Die Wende von Wendschatz
Markus Heimlicher, Gewinner
Markus Heimlicher, Jahrgang 1953, nennt sich selber einen «Generalisten mit ausgeprägter Neigung zu Anfangssituationen». Er attestiert sich ohne falsche Bescheidenheit die «Fähigkeit, mit asiatisch geprüfter Geduld und lateralem Denken aus dem Nichts etwas anzufangen». Heimlicher absolvierte eine Lehre als Werkzeugmacher und bildete sich später zum HTL-Ingenieur mit Schwerpunkt Hydromechanik aus. Er war unter anderem Organisator der 1. Tour de Sol 1985, entwarf und baute ein Erdhaus auf Kreta und entwickelte ein Trockenklo-System. Seit 2003 ist er auch schriftstellerisch tätig, schrieb Erzählungen und den Roman «Vorias». Er ist heute Geschäftsleiter des Büro n+1 in Bern (www.nplus1.ch). Am Sonntag, 21. Februar (10 Uhr), findet im Quartiertreff Punto im Burgernziel Bern ein Kulturapéro mit Markus Heimlicher statt. (klb)
«Wendschatz», hatte es im politischen Ausschuss des Verwaltungsrates ge-heissen, «Wendschatz, wir zählen auf Sie. Und werden Sie nach Kräften un-terstützen. Keine Erfahrung? Kommen Sie uns nicht damit . . . Als Regeltechniker werden Sie bald merken, wie der Hase läuft. Die Abstimmungen sind wichtig. Die Kommissionen. Und unsere Leute in den Wandelhallen. Alle Räte werden gebrieft – mit bewährten Methoden.» Der CEO hatte die Hand gehoben, den Kopf zur Seite gedreht und auf sein Ohr gedeutet. Ein unauffälliger Ohrhörer war zu erkennen.
Dann waren sie noch in die Schultheissen-Bar hinübergegangen, hatten Cuba libre getrunken, vier oder fünf, so ganz genau wusste er das nicht mehr. Und beim Abschied hatte der CEO noch mit ihm Duzis gemacht.
«Falls es so weit kommt, lasse ich mir die Schweiz auf den Hintern tätowie-ren», hatte Wendschatz im Schwips zum obersten Chef gesagt. «Das kriegen wir hin», hatte der andere gelacht. Hatte in der Brieftasche eine Karte ausgewählt und sie ihm zugesteckt. «Prophylaktisch», wie er meinte.
Es war spät geworden. Wendschatz schlug einen sicheren Schritt an und ging am Nachtportier vorbei durch die Drehtür in die Herbstnacht hinaus. Dann zog er die Karte hervor und las: Cornel Buntschu, Fraktionstätowierer.
Eid oder Gelübde?
Auf einmal geht alles sehr schnell. Erste Lobbypost von Pharmaindustrie und Bankiervereinigung, adressiert an «NR Peter Wendschatz» findet sich schon nach zwei Tagen im Briefkasten. Später treffen Formulare für die Wahlannahmeerklärung und das Interessenbindungsregister sowie Fototermine für die Zutrittskarte zum Bundeshaus ein.
Dann kommt der grosse Tag, ein Montag.
Um 14.30 läutet die Präsidentin die Session ein. Der Nachruf auf seinen Vorgänger, gefolgt von mehrsprachigem Schweigen. Dann ist Wendschatz an der Reihe. Ein rot-weisser Weibel holt ihn nach vorn. Eid oder Gelübde? Eid, entscheidet er, der Einfachheit halber.
Am Dienstagnachmittag wird er in der Fraktion begrüsst. Danach beraten die Mitglieder über die Parolen bevorstehender Abstimmungen. In der Pause kämpft Wendschatz sich zum Fraktionspräsidenten durch, stammelt Entschuldigungen. Sein Kreuz muss behandelt werden, der Termin war nicht zu verschieben. «Bei uns haben es viele mit dem Kreuz», spasst ein Ratskollege.
«Solls ein Arschgeweih sein?»
Wendschatz verlässt das Fraktionszimmer, schleicht sich neben den drei Eidgenossen vorbei aus dem Bundeshaus. Geht mit weichen Knien den Bundesrain hinab, der Marzilistrasse entlang bis zum Gaswerk. Weiter hinten, auf dem Areal des einstmaligen Freistaats Zaffaraya erkennt er den roten Wohnwagen.
