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Auch bei Servette schrillen die Alarmglocken

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 30.01.2012 27 Kommentare

Nach dem Aus von Xamax bereitet nun Servette der Swiss Football League Kummer. Die Anzeichen verdichten sich, dass sich ein weiterer welscher Klub in grossen finanziellen Nöten befindet.

1/7 Majid Pishyar ist der Präsident von Servette FC. Er hat die Löhne nicht oder nur teilweise überwiesen. Spätestens ab dem 1. März, nachdem Servette die Bilanz deponiert hat, weiss man, dass der Genfer Super-League-Klub in finanziellen Nöten steckt. (Bild: 1. Juli 2011)
Bild: Keystone

   

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Stand: 23.05.2012 22:10

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NameSpSUNG:EP
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2.Luzern341412846:3254
3.Young Boys341312952:3851
4.Servette341461445:5348
5.Thun3411101338:4143
6.FC Zürich341181543:4441
7.Lausanne34862029:6130
8.Grasshoppers34752232:6626
9.Sion341581140:3517
10.Xamax1875622:220
Stand: 23.05.2012 22:13

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Als ob der Schweizer Fussball mit den Fällen Neuchâtel Xamax und FC Sion nicht schon genügend Schwierigkeiten hätte, droht ihm weiteres Ungemach. Gemäss dem «Blick» tickt mit Servette eine weitere «Zeitbombe». Majid Pishyar, der umstrittene iranische Präsident des Aufsteigers vom Lac Léman, zahlt die Löhne gerne mit Verspätung und führt den Verein nach dem Prinzip «L’état, c’est moi» oder nach dem Motto «Lust und Laune». So sollen 13 Angestellte von Servette ihr Dezember-Gehalt noch nicht erhalten haben. Und die Profis, welche die Promotion in die Super League schafften, sind immer noch in Erwartung der versprochenen Aufstiegsprämie von 12'000 Franken. Der Unbill nicht genug: Der entlassene portugiesische Trainer Joao Alves fordert vom Klub die Summe von 1 Million Franken – die Klage kommt vor den Kadi. Das Zürcher Boulevardblatt schreibt zudem, dass Servette den lokalen Strom- und Wasserwerken eine Summe von 100'000 Franken schuldet.

Pishyar, der den finanziell maroden Traditionsverein 2008 als Alleinaktionär übernahm, ist sichtlich unzufrieden über seine Rolle in der mondänen Stadt an der Rhone. Gegenüber der «Tribune de Genève» gab er zu verstehen: «Mit dem Nichtbezahlen der Löhne will ich den Genfern sagen, dass sie ihren Klub unterstützen sollen. Ich brauche die Hilfe von allen.» Wenn der Support nicht komme, dann sei seine vierjährige Arbeit für nichts gewesen. Die aktuelle Wirtschaftslage sei schwierig, besonders für einen Fussball-Klub, der keine Sponsoren finde.

Die Liga ist gewarnt

Peter Gilliéron, Präsident des Schweizerischen Fussball-Verbandes, wird im «Blick»-Artikel wie folgt zitiert: «Servette macht uns auch grosse Sorgen. Es ist zu befürchten, dass da die nächste Zeitbombe tickt.» Nun, die Swiss Football League (SFL) betrachtet die Lage als nicht ganz so dramatisch wie Gilliéron. Doch gegenüber DerBund.ch/Newsnet erklärt Liga-Medienkoordinator Philippe Guggisberg: «Der Ausdruck Zeitbombe ist hoch gegriffen. Dennoch schauen wir mit einer gewissen Besorgnis nach Genf.» Nach dem Fall Xamax sei man natürlich sensibilisiert. «Der Stand der Dinge ist: Servette hat die Löhne und Sozialleistungen bis Ende November 2011 überwiesen. Was den Monat Dezember betrifft, so hat der Klub bis morgen Zeit, den Nachweis der Überweisungen zu erbringen.»

Ah, voilà! Dass Servettes Situation für Bauchweh in Bern sorgt, beweist Guggisbergs weitere Bemerkung: «Unser Partner in Lizenzierungsfragen hat bei Servette aktuelle Unterlagen betreffend der finanziellen Situation eingefordert.» (Beim Partner handelt es sich um die bekannte Unternehmensberatungsfirma Ernst & Young). Guggisberg präzisiert: «Die Angelegenheit ist nicht gleich gelagert wie bei Xamax. Bei den Genfern ist doch seit einiger Zeit eine Struktur vorhanden. Das macht uns alle ein wenig ruhiger.»

Auch eine Frage der Kultur

Dass die SFL gut daran tut, ein wachsames Auge auf Servette zu werfen, beweisen Pishyars Aussagen, die er schon mehrmals machte: Als Geschäftsmann wolle man die Investitionen irgendwann einmal wieder zurück haben. Mit anderen Worten: Der 57-Jährige fühlt sich alleine gelassen. Handkehrum, so wird aus der Region berichtet, will er den Klub mit eiserner Hand führen. Wer Investoren und Geldgeber sucht, muss ihnen auch das Gefühl geben, geachtet und respektiert zu werden. Der Iraner steht nicht im Ruf, die umsichtige Taktik mit Mitmenschen zu beherrschen. Er gilt im Umfeld von Servette als ein Mann, der sehr speziell ist und gerne eigenmächtig handelt.

Bulat Tschagajew, Majid Pishyar: Es sind Männer mit Machtgefühlen, die aus fernen Ländern stammen. Sie sind eine andere Kultur gewöhnt. In der an und für sich korrekten, demokratischen Eidgenossenschaft aber erwartet das Volk, dass die Patrons die Löhne pünktlich überweisen. Da macht die Bevölkerung der Genfer Republik keine Ausnahme, das erwarten auch die Angestellten des Servette FC. Für launische Feudalherren sind solche gesellschaftspolitische Vorgaben und Usanzen zwischen St-Julien GE und Buchs SG ein Greuel oder bedeuten Neuland für einen Autokraten. Dass Pishyar 2007 Admira Wacker als Präsident im Konkurs verliess, hilft nicht, das Ansehen zu verstärken. Der österreichische Verein musste damals in die drittklassige Regionalliga Ost zwangsrelegiert werden.

Ein weiteres dunkles Kapitel?

Servette hat in seiner bewegten Geschichte schon viel leiden und erdulden müssen. Es sieht aus, dass in der Saison 2011/12 ein weiteres dunkles Kapitel dazu kommt. Und es scheint, dass der Schweizer Fussball aus dem Sumpf von negativen Schlagzeilen nicht heraus findet.

Das steht im krassen Gegensatz zu den Hoffnungen und Erwartungen an diese Meisterschaft vor dem Kick-off am 16. Juli 2011. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.01.2012, 13:29 Uhr

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27 Kommentare

robert mueller

30.01.2012, 16:03 Uhr
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Typisch Fussball eben. Die Mentalität in diesem Bereich ist erbärmlich. Und da spricht man von "Vorbild, Jugendarbeit, Teamgeist, Fairness etc etc. Dass die Stadtwerke die Stromrechnung v.CHF.100`000.- nicht einfordern ist ebenso erbärmlich. Jeder Privatmann würde betrieben und der Strom abgestellt, resp. Münzzähler montiert. Wo, wo leben wir..? Wie weit haben wr es gebracht...? Antworten


Karl Renner

30.01.2012, 17:02 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Komisch, oder auch nicht, dass dies immer im Welschland passiert. Aber, wie auch in anderen Bereichen ist man dort ja äusserst ausländerfreundlich. Antworten



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