Sport
«Das ist absolut nicht normal»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 05.09.2011 17 Kommentare
Nadals Zusammenbruch
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Die Bilder gingen um die Welt. Nach seinem Sieg über David Nalbandian verzieht Rafael Nadal plötzlich sein Gesicht. Er windet sich und hat offensichtlich Schmerzen. Er schlägt die linke Hand vor sein Gesicht. Der Spanier kämpft gegen sich, sinkt aber dann hinter seinem Rednerpult zu Boden. Die Reporter sind fassungslos. Dann werden die Medienvertreter aus dem Raum gebeten. Nach einer mehrminütigen Behandlung durch die herbeigeeilten Ärzte gibt sich Nadal, allerdings mit einem gequälten Lächeln, schon wieder kämpferisch. Er habe unheimliche Schmerzen und vorne wie auch hinten im rechten Oberschenkel Krämpfe gehabt. «Ich werde am Dienstag im Achtelfinal gegen Gilles Muller wieder bereit sein», versicherte die Weltnummer 2. «Da bin ich mir gar nicht so sicher, ob Nadal bis am Dienstag tatsächlich überhaupt wieder bereit sein kann», sagt Bühlmann.
«Wäre ich Nadals Arzt, würde ich ihn vorsorglich niemals schon wieder am Dienstag spielen lassen», sagt der ehemalige Vertrauensarzt von Martina Hingis. Ein solcher Zusammenbruch bedürfe einer genauen Abklärung. Man müsse Blut entnehmen und eine MRI-Untersuchung durchführen. «Dass ein junger und kräftiger Athlet wie Nadal in dieser Art und Weise zusammenbricht, ist absolut nicht normal», warnt Bühlmann. Nadal habe sich vor versammelter Weltpresse vehement dagegen gewehrt, Schwäche zu zeigen. Doch dann sei er regelrecht eingebrochen.
Bühlmann schliesst einen Kreislaufkollaps nicht aus
«In New York ist es in dieser Jahreszeit heiss und feucht», weiss Bühlmann, der sich oft in Amerika aufhält. «Muskelkrämpfe sind oft die Folge von Flüssigkeits- und Magnesiummangel», sagt der Experte. Doch das schliesse er in diesem Fall eigentlich aus. Bei einem Weltklassespieler wie Nadal könne man getrost davon ausgehen, dass er die beste ärztliche Betreuung geniesse. Vor und nach dem Spiel gegen Nalbandian habe er bestimmt genügend Flüssigkeit und ausreichend Magnesium zu sich genommen. «Ich schliesse deshalb einen Kreislaufkollaps nicht aus», sagt Bühlmann. Die minutiöse Abklärung von Kreislauf und Herz müsse bei Nadal jetzt oberste Priorität haben.
Bühlmann gibt zu bedenken, dass Nadal in der Vergangenheit immer wieder wegen physischer Probleme zurückgeworfen worden sei. «Irgendetwas stimmt nicht mit seinem Körper», glaubt der Zürcher. «Ich hatte einmal eine Tennisspielerin, die mit ähnlichen Symptomen zu kämpfen hatte», erinnert er sich. Nach einer genauen Abklärung habe man einen schweren Abszess im Hals diagnostiziert. «Auch in Nadals Körper könnte sich irgendwo ein Infekt eingenistet haben», sagt Bühlmann. Und ein solcher könne durchaus zu einem Kreislaufkollaps führen. «Mit solchen Dingen ist nicht zu spassen», sagt der Mediziner. Aus seiner Sicht sei es fahrlässig, wenn man es zulasse, dass Nadal am Dienstag schon wieder auf dem Platz stehe. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.09.2011, 12:40 Uhr
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