Ein Mann sitzt in der Frühlingssonne an einem Tisch, zeichnet. «Herr Buntschu?» – «Richtig. Und du, bist du der Neue?» Wendschatz stellt sich vor. «Aber wieso wohnen Sie . . .?» – «Nur während der Session. Sonst bin ich in Brüssel. Dort gibt es immer Arbeit.» Der Politiker zögert, doch der andere meint: «Keine Angst, Diskretion ist Ehrensache, oberstes Gebot. Oder zweitoberstes, gleich nach der Sauberkeit. Ich rede von meinem Beruf, nicht von deiner Politik. Setz dich.»
Cornel schlägt das Musterbuch auf. «Was solls denn sein – ein Arschgeweih?» Er zieht ein Blatt und den roten Stift hervor, wartet. Der andere schiebt einen Zeitungsausschnitt hinüber. Die Schweiz, aha. Darauf sind andere auch gekommen, denkt Cornel. Die ganze Welt auf einem Frauenpo. Federspiel. Dann meint er kulant: «Die Schweiz also. Kein Problem. Wird gemacht. Aber eins musst du wissen: Wir sind hier nicht beim Friseur. Man kann deine Schweiz nicht rückgängig machen. Was tätowiert ist, ist tätowiert.»
Fest entschlossen, nicht bei jeder Gelegenheit die Hosen herunterzulassen, visiert Wendschatz die Einverständniserklärung. Die organisatorischen Details. «Pro Tag ein Kanton – das wird zu schmerzhaft. Besser pro Session einen oder zwei. Wir starten mit Bern und dem Jura. Das gibt schon einiges zu tun.» Im roten Wagen hängen alte Skizzen. Vergilbte Fotografien. «Setz dich auf den Stuhl.» – «Da drauf?» – «Ja, rittlings. Arme nach vorne, Kopf in die Raste – so.»
Alles sehr ungewohnt: das Ultraschallbad für die Instrumente. Das zischende Geräusch beim Öffnen des Autoklaven. Die Farbnäpfchen. Cornel prüft die Haut, zieht besorgt die Brauen hoch. Ein toller Hintern, denkt er, aber zu dünne Haut für einen Politiker. Doch er hält sich zurück.
Grossflächig wird das Kreuz rasiert und die Vorlage übertragen. «Du solltest dich anders ernähren. Dieser Pickel bei Mühleberg muss erst abklingen. Und diese Narbe auf dem Rückgrat – das wird schwierig, da liegt die Grenze zwischen Bern und dem Jura.»
Jetzt greift er nach dem Spender. Reibt sich Hände und Unterarme mit Desinfektionsmittel ein. Streift die Latexhandschuhe über. Öffnet einen verschweissten Plastikbeutel. Zieht den Tätowierapparat hervor, der mit seinen elektrischen Spulen aussieht wie eine Handnähmaschine. Trägt Gleitmittel auf. «Alles o.k.?» In Erwartung von noch Unangenehmerem hebt Wendschatz leidend die Hand, erschrickt, als der Apparat zu surren beginnt. Konzentriert arbeitet der Tätowierer an den Konturen, fast eine Dreiviertelstunde. «So, das wärs. Ausgemalt wird im Sommer.»
Cornel deckt die Haut ab. Zieht die Handschuhe aus, nimmt sein Honorar entgegen. Notiert den nächsten Termin auf eine Karte und gibt noch eine Salbe mit auf den Weg. «Zum Abkühlen», meint er. «Die dritte Nacht ist die schlimmste. Und kratz auf keinen Fall am Schorf, sonst wird die Linie verwischt.» Wendschatz streckt seine Hand aus, die der andere aus hygienischen Gründen übersieht. Dann macht er sich auf den Rückweg. Ins «Bellevue», zum Einstandsapéro.
«Du bist verspannt, Peter»
Es ist Sommer. Neben aufgestapelten Eisenbahnschienen stellt W. seinen Wagen ab. Nähert sich hinkend dem stillgelegten Provinzbahnhof, der jetzt als Wellnessinstitut dient. Pastellfarbene Vorhänge. Der Kasten einer Klimaanlage. Auf dem Dach die viel zu grosse Luftschutzsirene. Er klopft an, tritt ein, zögernd. Blumen auf einem alten Holztrog. Zwei passende Stühle. «Jeanine, bist du da?» – «Schön, dich wieder mal zu sehen, Peter – ich meine: Herr Nationalrat», antwortet eine dunkle Frauenstimme. «Nachgerutscht, aber immerhin. Dein Vorgänger hatte einen Aortariss, nicht wahr?» – «Gleich nach seiner Wiederwahl», entgegnet der Politiker.
