Der schlechte Spass mit Fuentes und die Selbstjustiz der Leichtathleten
Von Ronald Reng, Barcelona. Aktualisiert am 17.03.2011 2 Kommentare
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Im Stadion des FC Universidad Las Palmas lautet die Frage: Sind mehr Bäume oder mehr Zuschauer da? Die Bäume stehen dicht gedrängt auf drei Seiten, für die Besucher gibt es nur eine Tribüne. Am Sonntag beim 1:0-Sieg über Cacereño in der dritten spanischen Liga war sie überdurchschnittlich gut besucht. 150 Zuschauer waren gekommen. Aber wollten die Scharen überhaupt Fussball oder nur den Doktor sehen?
Vor einer Woche stellte der FC Universidad Eufemiano Fuentes als Teamarzt an. Das war dann doch eine etwas unerwartete Reaktion auf die spektakuläre Razzia «Operation Windhund», die den Arzt im Dezember als Kopf eines Dopingrings blossstellte. Fuentes solle «die Fitness und Ernährung» des Teams verbessern, liess der Drittligist verlauten. In der roten Trainingsjacke, die das Trainerteam ausweist, dirigiert Fuentes nun das Aufwärmprogramm, er selbst war einmal Hürdenläufer.
Drei Monate sind vergangen, seit die «Operation Windhund» eine ganze Dopingkette aushob, vom Arzt über Medikamentendealer und Trainer bis hin zu Spaniens populärster Leichtathletin, Steeple-Weltmeisterin Marta Domínguez. Spanien, das das Thema Doping bis dahin zu ignorieren versucht hatte, erwachte in einer neuen Realität. Drei Monate danach sucht der spanische Sport noch immer die Orientierung.
Zapatero verteidigt Contador
In der Leichtathletik gehen Freunde von eben nun unversöhnlich als Doper und Nichtdoper aufeinander los. Ministerpräsident José Luis Zapatero verpasst die neue Zeit und verteidigt im Geist der Ewiggestrigen aus purem Populismus den dopingverdächtigen Tour-de-France-Sieger Alberto Contador. Fuentes’ Dopingdealer begeht Selbstmord, und ein Fussballdrittligist erlaubt sich den Spass, Doktor Doping anzustellen. Wenn nichts mehr ist, wie es einmal war, reichen drei Monate nicht, um Klarheit zu finden, sondern nur, um den Aufruhr zu multiplizieren.
In einem ungeschminkten Betonklotz, Gerichtshof Nummer 24 von Madrid, versuchte Mercedes Pérez Barrios als Erste, die Wahrheit zu ordnen. Die Untersuchungsrichterin verhörte die 14 Verdächtigen und etliche Zeugen. «Es ist noch eine halbe Flasche Rum da», hatte Weltmeisterin Marta Domínguez dem früheren 5000-Meter-Europameister Alberto García einmal in einer SMS geschrieben. Eine ungewöhnliche Ernährung für Leistungssportler, fand die Richterin. Ihr Manager habe den Rum aus Venezuela als Geschenk mitgebracht, behauptete Domínguez. Die Polizei kam zu einem anderen Schluss. Wörter wie Rum oder Ohrringe seien Codewörter für Dopingsubstanzen. Die Untersuchungsrichterin gab der Anklage statt. Wann der Prozess gegen den Fuentes-Ring beginnt, steht noch nicht fest.
Die Ächtung der Kollegen
Dabei wird nach dem spanischen Gesetz nur der Handel und die Verabreichung von Dopingsubstanzen verfolgt. Um die Frage, welche Sportler gedopt haben, geht es in dem Verfahren also nicht. Doch diese Aufklärung hat die Leichtathletikszene in einer Art Selbstjustiz längst selbst übernommen. Die Stille der Geächteten umgibt die Europameisterin im 1500-Meter-Lauf, Nuria Fernández. Die Kollegen sprechen nicht mehr mit ihr. Die Polizei vermutet Fernández hinter dem Codenamen B15 in Fuentes’ Dopingplänen. Der Geher Miguel Ángel López weigerte sich vor zehn Tagen nach seinem dritten Platz bei der spanischen Meisterschaft, aufs Siegerpodest zu steigen. Er wollte es nicht mit dem überführten Doper Paquillo Fernández teilen. Die «Operation Windhund» hat in der spanischen Leichtathletik einen unerhörten Zorn freigesetzt. Als ob viele redliche Athleten schon lange auf den Tag der Abrechnung gewartet hätten. «Null Toleranz», ruft der 800-Meter-Läufer Luis Alberto Marco, «mit diesen Leuten, die unseren Sport berauben und beschmutzen. Sie ekeln mich an.»
In diesem vergifteten Klima ist die Nachricht, dass der FC Universidad Las Palmas Doktor Doping verpflichtet hat, fast schon eine heitere Nachricht. Der Gründer des Vereins, Francisco Gómez, ein Richter, ist ein Freund von Fuentes, und offenbar hatte er grosse Lust, mit der Anstellung des verschrienen Arztes der ganzen Welt einmal den Mittelfinger direkt vor die Nase zu halten. Dass Fuentes die Fussballer dopt, ist eher unwahrscheinlich. Eine nachhaltige Dopingkur für ein gesamtes Team kostet gut und gerne 80'000 Euro, und der FC Universidad, Verein von 150 Fans und einem exzentrischen Gründer, konnte seinen Fussballern noch nicht einmal die letzten zwei Monatsgehälter zahlen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.03.2011, 10:40 Uhr
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2 Kommentare
ja, und ich bin sicher dass sich auch Schachspieler, Kleinkaliberpistolenschützen auf die Kurzdistanz, Bowling Spieler, Base-Jumper, Bandy Spieler, Polo Reiter (od. deren Pferde) und sogar die Teilnehmer der World Bog Snorkelling Championships dopen. Da wo ein Wettkampf stattfindet, versucht man zu gewinnen und dass nicht immer mit fairen Mittel. Ist wohl ein Massenphänomen. Eine Schande.... Antworten
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