Schweiz

Zürich kämpft mit der Ost- und Zentralschweiz für mehr Bahn

Von David Schaffner. Aktualisiert am 28.03.2012 15 Kommentare

Hinter den Kulissen haben sich 14 Kantone zusammengetan, um gegen den Willen des Bundesrates die Eisenbahn-Infrastruktur um Zürich massiv auszubauen.

Wo das Bahnnetzt ausgebaut werden soll.

Wo das Bahnnetzt ausgebaut werden soll.
Bild: TA-Grafik str / Quelle: VöV

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Berät das Parlament über den Ausbau des Bahnnetzes, kommt es oft zu Streit zwischen den Regionen. Die Wünsche der einzelnen Kantone übersteigen das finanziell Machbare meistens bei weitem. Wer im Parlament geschickt lobbyiert und Pakete mit befreundeten Kantonen schnürt, kann für den eigenen Stand am meisten herausholen.

Im Vorfeld der Beratungen des ersten Ausbauschrittes bei der neuen Bahnfinanzierung (Fabi) liegen die Meinungen besonders weit auseinander, wie die vorberatende Verkehrskommission (KVF) des Ständerates gestern mitteilte. Sie konnte daher in einer ersten Sitzung noch keine Entscheidungen treffen und hat beschlossen, im Mai breite Anhörungen durchzuführen, «um die Wünsche und Anliegen der einzelnen Regionen im Detail kennen zu lernen». Mit besonders vehementen Forderungen werden dabei die Vertreter von Zürich sowie der Ost- und der Innerschweiz auftreten.

«Mit geballter Kraft kämpfen»

Die regionalen Konferenzen des öffentlichen Verkehrs (KÖV) dieser drei Gebiete haben sich hinter den Kulissen bereits zusammengetan: «Wir wollen mit geballter Kraft für unsere wichtigsten Anliegen kämpfen», sagt der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel, der die Zentralschweizer KÖV präsidiert. Hinter den drei Konferenzen stehen Zürich, Luzern, Schwyz, Zug, Uri, Ob- und Nidwalden, St. Gallen, Thurgau, Graubünden, Schaffhausen, Glarus, Inner- und Ausserrhoden.

Der frühe Zusammenschluss der drei KÖV hat praktische Gründe: Im Vorschlag des Bundesrates für den ersten Fabi-Ausbauschritt über 3,5 Millionen Franken bis ins Jahr 2025 fühlen sich die drei Regionen vernachlässigt (siehe Grafik). Ebenso beim Vorschlag des Verbandes öffentlicher Verkehr (VÖV), der sich für einen ersten Ausbau über 6 Milliarden starkmacht und damit bei vielen Kantonen und Parlamentariern auf offene Ohren stösst (TA vom 27. 1.). «Die Ost- und Zentralschweiz sowie Zürich werden im ersten Ausbauschritt bisher nur sehr bescheiden berücksichtigt», kritisiert der St. Galler Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth, Präsident der KÖV Ostschweiz. «Deshalb haben die betroffenen Kantone beschlossen, frühzeitig eine gemeinsame Strategie festzulegen.»

Verzicht auf Anliegen

Konkret machen sich die drei KÖV dafür stark, «den Zimmerberg-Basistunnel und den Brüttenertunnel im ersten Ausbauschritt zu berücksichtigen», wie Michel sagt. Weder der Bundesrat noch der VÖV haben diese Projekte favorisiert. Sie umfassen Investitionen von mindestens 2,6 Milliarden und sollten laut Michel realisiert werden, ob der Bund nun 3,5 oder 6 Milliarden investieren werde. Damit beanspruchen die drei KÖV allenfalls den grössten Teil des Geldes für ihre Anliegen. Gerechtfertigt sei dies, da die beiden Tunnel eine Verflüssigung auf dem gesamten Schienennetz brächten.

Die gemeinsame Strategie hat für die Zentral- und Ostschweiz einen hohen Preis: Ihre KÖV müssen auf andere Forderungen verzichten. «Wir wollen uns nicht auseinanderdividieren lassen», erklärt Michel. «Deshalb sind wir bereit, auf Anliegen wie den Neubau des Axentunnels oder die Realisierung eines Tiefbahnhofes in Luzern vorerst zu verzichten.» Die Ostschweiz muss die Idee der sogenannten Y-Bahn teilweise nach hinten verschieben, welche die beiden St. Galler Ständeräte Karin Keller-Sutter und Paul Rechsteiner propagierten: «Die Y-Bahn ist bisher vor allem eine Vision, die wir noch konkreter fassbar machen müssen», sagt Würth. Von den drei Y-Bahn-Achsen St. Gallen–Zürich, Konstanz–Romanshorn und Chur–Buchs sei die erste und wichtigste in der gemeinsamen Strategie aber berücksichtigt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.03.2012, 20:10 Uhr

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15 Kommentare

Markus Grimm

28.03.2012, 13:17 Uhr
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Vetterliwirtschaft komplett!! einer der meistbefahrenen + RENTABELSTEN SBB Strecken wie Zürich - Luzern ist in vielen Stellen EINspurig und fährt auf 100-jährigem Trassee; dies wenn z.B. selbst die Bergbahn Matterhorn-Gotthard auf Doppelspur ausbaut ! Kurzum - die Kapitalallokation ist nicht betriebswirtschaftlicher sonder politischer Natur, was mit MISSWIRTSCHAFT gleichzusetzen ist ! Antworten


Roland Bieri

28.03.2012, 12:53 Uhr
Melden 29 Empfehlung 0

Noch mehr Milliarden für Zürich? Und wann dürfen wir Romands endlich ins 21. Bahnjahrhundert gelangen? Der Ausbau zwischen Genf und Lausanne (2. Und 4. Größte CH Städte, dynamischste Wirtschaftsregion der Schweiz, grösstes Bevölkerungswachstum) lässt weiter auf sich warten! Kein Wunder wenn sich 14 deutsch-CH Kantone zusammenschliessen, die Romandie zählt ja max. 7 Antworten



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