Schweiz

Wo die kleinsten Schweizer wohnen

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 23.03.2010 3 Kommentare

1,60 Meter mass ein Appenzeller Rekrut 1884 im Schnitt. Und wie viele Schweizer Männer erhängten sich 1901? Der Bund öffnet seine Jahrbücher und gibt einen tiefen Einblick in die Schweiz der letzten 150 Jahre.

1/4 Grosse und kleine Rekruten
Schon vor über 100 Jahren wurden bei den jungen Männern Angaben zu Grösse, Gesundheit und Familienverhältnissen systematisch erfasst. Eine wichtige Quelle für die schweizerische Datenerhebung.
Bild: Keystone

   

Statistiker sind Langweiler, denken vermutlich die meisten, die dieses Fach nicht selber betreiben. Staubtrocken und für die Schublade vorgesehen. Mag teilweise stimmen. Aber wenn man die Schublade wieder einmal öffnet und den Staub wegbläst, dann kommt das eine oder andere Fundstück hervor.

Genau das hat nun das Bundesamt für Statistik gemacht. Es feiert im Juni seinen 150. Geburtstag und hat sich auf dieses Jubiläum mit einem speziellen Internetangebot vorbereitet. Es hat den riesigen Fundus an statistischen Jahrbüchern und diversen Volkszählungen zugänglich gemacht. Und darin lässt sich einiges finden, was Anlass zum Schmunzeln oder Staunen gibt.

Am meisten Suizide in den Sommermonaten

Zum Beispiel die Tafel der tödlichen Unglücksfälle zwischen 1901 und 1910. Interessanterweise listet sie auch die Zahl der Suizide auf, oder Selbstmorde, wie man damals noch geschrieben hatte. Alles fein säuberlich aufgelistet nach Monaten, Todesart und Altersgruppen. Wer glaubt, in den Wintermonaten hätten sich am meisten Menschen das Leben genommen, der irrt. Das Gegenteil war der Fall, die Monate Mai bis Juni wiesen damals die höchsten Suizidraten auf. Und was war die häufigste Todesart? Makaber aber wahr, Tod durch Erhängen war damals offenbar die naheliegendste Methode. Von den damals jährlich durchschnittlich 800 Selbstmorde gingen 333 auf dieses Konto.

Und wie viele Ehen wurden 1889 geschieden? Rund 900 waren es an der Zahl, und das bei zirka 20'000 Eheschliessungen. Weniger als jede Zwanzigste. Heute sind es rund die Hälfte. Interessantes Detail: Die Kantone Nidwalden und Obwalden zählten in den Jahren 1886-1889 je eine einzige Scheidung.

Auswandererkanton Tessin

Und woran starben die Menschen in den 80er-Jahren des vorletzten Jahrhunderts? Den weitaus grössten Anteil der damals rund 60'000 Toten jährlich in der Schweiz gingen auf das Konto von Lungenkrankheiten, rund 20 Prozent an der Zahl. Häufig führte die Lungenentzündung zum Tod, da es keine wirksamen Medikamente dagegen gab.

Interessant auch die Zahlen zu den Auswanderern Ende des 19. Jahrhunderts nach Übersee. Mit Abstand am meisten Menschen verliessen den Kanton Tessin, gefolgt vom Kanton Bern, Wallis, St. Gallen und Glarus. Zumeist waren es Bauern, die hier keine Existenz mehr hatten und das Weite suchten. Anvisiertes Ziel war vor allem die USA gefolgt von Argentinien.

Negative Handelsbilanz

Im Gegensatz zu heute, hatte die Schweiz im Jahre 1889 noch eine negative Handelsbilanz. Das heisst, es wurde mehr importiert, als exportiert. Einem Gesamtimport von 955 Millionen Franken standen damals Exporte im Wert von 711 Millionen Franken gegenüber. Am meisten importiert wurden Lebensmittel, gefolgt von Seide, die dann aber in der hiesigen Textilindustrie verarbeitet und wieder ins Ausland verkauft wurde. Diese Branche bildete damals den wichtigsten Teil der Schweizer Exportindustrie.

Dass die Armut in weiten Teilen der Bevölkerung grassierte, zeigen die Zahlen der Armenbehörde. Vergleichbar mit den heutigen Sozialämtern. Unterstützt wurden im Jahr 1870 gut 30'000 Kinder unter 16 Jahre und weit über 90'000 Erwachsene. Mit Abstand am meisten im Kanton Bern. Der damals aber auch der bevölkerungsreichste Kanton war, inzwischen abgelöst von Zürich.

Genfer Rekruten am grössten

Und dann wären da noch die durchschnittlichen Körpergrössen der Rekruten in den Jahren 1884 bis 1891. Auffällig sind sechs Werte. Weit unter dem Durchschnitt figurieren die jungen Männer aus den beiden Kantonen Appenzell (1,60 Meter) und Glarus. Klar über dem Durchschnitt sind die Jünglinge aus Genf (1,66 Meter), Basel-Stadt und Nidwalden. Insgesamt aber waren damals die Menschen noch viel kleiner, rund 163,5 Meter im Schnitt.

Der amtierende Direktor des Bundesamtes für Statistik wünscht den Lesern im Grusswort «eine angeregte Lektüre und spannende Entdeckungen beim Blättern in diesen Seiten». Dem können wir uns nur anschliessen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2010, 16:52 Uhr

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3 Kommentare

Hans Inauen

23.03.2010, 17:22 Uhr
Melden

Die Appenzeller haben in der Grösse nur Dank dem Fremdenverkehr zugelegt. Antworten


Peter K. Weber

23.03.2010, 19:25 Uhr
Melden

Mit 163,5 m Grösse scheinen mir die Schweizer trotz allem doch recht gross zu sein .... Antworten



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