Bringt ein Flugticket Ribéry ins Gefängnis?
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 25.07.2010
Die Fakten im Fall Ribéry sind schnell erzählt: Der Fussballstar liess die damals erst 17-jährige Prostituierte Zahia D. im April 2009 von Paris nach München einfliegen, um sich mit ihr seinen 26. Geburtstag zu versüssen. Obwohl er behauptet, er habe sie für volljährig gehalten, droht ihm nun eine dreijährige Haftstrafe wegen «Einlassung mit einer Minderjährigen».
Die Ermittlungen der französischen Justiz drehen sich offenbar nicht nur darum, was genau im Münchner Hotel Kempinski zwischen den beiden ablief, sondern auch um die Frage, wer das Flugticket für das zu dieser Zeit minderjährige Callgirl geordert hat. War es Ribéry, hat er entgegen seinen Beteuerungen auch ihr Alter gekannt - wer einen Flug bucht, muss schliesslich auch die vollständigen Personalien des jeweiligen Passagiers angeben. «Mein Flugticket und auch das Hotel Kempinski waren schon bezahlt. Ich weiss aber nicht, wer bezahlt hat», sagt Zahia D.
Der Bayern-Chef ist tief besorgt
Die Sportzeitung «L'Equipe» will aus Justizkreisen erfahren haben, dass gegen Ribéry und Karim Benzema, der sich ebenfalls mit der Prostituierten eingelassen hat, neues Belastungsmaterial vorliegt. Sonst hätte der zuständige Untersuchungsrichter André Dando gar kein Ermittlungsverfahren gegen die beiden prominenten Fussballer einleiten können.
Dando geniesst in Frankreich den Ruf eines überaus seriösen und sorgfältigen Ermittlers. Dieser Fakt stellt die Sündenbock-These von Ribérys Anwältin Sophie Bottai auf tönerne Füsse. Sie behauptet, die Ermittlungen liefen auf politischen Druck hin. Die französische Regierung wolle zeigen, dass sie nach der verpatzten WM mit dem «Saustall» Nationalmannschaft radikal aufzuräumen gedenke.
«Vielleicht ist der ermittelnde Untersuchungsrichter ein enttäuschter Fan?», fragt Bottai provokativ. Seriöse Quellen berichten dagegen, dass Untersuchungsrichter Dando aus Rücksicht auf die WM-Chancen der Equipe tricolore bis nach der Endrunde in Südafrika gewartet habe, ehe er Ribéry zum Rapport nach Paris bestellte.
Ribérys Klub Bayern München nimmt die Affäre um den Superstar nicht mehr auf die leichte Schulter. «Wir machen uns grosse Sorgen über den Ausgang des Verfahrens», erklärte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge gegenüber der Zeitung «Bild». Er schliesst sich der Argumentation der Verteidigung an und sieht Ribéry als Opfer der französischen Politik.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.07.2010, 10:54 Uhr
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