Beim Debüt mit YB gegen seine alte Liebe
Von Peter Herzog. Aktualisiert am 04.02.2012
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Die Gefahr, dass Matias Vitkieviez am Sonntag sich in der Türe irrt und die Kabine von Servette aufsucht, bestehe bestimmt nicht, versichert er. Immerhin ist der offensive Mittelfeldspieler erst seit 16 Tagen bei YB unter Vertrag. Zuvor spielte er während fünfeinhalb Jahren bei Servette und steuerte vergangene Saison zum Aufstieg der Genfer in die Super League 11 Tore bei. In der Vorrunde im Herbst ärgerte er noch die Berner, zwei seiner fünf Tore für Servette erzielte er gegen YB, beim 1:1 im Stade de Suisse und beim 1:0 in Genf.
«Das ist schon sehr speziell», räumt Vitkieviez ein, «gleich beim ersten Spiel auf seinen einstigen Klub zu treffen.» Doch Sentimentalitäten werde es keine geben. «Ich fühle mich bei den Young Boys gut aufgehoben, die Spieler haben mich sehr offen empfangen», sagt er. Die neue Südamerika-Fraktion bei YB erleichtert ihm zudem die Adaption. «Mit Raúl Bobadilla unterhalte ich mich nicht nur in Spanisch, wir sprechen Dialekt. Wir stammen wohl nicht aus dem gleichen Land, aber unsere Muttersprache ist praktisch identisch. «Und Vitkieviez zeigt gar einen Hauch von Euphorie. «Raúl und ich haben das Gefühl, als spielten wir schon seit zehn Jahren in derselben Equipe, dabei sind es erst fünf Tage.»
Von den fünf Spielern, die YB während der Winterpause engagierte, werden zwei am Sonntag in der Starformation figurieren, Bobadilla und Vitkieviez. Trainer Christian Gross hatte den 26-jährigen Genfer schon seit einiger Zeit auf dem Radar, nicht erst, als er gegen YB zweimal traf. «Ich analysierte vor der Saison auch die beiden Aufsteiger und da war mir Matias bei Servette als torgefährlicher Spieler aufgefallen, der auch den entscheidenden Pass spielen kann.» Für Vitkieviez, der gegen Servette im rechten Mittelfeld anstelle von David Degen spielt, werde es wichtig sein, so der Trainer, «dass er am Sonntag gegen seinen ehemaligen Verein nicht übermotiviert ist, sondern seine ihm zugedachte Rolle spielt».
Als Junior 10 Minuten für Schweiz
Vitkieviez war 14 Jahre alt, als seine Mutter mit ihm und seinem Bruder von Uruguay in die Schweiz zog, nach Carouge. Er sagt: «Sie wollte uns eine bessere Zukunft geben.» Der Vater lebt mittlerweile wieder in Uruguay, und Vitkieviez nutzt jedes Jahr die Weihnachtsferien, um in sein Geburtsland und zur Familie zurückzukehren.
Als Junior hat er auch beide Nationalleibchen getragen, das Himmelblau der Urus und das rot-weisse Dress der Schweiz. «Für Uruguay spielte ich in der U-14-Auswahl», erzählt er. «Wir haben damals Argentinien zweimal geschlagen und ich habe in beiden Spielen getroffen. Das war eine tolle Zeit». Weniger gute Erinnerungen hegt er an seine kurze Nationalmannschaftszeit mit der Schweiz. «Ich kam unter Trainer Pierre-André Schürmann in der U-21 ein einziges Mal zum Einsatz, und das beim 0:4 gegen Österreich für lediglich 10 Minuten. Ich hätte gerne eine zweite Chance erhalten.»Mit 17 Jahren weilte Vitkieviez für ein Jahr in der Fussballschule von Louhans-Cuiseaux im Burgund, bevor er nach Guingamp wechselte, wo er während zweier Saisons im B-Team in Frankreichs 4. Divison spielte. Als 20-Jähriger kehrte er nach Genf zurück, zu Etoile Carouge in die 1. Liga. 2006 wechselte er zu Servette in die Challenge League, für das er in jeder Saison zwischen 4 und 11 Tore erzielte – mit einer Ausnahme. In der Saison 2009/2010 blieb er ohne Tor und kam nur auf 16 Spiele. «Ich war verletzt», meint er, «aber um die Wahrheit zu sagen, damals war ich mit einer Frau liiert, und das machte mich verrückt im Kopf, ich war zu stark abgelenkt.» Jetzt, da er wieder Single sei, treffe er auch wieder ins Tor. Er lacht und fügt an: «Das beweist die Statistik.» (Der Bund)
Erstellt: 04.02.2012, 09:27 Uhr
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