Schweiz

«Wir haben die Defizite institutionalisiert»

Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 27.01.2011 1 Kommentar

WEF-Gründer Klaus Schwab sprach mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton über Haiti, die Republikaner und die künftigen Herausforderungen. DerBund.ch/Newsnet berichtete live.

1/4 «In Nordafrika zeigt sich die Sehnsucht nach Veränderung»: Bill Clinton am WEF in Davos.
Bild: Keystone

   

(DerBund.ch/Newsnet)

  • Zusammenfassung  

    Im Gespräch mit WEF-Gründer Klaus Schwab sprach der ehemalige US-Präsident über die Herausforderungen der Zukunft. «Die Stellung der USA ist sich am Verändern. Unser Land aber aufzugeben, wäre falsch», antwortete der ehemalige US-Präsident auf die Frage, ob die USA im Niedergang begriffen sei. Jeder, der bisher gegen die USA gewettet habe, habe verloren.

    Das 21. Jahrhundert sei das Jahrhundert der Vielen. Sein Land müsse nun auf den Pfad der Zukunft zurückfinden. In diesem Zusammenhang verpasste es Bill Clinton nicht, Kritik an den Republikanern zu üben, die für rigide Sparmassnahmen plädieren. Es seien ja gerade die republikanischen Präsidenten gewesen, die stets Defizite geschrieben hätten. «Vor 1981 hatten wir nie permanente Defizite. Wir haben die Defizite seither institutionalisiert.»

    Nun sei es aber an der Zeit, dass «Republikaner und Demokraten zurück auf den Weg der konstruktiven Zusammenarbeit finden». Gleichzeitig sollten die USA wieder zu einer dynamischen Wirtschaftskraft werden, die qualifizierte Arbeitskräfte ins Land hole und gegen protektionistische Strömungen ankämpfe.

  • 19:15 Uhr: Schlussfrage  

    Frage: «Was wollen sie in den nächsten 10 Jahren erreichen?»

    «Ich möchte Leben, Grossvater werden und eine glückliche Frau haben, die mehr Grossmutter werden will als Präsidentin.» Clinton lobt das WEF für die Tatsache, dass sich hier die Menschen dank Millionen von Gesprächen näher kämen.

  • 19:10 Uhr: Wirtschaftspolitik  

    Clinton wirbt für mehr Immigration und warnt vor protektionistischen Strömungen auf der Welt. Die USA sollten mehr qualifizierte Arbeitskräfte ins Land bringen. Eine starke Volkswirtschaft brauche sowohl eine wirksame Regierung mit genügend Ressourcen, wie auch eine starke Privatwirtschaft.

    Clinton wirbt für eine grüne Wirtschaft. Er nennt die Regierungen in Schweden und Deutschland als gute Beispiele. Eine solche Politik habe nicht mit linken oder rechten Positionen zu tun.

  • 19:05 Uhr: Staatshaushalt  

    Der Ex-Präsident kritisiert die Haushaltspolitik der USA der letzten Jahre: «Vor 1981 hatten wir nie permanente Defizite. Wir haben die Defizite seither institutionalisiert.» Er wolle damit aber nicht sagen, dass Defizite nur etwas Negatives seien. Es sei manchmal unausweichlich, Defizite zu schreiben.

  • 19:02 Uhr: Clinton über Obama  

    Bill Clinton lobt Barack Obamas Rede zur Lage der Union, auch wenn er selbst etwas anderes gesagt hätte. Der ehemalige US-Präsident verteidigt Obamas Gesundheitspolitik. Die USA hätten eine Gesundheitsreform dringend nötig.

  • 19:00 Uhr: Zur Polarisierung der US-Politik  

    Frage: «Wie kann man die Polarisierung in der US-Politik aufheben?»

