Dieser Film könnte Russland erschüttern

In «Ikarus» soll der ehemalige Chef des russischen Dopinglabors auspacken. Er könnte höchste Politiker in Bedrängnis bringen.

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Grigori Rodschenkow gehört bereits heute in Russland zu den weniger populären Persönlichkeiten. Wenn am Freitag der Film «Ikarus»am Sundance-Festival in Utah seine Premiere gefeiert hat, könnte er auf die Stufe Staatsfeind sinken. Rodschenkow ist der ehemalige Leiter des Antidoping-Labors von Moskau, das sich unter seiner Leitung zum Zentrum des Dopings russischer Athleten entwickelt hat. Inzwischen ist er einer der Kronzeugen bei der Aufdeckung der flächendeckenden illegalen Leistungssteigerung russischer Spitzensportler.

Bislang bestreitet Russland, dass die Dopingpraktiken vom Staat unterstützt oder gar angeordnet worden seien. Dem hat Rodschenkow bereits im Mai 2016 in einem offenen Brief an Thomas Bach, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, widersprochen. Dort schrieb er, das Doping sei «von höchsten Stellen der russischen Regierung orchestriert» worden.

Bekommt Mutko Probleme?

Nun dürfte Rodschenkow Namen nennen. Und wenn er das tut, könnte es für Witali Mutko ungemütlich werden. Er ist immer wieder als Mitwisser, wenn nicht gar als oberster Drahtzieher des russischen Staatsdopings genannt worden und im Herbst 2016 als Sportminister zurückgetreten. Wirklichen Schaden genommen hat Mutko allerdings nicht. Er ist heute russischer Vize-Ministerpräsident und noch immer Mitglied des Fifa-Rats, dem wichtigsten Gremium des Weltfussballverbandes.

Der heute 58-Jährige Rodschenkow hat sich im Januar 2016 in die USA abgesetzt, weil er in Russland um seine Sicherheit fürchtete. Seine Angst scheint nicht ganz unbegründet. Kurz nach seiner Abreise starb Wjacheslaw Sinew, der Gründer der Moskauer Agentur unter ungeklärten Umständen. Eine Woche darauf erlitt der 52-jährige Nikita Kamajew einen Herzinfarkt. Er war einer von Rodschenkows Amtsvorgängern gewesen.

Der Filmer ist auch Fluchthelfer

Rodschenkows Fluchthelfer ist zugleich auch Regisseur des Dokumentarfilms «Ikarus». Bryan Fogel hatte Rodschenkow 2014 erstmals kontaktiert. Der galt damals noch als Kämpfer gegen Doping, und Fogel wollte im Selbstversuch dokumentieren, was Dopingmittel mit dem Körper eines Amateursportlers anstellen.

Das Thema des Films änderte sich dramatisch, als sich der offizielle Dopingbekämpfer Rodschenkow als oberster Dopingverantwortlicher Russlands entpuppte. «Ikarus» wird deswegen auch davon handeln, weswegen Rodschenkow auf die dunkle Seite der Macht wechselte.

In Moskau soll laut eines Berichts der «Sunday Mail» sogar Präsident Wladimir Putin daran interessiert sein, welche seiner hohen Regierungsbeamten von Rodschenkow belastet werden. Die Verteidigungsstrategie steht ebenfalls: Kürzlich wurde Rodschenkow von einem russischen Parlamentskomitee vorgeworfen, er sei Teil einer vom Ausland finanzierten Gruppe, die Russlands Name in der Welt besudeln solle. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.01.2017, 17:43 Uhr

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