Sport
Der Fifa-Wahlkampf wird schmutzig
Von Thomas Schifferle. Aktualisiert am 26.05.2011 24 Kommentare
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Jack Warner.
Chuck Blazer.
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Das Communiqué des Internationalen Fussballverbandes sagt: Die Ethikkommission des Weltverbandes hat eine Untersuchung gegen Jack Warner und Mohamed Bin Hammam eingeleitet. Gegen sie sind Korruptionsvorwürfe erhoben worden. Bis morgen müssen sie Stellung nehmen, am Sonntag müssen sie vor der Ethikkommission aussagen. Auch zwei Funktionäre der Karibischen Fussball-Union werden beschuldigt und zur Sache befragt.
Die Anschuldigungen beruhen auf Aussagen, die Chuck Blazer am Dienstag gemacht hat. Blazer sitzt seit 1996 mit Warner und Bin Hammam in der Exekutive der Fifa, er ist Generalsekretär der Concacaf, der Konföderation von Nord- und Mittelamerika/Karibik, die von Warner präsidiert wird. Sein Bericht geht auf angebliche Vorfälle vom 10. und 11. Mai zurück, als sich die Verbände der karibischen Union auf den Bahamas zu einer Sondersitzung trafen.
Diese Sitzung war, laut Fifa-Communiqué, von Warner und Bin Hammam gemeinsam einberufen worden. Und diente dem Katarer dazu, im Kampf gegen Sepp Blatter ums Fifa-Präsidium für sich zu werben. Das hätte er zwar schon eine Woche zuvor tun können, beim Kongress der Concacaf in Miami. Doch im Gegensatz zu Blatter fehlte er da. Er gab vor, Visa-Probleme gehabt zu haben.
Blazer und Warner sind beste Freunde
Blazer wurde vor fünf Jahren von einem US-Richter vorgehalten, er sei ein Lügner ohne jede Glaubwürdigkeit. Warner ist ein Funktionär von höchst zweifelhaftem Ruf. Der Amerikaner Blazer und Warner aus Trinidad und Tobago gelten als beste Freunde. Deshalb wirft das Vorgehen Blazers erst recht Fragen auf: Ist er mit Warner auf einmal zerstritten? Und will er ihn als Concacaf-Chef stürzen? Oder ist alles ganz anders, viel raffinierter, gar hinterhältig?
Der hünenhafte Blazer ist ein brillanter Kopf, dem nachgesagt wird, dass er nichts macht, wovon er nicht restlos überzeugt ist. Und er war es, der letzten Dezember die Vergabe der WM 2022 an Katar, das Heimatland Bin Hammams, kritisierte: «Man kann ein Fussballstadion klimatisieren, aber ich sehe keine Möglichkeit, wie man ein ganzes Land klimatisieren kann.» Inszenieren er und Warner nun also bloss das grosse Schauspiel, um Bin Hammam in Misskredit zu bringen und den Boden für die Wiederwahl Blatters zu bestellen?
Alles ist Mutmassung, alles verworren und undurchschaubar. Auf jeden Fall hat der Wahlkampf seine schmutzige Note bekommen.
Die Wahl verschieben?
Bin Hammam hat heftig reagiert. Natürlich weist er alle Verdächtigungen von sich, und er sagt auch: Wenn es nur ein wenig Gerechtigkeit auf der Welt gebe, würden sich die Vorwürfe in Luft auflösen. Vor allem aber schreibt er in der Erklärung auf seiner Website: «Dieser Zug ist nur eine Taktik jener Leute, die kein Vertrauen in ihre Fähigkeiten haben, um erfolgreich aus der Fifa-Präsidentenwahl hervorzugehen.» Seine Aussage hat ein einziges Ziel: Blatter, der Feind, der einst sein Freund war.
Die Concacaf hat 35 Stimmen und ist ein Machtfaktor, wenn am nächsten Mittwoch in Zürich der Kongress über den nächsten Fifa-Präsidenten abstimmt. Blatter glaubt an ihre Unterstützung und beruft sich auf ein entsprechendes Schreiben Warners vom 15. Mai. Aber auch von Bin Hammams Seite heisst es, er habe viele Stimmen von diesem Kontinentalverband zugesichert.
Bin Hammam trifft heute in Zürich ein. Die Finanzkommission der Fifa tagt, deren Mitglied er ist – wie Warner auch. Die jüngste Entwicklung wirft aber noch eine ganz andere Frage auf: Müsste die Präsidentenwahl vor diesem Hintergrund nicht verschoben werden? (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.05.2011, 11:18 Uhr
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