Im Stellwerk steht die Liege. Er zieht sich aus, legt sich hin. «Lang ists her seit dem letzen Mal. Was haben wir denn da?», staunt Jeanine. «Lässt sich mein Jugendfreund im fortgeschrittenen Alter noch ein Tattoo stechen?» Wendschatz grunzt verlegen. «Aber das sieht doch aus wie . . .» – «So ist es», bestätigt er. «Sehr passend für einen Nationalrat», findet sie, «dieses Kreuz mit der Schweiz. Und das Welschland? Und das Tessin?» – «Später.» – «Und die Beulen?» – «Ich wurde gefoult.» – «Im Rat?» – «Im Fussball. Mit den Parlamentariern, aber deftig.»
Sie beginnt. Ächzend lässt er die Massage über sich ergehen. «Du bist verspannt, mehr als damals. Schlechte Energie, die muss weg.» Sie schüttelt Unsichtbares von ihren Händen.
«In Bern läuft alles falsch»
«Hast du Visionen? Politisch, meine ich.» – «Die werden kommen. Sobald ich richtig drin bin.» Das sagt er allen, die es hören wollen. Doch je länger er im Rat sitzt, desto weniger versteht er, wie alles läuft. Oder vielmehr: dass es überhaupt noch läuft. Das hat er aber noch nie zugegeben. Sie arbeitet weiter. Er geniesst diese kräftigen Hände, erinnert sich. Ohne Ankündigung rast ein Schnellzug vorbei, bringt die Scheiben zum Zittern, verscheucht die süssen Gedanken an früher.
Nach einer halben Stunde geht es Wendschatz besser. Er möchte reden, das Sprechen fällt auf einmal leicht. «In Bern läuft alles falsch», beginnt er. «Wieso? Ihr könnt doch abstimmen.» Er zeigt ihr den Ohrhörer: «Wir stimmen so, wie man es uns einbläst. Wer es nicht tut, ist geliefert, kriegt keine Infos, muss die Reden selbst verfassen, blamiert sich, wird gemobbt.
«Als Topmanager getarnt, durchziehen Horden von Kriminellen das Land. Brandschatzen. Saugen es aus. Und wir sehen zu. Doch keiner will sich blamieren. Keiner der Erste sein, der es hinausschreit. Weil er sonst geliefert ist. Wie ein Moloch folgt unser Alltag niedrigsten Regeln. Dieses Land ist nicht mehr regierbar, Jeanine, nicht mehr regierbar.» – «Und deine Visionen?» – «Ich habe nur noch Albträume.» – «Verlier bloss nicht den Verstand», meint sie leise.
«Alles läuft falsch»
Herbst. Cornel Buntschu ist bei Chiasso angekommen. Stolz tupft er überschüssiges, mit Blau vermischtes Blut von den Seen. Dann richtet er sich auf. «So, das hätten wir. In zwei Wochen kommst du noch mal. Dann machen wir den Finish. Und wenn du erlaubst, auch noch eine Pola für meine Dokumentation.»
Cornel richtet den Spiegel. «Zufrieden?» – «Mit dem eigenen Kreuz schon . . .» – «Aber?» Wendschatz windet sich aus dem Stuhl, zeigt zu den drei Kuppeln hinauf. «Buntschu, die Politik wächst mir über den Kopf. Alles läuft falsch. Mit dem Klima. Mit der Luft, dem Wasser und dem Boden. Mit der Energie, mit dem Personen-, Güter und Datenverkehr und mit den Medien. Von Banken, Versicherungen und der Post ganz zu schweigen.» Er ist in Fahrt gekommen. Nach einer Viertelstunde verstummt er.
