Schweizer rüsten mit Waffen auf

2016 haben viel mehr Schweizer einen Waffenerwerbsschein beantragt als im Vorjahr – auch Frauen. Die Gründe.

Angst vor Terroranschlägen und Meldungen über Einbrüche: Die Hauptgründe für einen Waffenkauf.

Angst vor Terroranschlägen und Meldungen über Einbrüche: Die Hauptgründe für einen Waffenkauf. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Mehrere Kantone verzeichneten 2016 eine starke Zunahme von Gesuchen für einen Waffenerwerbsschein. Dies zeigt eine Umfrage der «Rundschau». In allen Kantonen, die bereits Zahlen publizierten, sind deutlich mehr Gesuche eingegangen.

In Glarus, Solothurn und im Thurgau wurden 30 Prozent mehr Waffenerwerbsscheine beantragt – und fast alle bewilligt. Im Aargau gab es eine Steigerung von fast 30 Prozent auf 5117 Bewilligungen für Waffenerwerbsscheine. Und auch in Zug nahmen die Gesuche um knapp 8 Prozent auf 451 zu.

Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits 2015 festzustellen war: Schon damals registrierten die Kantone eine markante Zunahme von rund 20 Prozent. Der Kanton Zug zum Beispiel machte einen Sprung von 316 auf 419 Waffenerwerbsscheine, was einem Plus von 32 Prozent entsprach.

«Viele Menschen sind durch Terroranschläge und Meldungen über Einbrüche verunsichert. Sie wollen sich im Notfall selbst verteidigen können.»Ein Waffenhändler

Für die erneute Zunahme gibt es unterschiedliche Gründe. Hauptmotiv ist die Waffe zum Selbstschutz. «Viele Menschen sind durch Terroranschläge und Meldungen über Einbrüche verunsichert und wollen sich im Notfall selbst verteidigen können», erzählte ein Händler an der Waffenmesse Lausanne der «Rundschau» Anfang Dezember.

Neben der Unsicherheit spielt auch die mögliche Verschärfung des Waffengesetzes in der EU eine wichtige Rolle. Diese sieht sich seit den Anschlägen von Paris zum Handeln genötigt. Bald sollen nur noch Mitglieder von Schützenvereinen eine Waffe besitzen dürfen. Der definitive Beschluss ist noch nicht gefasst. Da die Schweiz Schengen-Mitglied ist, müsste sie ihre Gesetze aber anpassen und ebenfalls verschärfen.

Waffenbesitzer zeigten sich gegenüber der «Rundschau» besorgt. «Wer weiss, wie lange man in der Schweiz noch legal eine Waffe kaufen und besitzen kann», sagte Hobbyschütze Beat Schaffner. Für Anwalt Roger Groner macht es keinen Sinn, in der momentanen Situation den Waffenbesitz einzuschränken: «Wir leben in einer Welt, die immer unsicherer wird, mit Flüchtlingsströmen und Einbrecherbanden.» Er würde seine Waffe jederzeit benutzen, falls er in seinem Haus von Einbrechern überrascht werden würde.

«Vermehrt kaufen auch Frauen Pistolen.»Ein Waffenhändler

Der Trend zum Waffenkauf für die Selbstverteidigung stellt auch Waffenhändler Jean-Paul Schild fest: «Vermehrt kaufen auch Frauen Pistolen, weil sie sich unsicher fühlen». Die Polizei hingegen rät dringend vor dem Selbstschutz mit einer persönlichen Waffe ab. Wer sich bedroht fühle, der solle die Polizei anrufen, sagte Stéphane Audétat, Waffenverantwortlicher der Kantonspolizei Neuenburg. (wig.)

Erstellt: 04.01.2017, 09:09 Uhr

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