Schweiz

Wo die Prämien wie stark steigen

Aktualisiert am 01.10.2009 47 Kommentare

Die Krankenkassenprämien für Erwachsene werden 2010 in der obligatorischen Grundversicherung im Schnitt um 8,7 Prozent teurer. Zwischen den Kantonen gibt es riesige Unterschiede.

Als Basis wurden die Prämien inklusive Unfalldeckung bei einer Franchise von 300 Franken angenommen. In einer ersten Grafik waren die Prämien für Erwachsene bis 26 Jahre zu sehen; in der aktuellen sind jene für Erwachsene ab 26 Jahren abgebildet.


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Je nach Kanton bewegen sich die Erhöhungen zwischen 3,6 und 14,6 Prozent, wie das Bundesamt für Gesundheit bekannt gab. Überdurchschnittlich ist der Anstieg bei jungen Erwachsenen. Der Wert von 8,7 Prozent für Erwachsenenprämien mit ordentlicher Franchise liegt etwas tiefer als ursprünglich vom BAG prognostiziert. Bei den Prämien für bis 18-Jährige beträgt die Erhöhung durchschnittlich zehn Prozent. Da viele Versicherer ihre Rabatte für junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren reduziert haben, müssen diese mit 13,7 Prozent einen überdurchschnittlichen Anstieg in Kauf nehmen.

Prämienanstieg kleiner als erwartet

Laut Gesundheitsminister Pascal Couchepin fällt die Erhöhung der Krankenkassenprämien für das nächste Jahr tiefer aus als noch letzten Sommer befürchtet. Das Resultat befriedige trotzdem nicht, sagte Couchepin am Donnerstag vor den Medien in Bern. Im Frühling habe man noch von einem durchschnittlichen Prämienanstieg von 15 Prozent gesprochen. Nun seien es 8,7 Prozent, erklärte der abtretende Bundesrat bei seiner letzten Präsentation der Krankenkassenprämien.

Dass der Anstieg tiefer ausgefallen sei als befürchtet, liege an den getroffenen Massnahmen des Bundes und der beteiligten Akteure. Er hoffe, dass die Kantone nicht versuchten, die Schuld für die dennoch starken Prämienerhöhungen den anderen Akteuren zuzuschieben. Dies sei nicht gerechtfertigt, da die Kantone wichtige Akteure seien, die einen grossen Anteil der Gesundheitskosten beeinflussen können.

Couchepin zeigt auf Krankenversicherer

Der Prämienanstieg für junge Erwachsene ist laut Gesundheitsminister Pascal Couchepin nicht auf den Kostenanstieg im Gesundheitswesen zurückzuführen. Der Grund für den überdurchschnittlichen Anstieg dieser Prämien liegt laut Couchepin in einem Strategiewechsel der Versicherer.

Die Kassen hätten in den letzten Jahren von den jungen Menschen tiefere Prämien verlangt, als eigentlich nötig gewesen wäre, sagte er. Die Versicherer hätten damit «gute Risiken» gejagt. Das bedeutet, dass die Krankenkassen dank tiefen Prämien versuchten, junge und gesunde Menschen an sich zu binden, die selten krank werden und damit wenig Kosten verursachen.

Die Situation in den Kantonen

Der Blick auf die Kantone zeigt bei den Erwachsenenprämien eine Bandbreite des Anstiegs von 3,6 Prozent im Kanton Neuenburg bis 14,6 Prozent im Kanton Obwalden. In sechs Kantonen (BS, GE, JU, NE, TI, VD) liegt die Verteuerung unter dem landesweiten Durchschnitt. Sechs Kantone (FR, GL, SH, TG, VS, ZH) weisen mit einem Anstieg zwischen 8,5 und 10,0 Prozent eine durchschnittliche Erhöhung aus. In 14 Kantonen steigen die Prämien auf 2010 in einer Bandbreite von 10,2 bis 14,6 Prozent überdurchschnittlich. Betroffen sind die Kantone AG, AI, AR, BE, BL, GR, LU, NW, OW, SG, SO, SZ, UR und ZG.

Bei einer Wahlfranchise von 2500 Franken kann die Erhöhung bis zu 26 Prozent betragen. Der Bundesrat hat den Rabatt für Wahlfranchisen von 80 auf 70 Prozent gesenkt. Die Umsetzung dieser Vorschrift habe für alle Versicherer zur Folge, dass ihre Rabatte für Wahlfranchisen auf das kommende Jahr sinken. Diese Senkung führe dazu, dass in höheren Franchisestufen grössere Prämienerhöhungen zu verzeichnen seien, so das BAG.

Die Prämienerhöhung für das kommende Jahr liegt unter dem im Frühjahr prognostizierten Wert. Das BAG begründete dies mit den vom Bundesrat beschlossenen Kostensenkungsmassnahmen im Medikamentenbereich. Zudem hätten sich die Finanzmärkte besser erholt als erwartet. Die Krankenkassen müssen die Versicherten bis Ende Oktober über die neuen Prämien informieren. Diese haben dann bis Ende November Zeit, ihre bisherige Krankenkasse zu kündigen und zu wechseln oder ein neues Versicherungsmodell zu wählen. (vin/ap/sda)

Erstellt: 01.10.2009, 15:02 Uhr

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47 Kommentare

Andreas Egli

01.10.2009, 15:46 Uhr
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Wir sind weit weg von Kostenwahrheit im Gesundheitswesen. Es ist alles sehr komplex. Das ist Absicht. Denn niemand hat ein Interesse an tiefen KK-Kosten: Gesundheitsindustrie lebt davon, Krankenkassen leben davon, Konsumenten konsumieren gratis - und immer im Herbst wird ausgerufen. Nur höhere Selbstbehalte und eine strikte Limitierung der Grundversicherung helfen! Das Gegenteil ist aber IN.... Antworten


Jörg Maag

01.10.2009, 12:03 Uhr
Melden

... und noch was. Wenn ich die Karte so betrachte hab ich das Gefühl, dass grad die Regionen / Kantone wo die Gesundheitskosten momentan tief sind die Prämien am meisten steigen. In der Schweiz scheint Eigenverantwortung unerwünscht und wird (nach linker Logik wohl folgerichtig) je länger je mehr bestraft. Sehr bedenklich.... Antworten



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