    Clinton: «Die Demokraten wurden bestraft, weil Bemühungen da waren, unseren Präsidenten als Sozialisten hinzustellen. »

    Die republikanischen Präsidenten hätten stets ein Haushaltsdefizit geschaffen, bemerkt der ehemalige US-Präsident. Um wieder erfolgreich zu sein, müssten die Demokraten wieder eine gemeinsame Botschaft formulieren. Clinton hofft, dass beide Parteien zu einer produktiven Zusammenarbeit zurückfinden.

  • 18:50: Zum Zustand der USA  

    Frage: «Droht den USA der Niedergang, wie es viele Politologen vorhersagen?»

    Clinton verneint. Die Stellung der USA sei sich jedoch am Verändern ist. Die Welt werde im 21. Jahrhundert vielen gehören. Die USA müsse weiterhin an ihre Werte glauben, um erfolgreich zu bleiben. Man solle Amerika nicht aufgeben. Jeder, der in der Vergangenheit gegen die USA gewettet habe, sei stets falsch gelegen.

    «Die politische Welt der USA darf nicht mehr in einer Parallelwelt leben. » Clinton kritisiert die Forderungen und Denkweisen der Republikaner. «Wir müssen die USA wieder auf den Pfad der Zukunft bringen...Wo wir in 50 Jahren stehen werden, hängt ab, was wir jetzt tun.»

  • 18:40 Uhr: Clinton zu den Unruhen in Nordafrika  

    «Wir wissen nicht, wie es in Tunesien herauskommen wird. Es zeigt sich jedoch die Sehnsucht nach Veränderung.» Die Demonstrationen in den Strassen Kairos seien mit Tunesien zu vergleichen. Er glaubt, dass die jetzige Entwicklung in Nordafrika und im Nahen Osten zu einer Modernisierungsbewegung gehört.

    Über die Regierungskrise im Libanon zeigt er sich besorgt. Da sei er skeptischer.

  • 18:35 Uhr  

    Bill Clinton kritisiert die Steuersenkungs- und Kürzungsforderungen der Republikaner. Die Auslandshilfe sei jedoch ein zentraler Bestandteil der US-Politik: «Die Auslandshilfe ist Teil unser moralischer Verantwortung»

  • 18:30 Uhr: Haiti  

    Clinton spricht über den Wiederaufbau in Haiti. Der ehemalige US-Präsident setzt sich im Rahmen seiner NPO, die Clinton Global Initiative, für den Wiederaufbau des vom Erdbeben zerstörten Landes ein. Der Aufbau gehe langsam voran, sei aber nachhaltig. Aber vollkommen zufrieden sei er nicht. Über die politische Entwicklung zeigt er sich etwas besorgt.

  • 18:20 Uhr  

    WEF-Gründer Klaus Schwab lädt zum Gespräch mit dem ehemaligen US-Präsident Bill Clinton. «Sie haben dem Wort Ruhestand eine neue Bedeutung verliehen», sagt Klaus Schwab mit einem Lächeln.

  • Überblick  

    Der ehemalige US-Präsident liess sich gestern Abend kurz vor Mitternacht im Steigenberger Belvédère blicken. Keine Spur von Sicherheitshysterie, der frühere US-Präsident mischte sich unters Volk. Der Stammgast am World Economic Forum in Davos gab sich auch dieses Jahr wieder volksnah.

    Lesen Sie hier: Als Bill Clinton zu später Stunde in der Davoser Partynacht auftauchte.

    1/5 Im Mittelpunkt
    Bereits an der Garderobe des Hotel Belvédère wird Ex-Präsident Bill Clinton umringt.
    Bild: Jan Derrer

       

Erstellt: 27.01.2011, 17:47 Uhr

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1 Kommentar

Bernd Rickert

28.01.2011, 13:34 Uhr
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Bevor die USA auf den Pfad der Zukunft zurückfinden, sollten die erstmal das Problem der ungleichen Entwicklung im Land ernsthaft angehen. Wie viele Politiker in anderen Ländern reduziert Clinton den Begriff seiner USA auf eine Minderheit in der Bevölkerung. Man kann sich nicht auf innovative Leistungen berufen, die für grosse Teile der Bevölkerung unerreichbar bleiben. Antworten



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