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Der FCB kann sich Olympia kaum leisten
Von Oliver Gut. Aktualisiert am 04.04.2012 14 Kommentare
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Ein bisschen erinnert Pierluigi Tami an die netten jungen Menschen diverser Glaubensgruppen. So, wie diese von Tür zu Tür gehen, um für ihre Sache zu werben, die im Kern nichts Schlechtes ist, tourt der Trainer der Schweizer Olympia-Auswahl derzeit von Fussballclub zu Fussballclub, um deren Entscheidungsträger für die fünf Ringe und den damit verbundenen Grossanlass in London zu begeistern. Anders als die netten jungen Menschen, die nicht selten schroff abgewiesen werden, mag er dabei zwar überall auf Verständnis stossen – die Grosszügigkeit seiner Gegenüber jedoch hält sich auch bei Tami in überschaubaren Grenzen.
Mit der Finalteilnahme an der U21-Europameisterschaft 2011 feierte der Schweizer Nachwuchs einen schönen Erfolg und löste damit gleichzeitig das Ticket für London 2012, die Sommerspiele, die vom 27. Juli bis 12. August stattfinden. Doch wo der Jubel verhallt, beginnt der Ärger, stellt sich doch seither die Frage, mit welchen Spielern die Schweiz dieses Olympia-Turnier nun bestreiten soll. Grundsätzlich ist es so, dass alle Akteure einsatzberechtigt sind, die am 1. Januar 1989 oder danach geboren wurden. Darüber hinaus kann jede Nation drei zusätzliche ältere Profis nominieren. Das Problem jedoch ist, dass Olympische Spiele nicht Teil des Kalenders des Fussball-Weltverbands Fifa sind. Was bedeutet, dass die Clubs nicht verpflichtet sind, ihre Spieler für das Turnier freizugeben.
Offensichtlicher Interessenkonflikt
Entsprechend schwierig ist es für ein Nationalteam, die Spieler zu erhalten, schützt doch ein jeder Club primär die eigenen Interessen. Ein gutes Schweizer Beispiel dafür ist der FC Basel. Dort lehnt Sportkoordinator Georg Heitz zum jetzigen Zeitpunkt zwar jeden Kommentar zur delikaten Causa ab. Doch es lässt sich auch ohne Worte und wilde Fantasie ein klares Bild eines offensichtlichen Interessenkonflikts zeichnen: In der Schweiz wird nicht nur die nationale Meisterschaft im Gang sein, wenn das Olympia-Turnier ausgetragen wird, sondern dürfte der FCB darüber hinaus auch in der dritten Runde der Champions-League-Qualifikation engagiert sein (Hinspiele: 31. Juli/1. August, Rückspiele: 7./8. August).
Unter diesen Voraussetzungen können sich die Basler eine Rücksichtnahme auf Olympia kaum leisten und dürften sich betroffene Spieler stark ihrem Arbeitgeber verpflichtet fühlen. Jedenfalls nähme ein Clubverantwortlicher eben diese Verantwortung schlecht wahr, wäre er nicht bestrebt, derart vitale Partien nicht mit dem bestmöglichen Team zu bestreiten. Dass zu dieser Equipe beim FCB die Schweizer U23-Spieler Valentin Stocker und Fabian Frei zählen, versteht sich. Ganz zu schweigen vom dritten Basler mit entsprechendem Alter, Granit Xhaka. Nur dürfte dessen Olympia-Verfügbarkeit im Sommer kein rotblaues Problem, sondern das eines deutschen Bundesligisten sein. Xhaka beabsichtigt, nach Deutschland zu wechseln. So wie das bei U23-Profi Xherdan Shaqiri bereits beschlossen ist, dieser kickt ab Juli in München.
Ein anderer Fall ist Yann Sommer, der fünfte aktuelle Kaderspieler des FC Basel, der beim Schweizerischen Fussball-Verband auf einer 50 Namen umfassenden Liste mit Olympia-Kandidaten steht: Der Stammtorhüter der Rotblauen wurde bereits im Dezember des vergangenen Jahres 23 und ist damit kein U23-Spieler mehr. Zwar würde man ihn als einen der drei älteren Profis nach London mitnehmen, da er viel zur Olympia-Qualifikation beigetragen hat. Doch scheint der Entscheid bereits in eine andere Richtung gefällt: Während der FCB nicht auf seinen Goalie verzichten will, wurde Tami beim VfL Wolfsburg vorstellig und scheint dort gemäss «Blick» in Sachen Diego Benaglio auf offene Ohren gestossen zu sein.
Die Fifa und der Messi-Fall
Da die deutschen Bundesligisten sich während den Sommerspielen erst in der Vorbereitung befinden und ein Torhüter weniger stark in Taktikübungen eingebunden ist, scheint VfL-Trainer Felix Magath bereit, den Keeper für Olympia abzugeben. Wohl auch, weil er im Gegenzug hofft, dass die Schweiz ohne U23-Aussenverteidiger Ricardo Rodriguez über den Ärmelkanal fliegt, dieser nicht aufgeboten wird.
Diese Nicht-Nomination könnte nötig werden, unterstützt doch die Fifa das Olympia-Turnier, indem sie die Weisung herausgegeben hat, dass die Clubs verpflichtet seien, Spieler im U23-Alter abzugeben. Ob dieser Marschbefehl gilt, ist allerdings abzuwarten. Bereits vor Olympia 2008 existierte eine entsprechende Fifa-Weisung, wenn auch kurzfristiger erlassen – der FC Barcelona wehrte sich und erhielt vor dem internationalen Sportschiedsgericht CAS in Lausanne recht, als es um die Freigabe von Lionel Messi ging. Am Ende führte der Hochbegabte Argentinien trotzdem zu Olympia-Gold – jedoch nur, weil sein Club ihm dies erlaubte.
Widerstand der Clubs
Im Wissen um dieses CAS-Urteil dürfte es auch jetzt zu Widerstand seitens der Clubs kommen. Und diesmal im Verbund, geht doch das Gerücht um, dass sich die European Club Association ECA zur Wehr setzen wird. Kommt es so weit, ist nicht ersichtlich, warum die sportliche Gerichtsbarkeit vier Jahre nach dem Messi-Präjudiz in einer vergleichbaren Causa plötzlich zugunsten der Fifa entscheiden sollte.
Kommt es so wie damals, bestimmt unverändert der Club, wer an die Themse reist und wer nicht. Auch beim FC Basel. Der dürfte dann abwägen, wie sehr es in Sachen «nationaler Goodwill» politisch Sinn macht, einen Valentin Stocker oder Fabian Frei nach London zu senden. Und wie sehr er dadurch die Chancen auf das Erreichen der eigenen Ziele gemindert sähe. Seite 17 (Basler Zeitung)
Erstellt: 04.04.2012, 10:32 Uhr
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14 Kommentare
Nationaler Goodwill mag ja gut sein, jedoch liegt es an dem SFV, der UEFA wie an der FIFA den Spielplan der Champions-League-Qualifikation der Olympia in Lodon anzupassen. Für den FCB zählt die Meisterschaft und die Champions-League-Qualifikation! Antworten
Ich wüsste nicht weshalb der FC Basel seine eigenen wichtigen Interessen zugunsten von Olympia zurückstecken sollte. Zumal bei einem Misserfolg der Olympia Mannschaft die Schuldigen in den Augen der Restschweizer Fans schnell gefunden sind. Die Bayern werden einen Shaqiri ja wohl auch kaum nach London senden. Antworten
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