«Wir werden die Krise als Chance nutzen»
(jd/mfa)
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Zusammenfassung
Deutschland und die Schweiz sollen bei Bildung und Wissenschaft enger zusammenarbeiten. Dafür haben am Donnerstag in Zürich gemeinsam Bundespräsident Christian Wulff und seine Schweizer Amtskollegin Doris Leuthard geworben.
Wulff regte in einer Ansprache an der Züricher Universität eine bessere Kooperation an. «Vielleicht sollten wir uns stärker über Forschungsfelder verständigen», sagte er. Zugleich lobte er die exzellente Hochschulfinanzierung im Nachbarland. Die Schweiz bemühe sich zudem schon lange erfolgreich darum, ausländische Studenten anzuziehen.
Ähnliche Bildungssysteme
Mit Blick auf die Bundesrepublik betonte Leuthard: «Unsere Bildungssysteme sind sehr ähnlich.» Daher sei es sinnvoll, die Zusammenarbeit zu vertiefen. Zugleich warnte sie ebenso wie Wulff vor einem Fachkräftemangel insbesondere bei Naturwissenschaftlern. Hier habe die Schweiz bislang vom Zuzug aus Deutschland profitieren können. Dies sei aber keine Dauerlösung.
Wulff hatte seinen zweitägigen Staatsbesuch in der Schweiz unter das Motto «Bildung, Innovation, Technologie» gestellt. Am Donnerstagvormittag besuchte er in Lausanne die ultramoderne Eidgenössische Technische Hochschule, die renommierte Forscher aus der ganzen Welt anzieht, und informierte sich gemeinsam mit Leuthard insbesondere über die Solarzellentechnologie. Derzeit lehren an der Eliteuniversität auch 32 deutsche Professoren. 229 Studenten aus der Bundesrepublik sind in Lausanne eingeschrieben.
Am Abend wurde das Staatsoberhaupt nach seinem zweitägigen Staatsbesuch in Berlin zurückerwartet. -
17.16
Das Podiumsgespräch ist zu Ende.
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17.15
Letzte Frage: Krisen sind Chancen, sagt Glogger. Was ist die Krise jetzt? Und wie wollen sie profitieren?
Wir sind seit letztem Sommer aus der Krise raus. «Das einzige, was hilft, ist Bildung, Bildung und Innovation, Innovation», so Leuthard. «Wir werden die Krise als Chance nutzen», sagt Wulff. Verlässlichkeit, Mass halten, Sozialpartnerschaft und Zusammenstehen seien Werte, die man wieder pflegen müsse. -
17.11
Es ginge nicht darum, Leute auszuschliessen, meint Loprieno, sondern darum, Menschen anzuziehen, die eine Kompetenz entwickeln. «Es geht nicht um Ausschluss». Es geht um ein Empowerment der Universität, sich die Studenten auszusuchen, die für die Balance des Angebots am geeignetsten sind.
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17.08
Man möchte mehr Leute in der Forschung, dabei werde der Master auf 20 Prozent der Bachelor beschränkt, sagt eine Studentin. Und Herr Loprieno widerspreche sich, wenn er erst sage, man wolle eine Ausländerquote und nun sage, man brauche gute Ausländer.
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17.06
Die Fragerunde ist eröffnet. Ein Gast weist auf den in einem Monat stattfindenden Frankophonie-Gipfel in der Schweiz. Die deutschsprachigen Länder haben nichts dergleichen, so der Gast. «Die Marginalisierung der deutschen Sprache wächst». Wulff findet, man habe durchaus Plattformen, wo man die deutsche Sprache verstärken könne. «Ich werde mich ab jetzt auch im Europäischen Parlament im Gästebuch auf Deutsch verewigen». Im Bereich der Naturwissenschaften ist der Kampf aber verloren. Auch im Internet sei Englisch nun einmal die Sprache der Stunde.
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17.00
Ein hoher Anteil ausländischer Absolventen sei gut für die Schweiz, sagt Antonio Loprieno. Um unsere Leistung ausbauen zu können, sind wir darauf angewiesen, die Besten aus dem Ausland zu holen. Diese Absolventen seien auch die besten Botschafter für das Schweizer Bildungssystem.
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16.55
Leuthard hofft bei der Förderung der Begeisterung für Bildung, Forschung und Innovation auch auf die Kantone. «Diese Begeisterung für die Technikberufe sind auch Sache der Kantone», sagt sie.
Es würden Stimmen laut, die sagen, zu viele Kinder gehen ins Gymnasium, sagt Glogger. «Herr Wulff, wie viele Akademiker braucht eine Gesellschaft?» Wulff: «Es kann nicht genug Akademiker geben». -
16.51
«Bei den Bankern wären wir froh, wenn sie uns keine neuen Probleme machen», so Wulff.
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16.50
Sabine Kunst sagt, die Leistung und die Differenzierung an deutschen Hochschulen seit deutlich angewachsen. Nichtsdestotroz brauche man in dieses System mehr Geld. «Investition in Forschung und Innovation ist eine Innovation in die Zukunft», sagt Antonio Loprieno. Forschung und Entwicklung im Ingenieurwesen sei nicht besonders attraktiv, sagt Beat Glogger. Viele locke das schnelle Geld in der Wirtschaft. Geld könne ja nicht das einzige sein, was einem motiviere, einen Beruf zu ergreifen, meint Leuthard dazu. «Die Weltprobleme lösen ihnen ja nicht die Banker.»
