Schweiz

Zivilschutz lässt Uniformen in indischen Slums herstellen

Aktualisiert am 09.09.2012 131 Kommentare

23 Rappen pro Stunde: So viel beträgt manchmal der Lohn von Arbeitern in Mumbai, die Zivilschutzkleider herstellen. Auch andere Schweizer Behörden bestellen laut einem Bericht beim selben Textillieferanten.

Eine Testserie von rund 1000 Stück soll in dieser Näherei produziert worden sein: Ausriss aus dem Bericht der «SonntagsZeitung». (9. September 2012)

Eine Testserie von rund 1000 Stück soll in dieser Näherei produziert worden sein: Ausriss aus dem Bericht der «SonntagsZeitung». (9. September 2012)

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Für die Produktion von Schweizer Zivilschutzkleidern wurde ein Betrieb in den Slums des indischen Mumbai engagiert, der illegal tiefe Löhne bezahlt. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, wurden 1000 Uniformteile von Angestellten genäht, die in schlechten Monaten pro Stunde 23 Rappen verdienen. Auch die Produktion von 40'000 Zivilschutz-Arbeitshosen und -jacken war laut lokalen Quellen hier vorgesehen.

Anton Melliger, Chef des Zürcher Amts für Militär und Zivilschutz, bestätigt, dass es sich bei der von der «SonntagsZeitung» vor Ort dokumentierten Hose um ein Stück aus der laufenden Produktion handelt. Bestellt wurden die Kleider vom Zivilschutz-Materialforum, einem Zusammenschluss aller Zivilschutz-Organisationen der Kantone. Die indische Firma Qualiance International, die den Zuschlag für die Beschaffung bekam, habe den Zulieferer im Slum beauftragt, berichtet die «SonntagsZeitung» unter Berufung auf Informanten.

Wichtiger Lieferant öffentlicher Dienste

Qualiance ist ein wichtiger Textillieferant der Schweizer Verwaltung. Armee und Zivilschutz bestellten bei der Firma für 3,56 Millionen Franken. Auch die SBB gehören zu den Kunden. Jetzt verlangt die Armasuisse, die Beschaffungsorganisation der Armee, Auskunft über alle Subunternehmer. Es sei ein ethisches Problem, wenn ein Geschäftspartner unter unhaltbaren Bedingungen produzieren lasse, auch wenn von der Armasuisse eingekaufte Ware «nach heutigem Stand davon nicht betroffen ist», sagte Armasuisse-Vizedirektor Thomas Knecht der «SonntagsZeitung».

Die für die Zivilschutzbeschaffung zuständige Zürcher Sicherheitsdirektion liess gegenüber der «SonntagsZeitung» verlauten, ihr sei es «ein ausgesprochenes Anliegen», dass vertraglich abgemachte Sozialstandards eingehalten würden.

Weiter heisst es im Bericht, die Firma Qualiance habe inzwischen die Zusammenarbeit mit der Näherei im Slum von Mumbai beendet – was für die Betroffenen nun Arbeitslosigkeit bedeuten könnte. (mw)

Erstellt: 09.09.2012, 11:30 Uhr

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131 Kommentare

John Meier

09.09.2012, 11:48 Uhr
Melden 158 Empfehlung 0

Ein Hungerlohn bis zur Ausnützung des Individuums! Aber besser ein Lohn als keiner und Beschäftigung. Warum beispielsweise lässt man nicht willige hiesige Sozialbezüger mit Freude an der Näharbeit zu einem bescheidenen o. dafür Naturallohn (Lebensmittel, Pflegeprodukte von der Migros/Coop etc. gratis dafür ausgehändigt) daran beteiligen anstatt alles bis zum Nichts mehr hier Produzierende auslager Antworten


Dieter Wundrak-Gunst

09.09.2012, 12:10 Uhr
Melden 121 Empfehlung 0

Verstehe ich gut. So sagt doch eine Partei bei uns, was? Wir wollen nichts mit Europa mehr zu tun haben, nur mit den Schwellenländern. Und wenn ich mich nicht täusche, so gehört doch dieses Indien zu einem Schwellenland. Dort macht man auch in Zukunft die grossen Gewinne. Für das haben wir auch die Steueroase Zug geschaffen, wo die Rohstoffhändler Pinke Pinke machen. EIne Philosophie, Danke. Antworten



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