das nie mehr was mit einem Meistertitel oder was sich die Klubleitung sonst noch so vorstellt.
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