Cornel hat geduldig zugehört, doch er sieht das anders: «Ich nehme das Leben, wie es kommt. Im Moment, wo die Nadel zusticht, bin ich glücklich», sagt er ruhig. Wendschatz wird pragmatisch: «Buntschu, wenn Sie mir die Schweiz so tätowieren müssten, wie sie wirklich ist, dann . . .» Er zögert. Cornels Gesicht verzieht sich: «Dann wäre dein Arsch zum Kotzen.» Er hat verstanden.
Wendschatz zieht sich an, bezahlt, legt noch einen Schein obendrauf, will gehen, doch Buntschu packt die Gelegenheit beim Schopf: «Ich kann jetzt auch chippen. Das dauert keine zehn Minuten. In Brüssel ist es der grosse Renner. Für höhere Beamte ist der Chip schon vorgeschrieben. Keine Verwechslungen, vereinfachter Security Check – jederzeit kannst du überprüfen, wo und wer du bist. Puls, Temperatur, IQ, Lohnklasse, einfach alles. Und die neuesten Modelle brauchen auch keinen Ohrhörer mehr, du hörst alles von innen.» Wendschatz wehrt ab: Für den Moment reicht das Tattoo. Er tritt ins Freie.
«Notstopp drücken!»
Ein Jahr später. «Peter, was ist? Du siehst gehetzt aus.» – «Bin ich auch. Jeanine, ich kann nicht mehr.» Er lässt sich auf einen Stuhl sinken.
Wendschatz erzählt, was in der Zwischenzeit geschehen ist: «Tage- und nächtelang. Hinter dem Bildschirm. Unmengen von statistischen Daten habe ich durchgeackert. Die ganze Schweiz reingepackt und analysiert. Mit autokorrelativen Methoden, mit Gruppen- und Chaostheorie und neuesten Simulationsprogrammen, was im Job ja mein tägliches Brot ist. Mit Rechenzeit von der ETH.» – «Und dann?», will Jeanine wissen. – «Und dann habe ich mit dem Quentchen Verstand, das übrig geblieben ist, die Resultate interpretiert.» Er schluchzt verzweifelt.
«Da gibts nur eins, Peter. Du musst runterfahren. Dein Hirn muss wieder mal gründlich gewaschen werden. Es gibt da eine ganz neue Methode. Hocheffizient. Bist du dabei?» Wendschatz nickt ergeben, sinkt auf die Liege.
Sie zieht an der Antenne, bis das kleine Gerät aus dem Ohr schnalzt. Wirft es in den Eimer. Dann kriegt er einen Kopfhörer. Vernimmt eine Art Musik, der Stille zwischen zwei Zügen nicht unähnlich. Er beruhigt sich. Kann loslassen. Nach einiger Zeit beginnt Jeanine, auf rhythmische Art seine Füsse zu massieren. Wendschatz schnauft, schwitzt, schluchzt und stöhnt, Sekrete treten aus allen Körperöffnungen, er hustet, furzt und schleimt. Der leere Magen dreht sich um – erfolglos.
Sein Kreuz beginnt zu glühen, wird zum Zeichen der Inquisition, zum Da-vidstern, zur Swastika, zum Galgen, zum Halbmond. Eine heisere Stimme schnarrt aus den Lautsprechern vom Dach: «Erosion . . . Hochwasser. . . Pandemie . . . Kernschmelze . . . Erdbeben . . . Klimakollaps . . . Meteoriteneinschlag . . . Erdachsenverschiebung . . .»
Sein Becken beginnt zu pulsieren. Ein glühendes Etwas steigt auf. Frisst sich durch die Wirbelsäule empor in den Kopf. Wendschatz sieht nur noch Sterne, das Kreuz des Südens löst ab, stürzt in einen Spiralnebel und evakuiert schliesslich in grellem Schwarz.
«Wieso du in den letzten beiden Sessionen weder an Abstimmungen noch an Verhandlungen teilgenommen hast, würde den Ausschuss morgen sehr interessieren», beginnt der CEO. «Ich hatte Wichtigeres zu tun», erwidert Wendschatz. «Ich habe stattdessen unser politisches System analysiert, nachgebaut und mit allen verfügbaren Daten gefüttert.»
Seit der Behandlung bei Jeanine ist er von einer unbeschreiblichen Sicherheit durchströmt. Wie Phönix aus der Asche steht er auf, dreht den Laptop um und schiebt seinen Sessel neben jenen des Chefs. Der andere macht grosse Augen, als Wendschatz seine Ergebnisse vorstellt.
