2:1 mit etwas Glück - YB atmet durch
Die Voraussetzungen für die Young Boys waren alles andere als ideal. Am Samstag meldeten sich Seydou Doumbia und Gilles Yapi mit einer Magen-Darm-Grippe krank. Nach dem Ausfall von David Degen, bei dem vergangene Woche das Pfeiffersche Drüsenfieber diagnostiziert war, wuchs die Verletzten- und Krankenliste der Berner auf sechs Spieler an.
Dabei traten gestern auch Befürchtungen auf, Doumbia und Yapi könnten für längere Zeit ausfallen. YB-Trainer Vladimir Petkovic hielt dagegen: «Ich gehe davon aus, dass Doumbia und Yapi am Samstag gegen den FC Zürich spielen.» Und der YB-Medienverantwortliche Albert Staudenmann ergänzte auf Anfrage: «Es gibt weder bei Doumbia noch bei Yapi irgendwelche Anzeichen, sie könnten auch am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt sein. Doumbia wurde im Spital untersucht, und es geht ihm schon wieder besser. Womöglich trainiert er am Montag bereits wieder.»
Kein Wunder, atmeten die Young Boys nach dem erkämpften 2:1-Sieg in der AFG-Arena tief durch: «Das ist einer der wichtigsten Siege dieser Saison. Welches Gewicht dieser Sieg hat, wird man erst später erkennen», sagte Petkovic.
Vorerst einmal haben die Young Boys den Vorsprung von vier Punkten gegen Verfolger FCB gewahrt. Es war der siebte Auswärtssieg im elften Spiel auf fremdem Boden für den Leader und der zweite in dieser Saison in der AFG-Arena, wo in dieser Spielzeit neben YB nur Zürich gewonnen hat.
Mit Doumbia (19 Tore), David Degen (6), Marco Schneuwly (5) und Yapi (4) fehlten YB in St. Gallen die vier Spieler, die insgesamt 34 der 45 Tore für den Leader erzielt hatten.
Regazzoni sprang in die Bresche
In St. Gallen sprang nun Alberto Regazzoni in die Bresche. In der 37. Minute verwertete er - allerdings aus Abseitsposition - ein Zuspiel von Sutter zur wichtigen 1:0-Führung der Berner. Und in der 65. Minute bewahrte der Tessiner die Übersicht, als sich Raimondi auf der linken Seite durchgesetzt hatte und den letzte Woche neu verpflichteten Lustrinelli anspielte. Der YB-Debütant traf mit seinem Abschluss nur den Rücken von Fernando - Regazzoni aber schob den zu ihm gekullerten Ball am Standbein von Goalie Vailati vorbei ins Tor.
Aus drei Möglichkeiten hatte YB zwei Tore erzielt, und weil danach der für Lustrinelli eingewechselte Coly in der 70. Minute nach idealem Zuspiel von Sutter das dritte Tor verpasste (70.) mussten die Young Boys noch leiden. Die St. Galler agierten nun mit zweckmässigen Mitteln, schlugen die Bälle in den Strafraum, setzten nach, kämpften, warfen sich mit Leidenschaft in die Zweikämpfe und schafften durch Merenda den Anschlusstreffer (78.)
St. Galler Verzweiflung
Zuvor hatte Koubsky mit einem Kopfball und Abegglen nach einer flachen Hereingabe von Pa Modou guten Möglichkeiten verpasst. Doch mit dem Treffer zum 1:2 peitschen die St. Galler Fans ihre Mannschaft nochmals nach vorne, im YB-Strafraum spielten sich chaotische Szenen ab, der Ball stieg bei verzweifelten Befreiungsschlägen mehrmals wie im Rugby kerzengerade in die Höhe. Es wurde gerangelt, gestossen - bis St. Gallen verzweifelte.
«Es war ein Arbeitssieg», bilanzierte der zweifache Torschütze Regazzoni knapp. «Die Spieler, die zuletzt nicht oft im Einsatz waren, haben heute super gespielt.»
Bereits in der 38. Minute hatte Petkovic seine Equipe erneut umstellen müssen, Mardassi kam in der Abwehr für Lingani, der mit Adduktorenproblemen ausschied. Doubaï zeigte nach Anfangsproblemen im Mittelfeld viel körperliche Präsenz, auch Raimondi hielt sich im ersten Meisterschaftsspiel über die volle Distanz seit dem vergangenen Sommer gut. Er ging noch wenig Risiken ein, war aber beim zweiten YB-Tor massgeblich beteiligt. Lustrinelli rieb sich beim über einen Kopf grösseren Koubsky auf - schuf mit seiner Aufsässigkeit jedoch Räume, die vor allem Regazzoni zugute kamen.
Und Sutter, der seinen Kopfball nach Corner Regazzonis in der 10. Minute von Vailati im letzten Moment abgewehrt sah, hatte fast bei jeder guten Offensivaktion von YB die Füsse im Spiel.
Das 2:1, der Kampfgeist, der Wille, die Solidarität - das alles sprach in St. Gallen für die Young Boys. Von spielerischer Qualität war aber wenig zu sehen. Im Fernduell mit dem FC Basel haben die Berner ein weiteres Wochenende mit Erfolg bestanden - 15 weitere Spiele warten noch.
(Der Bund)
Erstellt: 22.02.2010, 09:37 Uhr


