Asylbewerber spielend integriert

Fussball, Beachvolleyball und Burgenvölk: Zwei junge Männer aus Rüti bringen Einheimische und Asylsuchende trotz einiger Hindernisse zusammen.

Vorurteile im Test: Wir haben mit Flüchtlingen und Schweizern über Vorurteile geredet. (Video: Mario von Ow)

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Es ist ein schönes Bild, das sich am Ende dieser kräftezehrenden Spiele bietet: Erschöpft, aber glücklich sitzen alle beisammen um den Brunnen neben der Fussballwiese. Sie teilen Getränke und Snacks, lachen und spritzen sich gegenseitig mit Wasser nass. Ein Augenblick, in dem sie vergessen können, was sie alles hinter sich haben. Raphael Strupler darf auf einen gelungenen Nachmittag zurückblicken.

Seit September 2016 organisieren er und der 20-jährige Alexander Denzler Events in Rüti ZH, bei denen Einheimische und Flüchtlinge beim Sport zusammenfinden sollen. Die Idee kam Strupler schon im Januar 2016. Der 22-Jährige erkannte, dass auf lokaler Ebene viel mehr möglich ist als auf nationaler. Über Facebook startete er einen Aufruf und fand in Denzler einen Mitorganisator.

«Am Anfang war es schwierig», erinnert sich Strupler. Trotz eines Flyers, der in der Asylunterkunft in Rüti aufgehängt worden war, mussten er und Denzler aktiv nach Teilnehmern suchen. Andrea Koula, Betreuerin bei der Asylorganisation Zürich Oberland, half ihnen dabei. Sie erinnert sich: «Viele der Flüchtlinge waren alleine überfordert. Ich sprach sie auf die Flyer an und vermittelte so zwischen den Organisatoren und potenziellen Teilnehmern.»

Neun Monate und sieben Anlässe später ist es anders, jedes Mal kommen mindestens 40 Personen. Die meisten stammen aus Afghanistan, Somalia und Eritrea. Sie sind untereinander gut vernetzt und nehmen auch längere Wege auf sich. Einmal reiste jemand sogar aus Solothurn an, um mitzumachen.

Schweizer in der Minderheit

Die Einheimischen erscheinen nicht ganz so zahlreich, etwa zehn sind es an diesem bewölkten Samstag. «Es kamen schon mehr», sagt Strupler, aber die Teilnahme sei schliesslich freiwillig. «Viele Schweizer haben am Samstag keine Zeit.» Doch auch die Flüchtlinge tauchen nicht zur vereinbarten Zeit auf. Weil der FC Zürich um 17 Uhr beim FC Rüti gastiert, haben die Organisatoren ihren Anlass um eine Stunde auf 13 Uhr vorverlegt. Bis in die Asylunterkunft ist diese Information trotz Flyer und Facebook-Veranstaltung nicht gedrungen. Der erste Teilnehmer erscheint um halb zwei, alle anderen zur gewohnten Zeit.

«Wir haben es nicht gesehen», sagt Mirza Ayubi lachend. Der 19-jährige Afghane gehört zu den Flüchtlingen, die die Anlässe regelmässig besuchen. Er begrüsst alle, die er kennt, mit einem Handschlag und stellt sich den anderen vor. Dann schliesst er sich seinen Kollegen auf der Fussballwiese an. Gleichzeitig finden sich auch auf dem Beachvolleyballfeld nebenan die ersten Spieler ein. Es braucht keine Anweisungen seitens der Organisatoren, die Teilnehmer kennen sich und teilen sich selbst in Mannschaften auf.

Die Spiele nehmen sogleich Fahrt auf. Gespielt wird intensiv, aber fair. Die Resultate sind Nebensache, kaum einer zählt Punkte und Tore. Es geht in erster Linie um den Spass und darum, dass die Flüchtlinge nach vielen schlimmen Erfahrungen und einer langen Flucht endlich wieder sein können, was sie sind: junge Erwachsene, die gerne Sport treiben, fernab von Krieg und Verfolgung.

Darum ist auch Sadeq Mohammadi hier. Mit 19 ist er aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet. Seine Eltern musste er zurücklassen, trotzdem fühlt er sich wohl hier. «Nur der Winter war hart», sagt der mittlerweile 20-Jährige mit einem Augenzwinkern, «daran muss ich mich noch gewöhnen.» In der Schweiz hat er eine neue Leidenschaft gefunden: Karate. Seit einem halben Jahr trainiert er und hofft, dass er bald an Turnieren teilnehmen kann. Die Chancen stünden gut, sagt er und zeigt nicht ohne Stolz einen Karate-Kick.

Mohammadi ist nicht der Einzige, der in der Schweiz eine neue Sportart kennen gelernt hat. Strupler und Denzler sind bemüht, den Flüchtlingen Neues zu zeigen. Bei früheren Anlässen spielten sie in einer Turnhalle auch Burgenvölk. Und es waren schon die Vereine FB Riders (Unihockey) und Syndikat (Frisbee) an Anlässen dabei, um den Teilnehmern ihre Sportarten näherzubringen.

Geld verdienen Strupler und Denzler mit ihrem Engagement nicht. Darum geht es ihnen auch nicht. «Wir sehen die Anlässe selbst als Belohnung für die Zeit, die wir investieren, um sie auf die Beine zu stellen», sagt Denzler. Und er fährt fort: «Wenn wir sehen, wie viel Spass alle haben, gibt uns das etwas zurück. Es motiviert uns, weiterzumachen.» Die Organisatoren durften ihr Projekt schon in umliegenden Orten vorstellen und sind für den Innovationspreis der Gemeinde Rüti nominiert. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.06.2017, 23:22 Uhr

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