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«Der Verband hat unglücklich entschieden»

Eine Analyse von Hakan Yakin. Aktualisiert am 14.11.2011 21 Kommentare

Hakan Yakin hat nach 87 Länderspielen und 20 Toren seinen Rücktritt aus der Nati erklärt. Als Kolumnist für DerBund.ch/Newsnet wird er das Team von Ottmar Hitzfeld weiterhin begleiten.

1/10 Nationalcoach Ottmar Hitzfeld gibt in Amsterdam Anweisungen.
Bild: Keystone

   

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Die Schweiz hat in diesem Jahr ihr primäres Ziel verpasst und ist an der Europameisterschaft im kommenden Jahr in der Ukraine und Polen leider nicht dabei. Bei reiflicher Überlegung und Analyse der Situation ist die Enttäuschung darüber schnell gewichen. Der Aufbau einer neuen und vor allem jungen Mannschaft braucht Zeit und insbesondere Geduld. In einer gewissen Testphase des gegenseitigen Kennenlernens ist es doch nur normal, dass es Rückschläge gibt. Solche muss man bei einem Neuaufbau einkalkulieren. Immerhin haben mit Beni Huggel, Ludovic Magnin, Marco Streller und Alex Frei gleich Leistungsträger ihren Rücktritt erklärt. Und ich bin ja leider auch nicht mehr dabei.

Das Scheitern in der EM-Qualifikation erachte ich als grosse Chance. Doch Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld muss jetzt schnell seine ideale Formation finden. Gegen Holland hat die Mannschaft auf das Ausscheiden in der EM-Qualifikation schon mal hervorragend reagiert. Die Schweizer lieferten gegen den Vizeweltmeister ein gutes Spiel ab. Die Mannschaft war hervorragend organisiert, ballsicher und bot den Holländern im eigenen Stadion durchaus Paroli. Was mir allerdings fehlte. Für die Schweizer wäre eigentlich mehr drin gelegen. In der Offensive hat mir der Mut zum Risiko gefehlt. Allerdings mussten wir auf den erkrankten Eren Derdiyok verzichten, jenen Mann also, der weiss, wo das Tor steht.

«Das 0:0 gegen den Vizeweltmeister birgt auch Gefahren»

Ganz wichtig ist, dass die Schweizer auch sogenannte Test- oder Freundschaftsspiele weiterhin sehr ernst nehmen. Es wäre geradezu grobfahrlässig, wenn man solche Tests auf die leichte Schulter nehmen würde. Für die Schweizer dürfen das bis zum Beginn der WM-Qualifikationsspiele nur noch Ernstkämpfe sein, als ginge es um die Europameister- oder Weltmeisterschaft. Die Mannschaft war also gut beraten, dass sie schon gegen Holland alle Kräfte mobilisiert hat und hoch konzentriert an die Sache herangegangen ist. Allerdings birgt das 0:0 in Amsterdam gegen den Vizeweltmeister auch Gefahren. Es wäre fatal, jetzt zu glauben, wir würden uns schon auf dem Niveau eines Vizeweltmeisters bewegen. Ich erinnere nur an das Startspiel an der Weltmeisterschaft in Südafrika, als wir nach dem Sieg über den späteren Weltmeister Spanien in der Gruppenphase danach sang- und klanglos ausgeschieden sind.

«Ansonsten riskiert man, den Goodwill zu verspielen»

Morgen spielt die Schweiz in Luxemburg gegen einen sogenannten Fussballzwerg. Da müssen die Schweizer gleich wieder umdenken. Gegen Luxemburg müssen sie auch beweisen, dass sie nicht bloss in der Lage sind auf einen grossen Gegner wie die Holländer zu reagieren, sondern auch agieren können. In Luxemburg müssen wir das Spiel machen, zeigen, dass wir einen in der Weltrangliste um sage und schreibe 100 Ränge hinter uns platzierten Gegner dominieren können. Und morgen ist ja der genesene Eren Derdiyok glücklicherweise wieder dabei. In Luxemburg gibt es noch ein anderes Problem. Am kommenden Wochenende sind die Spieler schon wieder in ihren Ligen beschäftigt. Da ist es ganz wichtig, dass man im Kopf nicht schon auf die Kämpfe um Punkte in der Meisterschaft fokussiert ist. Ansonsten riskieren die Schweizer, dass sie in Luxemburg innert fünf Minuten den grossen Teil des Goodwills, den sie sich gegen Holland erarbeitet haben, wieder verlieren. Gegen Luxemburg sollten wir zusätzlich gewarnt sein. Ich möchte allerdings die Geschichte um die Niederlage gegen Luxemburg in der WM-Qualifikation für Südafrika nicht noch einmal aufrollen.

«Das finde ich sehr schade»

Eine Anmerkung möchte ich noch zur Imagepflege des Verbandes machen. Die Schweizer haben in der verpatzten EM-Qualifikation die Fans wahrlich nicht verwöhnt, sondern mehrfach enttäuscht. Ich finde es deshalb unglücklich, dass die Schweizer Delegation nach dem Spiel in Holland direkt nach Luxemburg disloziert hat und nicht noch einmal in die Schweiz zurückgekehrt ist. Übers Wochenende hätten die Schweizer Fanarbeit betreiben können. Man hätte öffentliche Trainings und Autogrammstunden organisieren und veranstalten können. Das hätten vor allem die Kinder, unsere grössten Fans, mit Sicherheit goutiert. Auch die sogenannten Stars müssen zum Anfassen und volksnah sein. Leider hat der Verband diese Chance verpasst. Und das finde ich sehr schade. Ich jedenfalls habe es stets genossen, wenn wir uns auch mit den Fans regelmässig austauschen konnten. Immerhin ist der Fan unser 12. Mann im Stadion.

Erstellt: 14.11.2011, 13:16 Uhr

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21 Kommentare

samuel wehrli

14.11.2011, 13:54 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Auf die Analyse und Rat von Hakan Yakin hat wohl kaum jemande gewartet.! Antworten


Peter Müller

14.11.2011, 13:56 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Ein Yakin hat immer recht. Mit Yakin währen wir jetzt für die Euro Qualifiziert. Seine Pässe und Freistösse haben uns in der Quali gefehlt. Antworten



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