Bern atmet Fussball
Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 07.05.2010 3 Kommentare
Späte Tore
Der Leader rettete in diesem Frühjahr dank später Tore viele wertvolle Punkte. Gegen St. Gallen gelang ihm bereits sein viertes Tor in der Nachspielzeit.
27. Februar, 94. Minute, Bienvenu: 2:1 gegen FCZ
14. März, 79. Minute, Lustrinelli: 1:0 gegen Sion
25. März, 72. und 92. Minute, Yapi und Doumbia: 2:1 und 3:1 in Bellinzona
10. April, 92. Minute, Affolter: 2:1 gegen Bellinzona
5. Mai, 93. Minute, Bienvenu: 2:1 gegen St. Gallen
Im Stade de Suisse Wankdorf sind im letzten halben Jahr einige Fussballspiele über die Bühne gegangen, die in Bern nicht so schnell in Vergessenheit geraten dürften. Den Reigen eröffnete der Match YB - Basel Ende November 2009, der von einer Intensität und Dynamik war, wie es in der Schweiz selten der Fall ist. Beispiel zwei war die Begegnung YB - FC Zürich Ende Februar. Den Bernern gelang es an jenem Samstagabend, in Unterzahl ein Spiel in extremis zu drehen, welches lange Zeit nicht für sie gelaufen war.
Der Held damals: Henri Bienvenu, dem in der Nachspielzeit das 2:1 gelang. Der gleiche Bienvenu stand auch vorgestern Abend wieder im Mittelpunkt, als der vorerst letzte Fussball-Krimi auf der Plastikunterlage des Wankdorfs stattfand. Sein Ausrutschertor in der 93. Minute erlöste die allermeisten Matchbesucher, die mit ihrer Mannschaft mitgegangen, gelitten und gezittert hatten wie selten in dieser Saison. Nicht nur die Mannschaft stand unter Strom, sondern auch der Anhang. Die Energie, die auf den Rasen herunterschwappte, blieb auch den Spielern nicht verborgen. Das Publikum habe sie immer wieder nach vorne getragen, sagt der mittlerweile fünffache Torschütze Bienvenu. Mario Raimondi ist die «sehr positive Stimmung» aufgefallen, «die Fans unterstützen uns, auch wenn es mal nicht so gut läuft.» David Degen liebt es, wenn das Stadion vibriert wie gegen St. Gallen. «Wenn du hörst, wie die Leute auf den Tribünen lärmen, machst du auch noch nach 85 Minuten einen Spurt, obwohl du kaum mehr rennen magst.»
Fünf Minuten Doumbia und Co.
Bern atmet in diesen Tagen Fussball wie vielleicht nie mehr seit den späten 1950er-Jahren, als YB viermal in Folge Schweizer Meister wurde (1957 bis 1960) und im Europacup bis in den Halbfinal vordrang (1959). Kaum ein Berner, der nicht weiss, ob die Gelbschwarzen den letzten Match gewonnen oder verloren haben. Kaum eine gesellige Runde, in der nicht zumindest fünf Minuten über Doumbia, Wölfli, Hochstrasser und Konsorten diskutiert wird. Kaum ein Hobbyfussballer, der nicht zu wissen glaubt, wie der FC Basel zu packen ist. Das Debattieren, Abwägen und Spekulieren wird in den nächsten Tagen noch zunehmen, denn unterdessen dürften selbst die meisten Sportbanausen mitbekommen haben, dass YB so nahe am Ziel Meistertitel ist wie schon lange nicht mehr.
Viele Szenarien bleiben
So gut die Ausgangslage derzeit auch sein mag: Noch haben die Berner nichts gewonnen. Das Duell um den Meisterpokal ist zwei Runden vor Schluss unverändert packend: YB hat 77 Punkte, der FC Basel deren 74. Da die beiden Mannschaften noch gegeneinander antreten im letzten Umgang, sind noch fast unendlich viele Szenarien möglich.
1. YB ist Meister, wenn es aus den zwei ausstehenden Begegnungen vier Punkte holt.
2. YB ist Meister, wenn es noch mindestens drei Punkte holt und die bessere Tordifferenz als der FCB hat.
3. Basel ist Meister, wenn es die beiden letzten Spiele gewinnt und YB gegen Luzern verliert oder nicht über ein Unentschieden hinauskommt.
4. Basel ist Meister, wenn es nach einer Niederlage gegen Xamax in Bern drei Punkte holt, sofern YB zuvor in Runde 35 gegen Luzern eine Niederlage kassiert. (Der Bund)
Erstellt: 07.05.2010, 08:35 Uhr
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3 Kommentare
Szenario 3 ist falsch: Wenn Basel 2 Mal gewinnt, sind sie sowieso Meister, egal was YB macht (ausser YB gewinnt in Luzern mit etwa 7-8 Toren Differenz, was sehr unrealistisch ist). Das realistischere Szenario fehlt: YB ist Meister, wenn es 2 Mal Unentschieden spielt. Antworten
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