Sport

Besser, aber noch lange nicht gut

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 16.04.2012

YB verpasst beim 2:2 gegen GC auf leichtfertige Weise einen Sieg. Das Heimteam verrät wie gegen Lausanne Abwehrschwächen und ist weiterhin alles andere als stabil.

1/12 Bei misslichem Wetter empfingen die Berner Young Boys die Grasshoppers.
Bild: Keystone

   

Das längere Üben von stehenden Bällen im Abschlusstraining vom Freitag zahlte sich nur einen Tag später aus. Raúl Bobadilla schoss einen Freistoss herrlich ins Lattenkreuz (18.). Mit seinem nächsten Versuch scheiterte der Argentinier am gut reagierenden Bürki (27.). Keine Chance hätte der GC-Hüter mit YB-Vergangenheit in der Nachspielzeit gehabt, als Farnerud aus weiter Distanz Anlauf nahm. Der äussert präzis geschossene Ball landete am Lattenkreuz. Es wäre das 3:2 gewesen in einem Match mit aufregender Endphase. In der 88. Minute war der Weg zum YB-Tor weit offen gewesen, nachdem sich Silberbauer aus seiner Zentrumsposition hatte locken lassen. Hajrovic profitierte von der Unordnung und vollendete Fejzulahis feine Vorarbeit.

Danach stürmte YB mit der Wut im Bauch nochmals wild nach vorne. Zverotic versuchte, einen Penalty herauszuschinden, und erhielt dafür vom aufmerksamen Schiedsrichter Amhof zu Recht die Gelbe Karte vorgezeigt. Amhof entging auch nicht, als Hajrovic kurz danach gegen Simpson eine Tätlichkeit beging, und er schickte den Torschützen zum 2:2 vorzeitig in die Kabine.

Der 15-Minuten-Einbruch

Das Unentschieden stimmte die GC-Fussballer, die in der Rückrunde erst gegen Lausanne und YB haben punkten können, einiges zufriedener als ihre Berner Berufskollegen. «Der Punkt ist für uns sehr gut», bilanzierte Roman Bürki, dem mehrere starke Paraden gelungen waren. Sein Gegenüber Marco Wölfli rätselte über den Einbruch, den YB in der Viertelstunde vor der Pause erlitten hatte. In diesem Zeitabschnitt kam GC ohne grosse Anstrengung zu fünf hochkarätigen Chancen. Callà scheiterte wie Toko am glänzend reagierenden YB-Hüter, Pavlovic traf aus der Distanz die Latte, De Ridder versuchte, den mitgelaufenen Callà anzuspielen, statt selber zu schiessen (43.), nachdem er dem strauchelnden Silberbauer den Ball abgenommen hatte. Mehr Glück hatte der begabte Holländer in der 38. Minute gehabt, als Wölfli dessen Aufsetzer zum Entsetzen der YB-Anhänger ins Tor gleiten liess.

Die Wut des Doppeltorschützen

Die Young Boys retteten sich wie ein angeschlagener Boxer in die Pause. Erinnerungen an das unglückselige Spiel gegen Lausanne-Sport am Ostermontag kamen hoch. Würde die Mannschaft von Christian Gross auch gegen GC zerfallen? Nein. Diesmal konnte sie sich wieder hochrappeln. Dabei kam ihr entgegen, dass Bobadilla früh in der zweiten Hälfte seinen Torinstinkt bewies. Der einstige GC-Angreifer drückte Veskovacs Cornerverlängerung aus wenigen Metern über die Linie (48.).

Trotzdem war der Doppeltorschütze hinterher extrem sauer. «Keine Eier, keine Eier», brüllte er auf dem Weg in die Kabine. Seine Wut zu spüren bekam auch eine verschlossene Türe, die er mit den Füssen traktierte. Später, als er geduscht hatte und wieder etwas weniger Adrenalin durch seinen Körper floss, nahm er Stellung zu seinem emotionalen Ausbruch. Er habe sich furchtbar über das Resultat geärgert, sagte er. Das Unentschieden sei ein höchst unbefriedigender Lohn für die gute Leistung. «Wir hätten mehr als nur zwei Tore schiessen müssen.» Er dachte primär an Costanzos Grosschance beim Stande von 2:1. Der temperamentvolle Südamerikaner ist überzeugt, dass sich YB momentan weit unter seinem Wert verkauft. «Wir haben eine Supermannschaft.»

Etliche Baustellen

Auf dem Papier mag das stimmen, nicht aber im Wettkampf. Dort fehlt YB die Konstanz, die Feinabstimmung und das Selbstvertrauen. Das weiss auch Gross, der fleissig am Pröbeln ist. Gegen GC nahm er Silberbauer in die Abwehr zurück. Der Däne vermochte auch dort nicht restlos zu überzeugen. Im zentralen Mittelfeld stellte der Coach Farnerud Pascal Doubai zur Seite. Diese beiden funktionierten besser als das Duo Farnerud/Silberbauer. Noch nicht die ideale Position gefunden hat Gross für Costanzo. Gegen GC besetzte der Ostschweizer die linke Mittelfeldseite – und drückte von dort immer wieder ins Zentrum hinein. Prompt taten sich auf der linken Seite immer wieder Löcher auf, auch weil der Spycher-Ersatz Lecjaks ein Offensivverteidiger ist.

Keine Bonuspunkte zu sammeln vermochte Martínez, der Bobadilla unterstützen sollte. Der junge Venezolaner spielte wirr und unglücklich. Nicht viel gelang auch seinem Ersatzmann Simpson, der sich mit einer Sprunggelenkverletzung herumplagt. (Der Bund)

Erstellt: 16.04.2012, 06:43 Uhr

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