Am Schluss, schweissgebadet, schnauft der CEO: «Was sind deine Schlussfolgerungen?» – «Ganz einfach», meint Wendschatz, «wäre die Schweiz eine Maschine, könnte sie die nächsten zehn Jahre nicht überleben. Bei den vorliegenden Symptomen müsste ich als Ingenieur den Notstopp drücken!»
«Sehen Sie Lösungsansätze?»
Am nächsten Tag steht Wendschatz vor dem Ausschuss. «Und was sind die Schlussfolgerungen für Sie als Politiker, Herr Wendschatz?», fragt der CEO. Wendschatz stellt den Beamer ab: «Meine Damen und Herren, unser heutiges Demokratieverständnis ist aus der Sicht eines Regeltechnikers unbrauchbar. Wenn Sie alle Parameter in mein Schweizer Modell eingeben, so beginnt, wie ich zeigen konnte, das System sich selbst zu zerstören. Und dies mit zunehmender Geschwindigkeit!»
«Sehen Sie Lösungsansätze, Wendschatz?
Er räuspert sich. «Souverän kann nur sein, wer kompetent ist, und zwar: fachkompetent, sozialkompetent, eigenkompetent. Ich sehe ein Modell, das Bürgerinnen und Bürger nur bei hinreichendem Vorhandensein dieser drei Eigenschaften als souverän erklärt. Vergleichbar mit den Neuzuzügern, die in Gemeindeangelegenheiten nicht abstimmen dürfen. Bei schwierigen Vorlagen darf zudem nur mitreden, wer ein überdurchschnittliches Mass an mindestens zwei dieser Kompetenzen hat. Das verhindert, dass kurzfristige Vorteile jahrelang mit langfristigen Nachteilen erkauft werden. Nur so kann erreicht werden, dass die Entwicklung nicht aus dem Ruder läuft. Die andere Möglichkeit heisst Diktatur und Polizeistaat, welcher Couleur auch immer.»
Stille. Nachdenken. «Das tönt interessant, Wendschatz. Aber solche Änderungen brauchen Zeit. Wir aber stehen vor Neuwahlen. Wie wollen sie Stimmen gewinnen? Geld allein reicht nicht.» – «Durch Vorstösse. Durch einfache Fragestellungen. Je komplexer heute eine Vorlage ist, desto mehr nähert sich das Ergebnis dem Wert von 50:50. Ein statistischer Wert, der bloss bedeutet, dass niemand versteht, worum es geht. Vorstösse zum Beispiel in Hinblick auf die Trennung von Medien und Staat. Oder die Forderung, dass kein Schweizer dazu gezwungen werden kann, jederzeit erreichbar zu sein. Oder die Anpassung der Energiepreise an diejenigen der menschlichen Arbeitskraft. Den Umbau von Kasernen zu Instituten für Erwachsenenbildung.»
«Hirnwaschen für Gruppen»
In diesem Augenblick beginnt es, in der Jacke von Wendschatz zu vibrieren. Ein SMS. Zum Glück hat es sonst niemand bemerkt. «Und vielleicht noch Spielgruppen für Erwachsene?», fragt ein vorwitziges Ausschussmitglied. «Das wäre zu prüfen», entgegnet Wendschatz, «dann machen sie nichts Düm-meres. Bestimmt aber eine faire und gleichmässige Verteilung der staatlichen Mittel für Lehre und Forschung vom Kindergarten bis zur Hochschule.» – «Sie denken an Ökotopia?», fragt der CEO. – «Es wird so weit kommen, ganz von selbst. Fragt sich nur, auf welchem Level. Ob mit oder ohne die Menschheit. Den Heuschrecken wird das dereinst egal sein.»
Lange Gesichter. Der Ausschuss zieht sich zur weiteren Beratung ins Büro des CEO zurück. Wendschatz schickt sich an, zusammenzupacken. Doch dann greift er in die Tasche. Ein SMS von Jeanine. Es lautet: «Peter, du fehlst mir. Auch wenn du jetzt ein Arschgeweih hast – ich mag dich immer noch.
P.S.: Hirnwaschen biete ich jetzt auch für Gruppen an. Sag mir Bescheid, wenn es in der Fraktion so weit ist.» (Der Bund)
Erstellt: 17.02.2010, 15:25 Uhr