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16.45
Vor allem bei den Geisteswissenschaften habe man erkannt, dass man viele Probleme im Team lösen muss. «Es macht mir Sorgen, wenn ich lesen muss, dass wir zu viele ausländische Professoren haben, zu viele ausländische Studierende, das ist natürlich Unsinn», so Leuthard. «Wir brauchen Exzellenz, das kann man nicht nur auf einen Pass beschränken.»
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16.40
Beat Glogger fragt Doris Leuthard: «Was können wir von den Deutschen lernen, wenn wir überall Rang 1 haben?» Leuthard sagt lachend: «Man darf nicht überheblich werden, andere sitzen uns im Nacken.»
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16.37
Die Diskussionsrunde wird um Sabine Kunst, Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und Antonio Loprieno, Präsident der Schweizerischen Rektorenkonferenz erweitert. Der Wirtschaftsjournalist Beat Glogger moderiert die Runde.
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16.35
Um Kreativität zu ermöglichen müssen man «die Neugier bei Kindern nicht nur entwickeln, sondern ihr auch Raum lassen». Zu viel sei reglementiert. Auch die Schulen müssen wir nachhaltig verbessern. Wulff erörtert noch, was es seiner Meinung nach sonst noch bräuchte, um die Jungen wieder für Studien zu begeistern.
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16.30
In China würden die Forschungsausgaben von 124 Milliarden US Dollar jetzt auf 350 Milliarden US Dollar im Jahre 2020 gesteigert. In Deutschland werde auch empfohlen, ganz massiv in Forschung zu investieren. Die Schweiz und Deutschland als Top-Forschungsstandorte müssten verstärkt zusammenspannen.
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16.25
Christian Wulff ergreift das Wort. Er bezieht sich auf den Wef-Bericht, wonach die Schweiz die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft sei. Wulff: «Die Schweiz hat wieder Platz 1 erreicht, herzlichen Glückwunsch Frau Bundespräsidentin. Aber Deutschland hat den Platz 5 erreicht und sie dürften nun den Atem der Deutschen spüren, die sie zu überholen versuchen». Gelächter.
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16.23
Wesentlich für die Schweiz sei, dass genügend Mittel für Bildung, Forschung und Innovation bereitgestellt werden. «Ich glaube, hier lohnt sich der Sparhebel nicht». Die Schulen müssten aber auch die Mittel effizient einsetzen und mit Partnern zusammenarbeiten, so Leuthard. Sie sei gespannt auf Wulffs Ausführungen, was die Schweiz in diesem Bereich besser machen könne.
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16.20
Die Schweiz habe sehr von der Rekrutierung deutscher Fachkräfte profitiert, so Leuthard. Nun müsse man dafür sorgen, dass sich in der Schweiz vermehrt Junge für technische Berufe begeistern und dass die ausgebildeten Fachkräfte dann auch in der Schweiz bleiben. Man müsse die unterschiedlichen europäischen Bildungssysteme abgleichen. Ebenso wichtig ist die internationale Kooperation. «Und da ist die EU unser wichtigster Partner.»
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16.15
«Wir sind beide überzeugt, Bildung, Forschung und Innovation wird entscheidend sein», so Doris Leuthard. Die Bildungssysteme von Deutschland und der Schweiz seien sich sehr ähnlich, daher sei es sinnvoll, enger zusammen zu arbeiten.
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16.10
Gute Forschung und gute Lehre seien nur ein Teil des Erfolges, so Jarren. «Forschungsleistung und Innovation sind wesentlich abhängig von den Persönlichkeiten, die wir für die Universität gewinnen können.» Wer Leistung wolle, müsse Mut und Risikobereitschaft fördern.
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16.05
Prorektor Otfried Jarren begrüsst Christian Wulff und Doris Leuthard.
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15.50
Die grosse Aula der Universität Zürich füllt sich. Die Gäste warten auf den Auftritt des deutschen Bundespräsidenten.
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Das Podiumsgespräch mit Christian Wulff in Zürich
Der deutsche Bundespräsident und die schweizerische Bundespräsidentin sind die prominentesten Teilnehmer am Podiumsgespräch «Bildung, Forschung und Innovation – unser Kapital in einer globalisierten Welt». Die Diskussionsrunde an der Universität Zürich ist der letzte Programmpunkt des Staatsbesuchs von Bundespräsident Wulff.
Weitere Teilnehmer an der Diskussion in der Aula der Universität Zürich sind Sabine Kunst, Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und Antonio Loprieno, Präsident der Schweizerischen Rektorenkonferenz. Moderator ist der Wissenschaftsjournalist Beat Glogger.
Erstellt: 09.09.2010, 16:08 Uhr












































































