Sport

Der Boden, dem niemand nachweint

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 05.12.2011 1 Kommentar

Die Ära des Kunstrasens im Stade de Suisse ist am Sonntag nach fünfeinhalb Jahren zu Ende gegangen.

1/11 Ende einer Ära: Das Spiel gegen Sion war das letzte auf Kunstrasen.
Bild: Manuel Zingg

   

Es war ein Abschied ohne Emotionen. Als Schiedsrichter Studer gestern kurz vor 18 Uhr den Match YB-Sion abgepfiffen hatte, brauchte es keine Securitas-Leute, die verhindern mussten, dass Fans auf den Rasen stürmten. Anders als vor 10 Jahren, als nach der letzten Begegnung im alten Wankdorfstadion hunderte von YB-Anhängern auf den Platz eilten, um sich ein Stück Naturrasen zu ergattern, machte niemand Anstalten, sich ein Stück des Kunstrasens zu sichern. Der mit Gummigranulat angereicherte Plastikboden vermochte ausser dem früheren Stadionchef Stefan Niedermaier nie jemanden richtig glücklich zum machen.

Unvergesslich die Premiere am 19. Juli 2006 bei hochsommerlichen Temperaturen: Ein penetranter Gummigestank lag in der Luft, als YB und Basel um die ersten Meisterschaftspunkte kämpften. An der Seitenlinie beim FCB: Christian Gross. Dieser war über die künstliche Unterlage alles andere als erbaut und sprach nach dem 1:1 von einem «völlig anderen Spiel».

«Wie eine Sauna»

Keine gute Meinung vom Kunstrasen hatte auch der damalige YB-Trainer Gernot Rohr. «Er wirkt wie eine Sauna, wenn es heiss ist», erzählte er dem Schreibenden im Vertrauen. Öffentlich durfte sich der Franzose wie die Spieler nicht kritisch über das neue Produkt äussern. Klartext redeten nur jene, die nicht mehr bei YB unter Vertrag standen: Sie beklagten sich über Hüft- und Rückenschmerzen. Oder sie verzogen das Gesicht wie Seydou Doumbia, wenn ein Journalist auf die wenig geliebte Unterlage zu sprechen kam.

Niedermaier liess sich von den Kritikern nicht beirren. Ihm war wichtig, dass im Stade de Suisse möglichst viele Trainingseinheiten stattfinden und in der Sommerpause Rockkonzerte durchgeführt werden konnten ohne grosse Reibungsverluste. Wenn ein Trainer wankelmütig wurde wie Vladimir Petkovic und nach einem Naturrasen verlangte, vertröstete ihn der gewiefte Stadionchef mit schönen Worten.

Eine Unterlage für Junioren

Wer weiss, wie lange YB noch auf Kunstrasen gespielt hätte, wenn Niedermaier im August 2010 nicht entlassen worden wäre. Für seinen Nachfolger Ilja Kaenzig war klar, dass der Plastik aus dem Stade de Suisse entfernt werden musste. Als Gross als neuer Trainer verpflichtet wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Wechsel vollzogen wurde. «Es ist eine Unterlage für den Nachwuchs», pflegte der Zürcher zu sagen, wenn man ihn fragte, was er vom Kunstrasen halte. Wie jeder Fussballpurist erinnerte er daran, dass es für einen Fussballer nichts Schöneres gibt als den Geruch eines frischgemähten Rasens. Dem ist nichts anzufügen. (Der Bund)

Erstellt: 05.12.2011, 08:09 Uhr

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1 Kommentar

Sam Mumpitz

07.12.2011, 23:46 Uhr
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GraS ist halt nicht Gras, schon gar nicht wenn man darauf herumrennen darf. Aber Natur braucht mehr Pflege bei so viel Nutzung, was sich in der Rechnung auch zeigen wird. Herzlichen Glückwunsch zu grünen Zehen Antworten



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